Die Alpen warten nichtDas Specialized Aethos 2 Pro ist bereit für Passstraßen

Sandra Schuberth

 · 27.05.2026

Die Alpen warten nicht: Das Specialized Aethos 2 Pro ist bereit für PassstraßenFoto: Marcel Berger

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Wer ein Rennrad-Etappenrennen mit Alpenpässen fährt, braucht kein Aero-Bolide – sondern ein Rad, das leicht ist, komfortabel bleibt und bergauf nicht zur Last wird. Ich war bei Specialized Munich zum Bikefitting und habe mein Rad für die TOUR Transalp abgeholt: das Specialized Aethos 2 Pro. Was es kann – und wo ich noch nachjustiere.

Themen in diesem Artikel

​Ende Juni fahre ich die 3-Tages-Challenge der TOUR Transalp – drei Etappen durch Osttirol und die Dolomiten, mit Pässen wie dem Staller Sattel, dem Passo Giau und dem Passo Rolle. Wer selbst dabei sein will: Die Anmeldung ist noch offen.

Bikefitting zuerst

Bevor ein Rad in die Berge geht, sollte es passen. Nicht ungefähr, sondern wirklich. Gerade bei einem Mehrtages-Rennen, wo man drei Tage hintereinander im Sattel sitzt, rächt sich jeder Millimeter, der nicht stimmt.

Ich bin 15 Minuten früher da als verabredet – und bekomme erstmal einen Cappuccino mit Hafermilch. Dann in die Radklamotten, und weiter zu Marcel Berger, Sportwissenschaftler und Bikefitting-Experte bei Specialized in München.

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Das Rad steht schon im Fitting-Raum bereit. Marcel fängt nicht sofort mit Schrauben an, sondern mit Fragen: Verletzungshistorie, aktuelle Beschwerden, Vorhaben. Erst wenn er ein Bild hat, wie ich auf dem Rad sitzen soll, geht es weiter. Es folgt eine körperliche Untersuchung – bei einbeinigen Kniebeugen zum Beispiel beobachtet Marcel, ob meine Knie nach innen oder außen kippen. Dazu Tests zur Flexibilität. Das alles fließt später in die Einstellung ein.

Dann die Cleats: Position überprüfen, anpassen. Einlegesohlen werden auf meine Füße abgestimmt, zugeschnitten, in die Schuhe gelegt. Anschließend werde ich mit Markern versehen – für das Retül Motion Capture System, das während der Fahrt Bewegungsdaten aufzeichnet.

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Ich fahre los. Grob sieht die Position auf Anhieb gut aus, aber Optimierungspotenzial ist da: Der Sattel kommt etwas höher, Versatz und Winkel werden angepasst. Wir probieren noch zwei weitere Sättel – und landen am Ende wieder beim ursprünglichen, dem Power Pro Mirror, den ich schon auf meinem Gravelbike fahre.

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Wenn das Aethos mein eigenes Rad wäre, hätten wir auch den Lenker getauscht: Montiert ist ein 380-Millimeter-Lenker, 360 wären passender für mich. Die Höhe des Cockpits stimmt, aber die Bremsschalthebel werden noch leicht nach innen gedreht.

Nach etwa 2,5 Stunden ist es soweit: Das Rad passt. Jetzt müssen nur noch die Beine liefern.

Warum dieses Rad für die Berge

Das Aethos 2 ist ein Leichtbau-Rennrad, kein reines Kletter-Gerät – aber in der Praxis kommt das aufs Gleiche hinaus. Der Rahmen der S-Works-Variante soll nur 595 Gramm wiegen, aktuell der leichteste Serienrahmen der Welt. Die Pro-Version, die ich fahre, ist etwas schwerer – das Komplettrad kommt auf rund 6,7 Kilogramm – aber die Charaktereigenschaften sind dieselben: lebendig, präzise, und erstaunlich komfortabel für ein so leichtes Rad.

Das Cockpit soll rund 30 Prozent besser dämpfen als das aerodynamische Rapide-Cockpit vom Tarmac. Im Testlabor schneidet das S-Works Aethos 2 beim Frontkomfort bemerkenswert gut ab – straff, aber nicht hart, sowohl am Sattel als auch am Lenker. Für die nicht immer perfekten Alpenpässe ist das ein echter Vorteil. Für noch mehr Komfort hat das Aethos 2 eine Reifenfreiheit von 35 Millimetern – ausgeliefert wird es 28er Pneus.

Eine Schwachstelle

Ehrlich gesagt gibt es eine Schwachstelle: die Übersetzung. Meine Kassette geht bis 33 Zähne, das kleine Kettenblatt vorne ist ein 35er. Für flaches bis hügeliges Terrain völlig ausreichend – für vier Pässe an einem Tag in den Dolomiten ist das sportlich kalkuliert. Das ist auch bei unserem Test des S-Works Aethos 2 aufgefallen.

Ich überlege noch, ob ich die Übersetzung an die Berge anpasse. Und vielleicht wechsle ich auch die Reifen – von meinen gewohnten Gravel-Schlappen auf 30 Millimeter, denn auch Alpenpässe sind nicht immer perfekter Asphalt. Wer das Aethos 2 für ähnliche Touren in Betracht zieht: Beide Punkte lohnen die Überlegung.

Beim Abholen in München – und beim Fitting davor – ist schon klar geworden: Das ist ein Rad, das man versteht, sobald man draufsitzt. Nicht durch Zahlen, sondern durch das Gefühl.

​In spätestens acht Wochen wissen wir, ob es für die Alpen gemacht ist. Bis dahin verabschiede ich mich erstmal in den Urlaub – eine Gravel-Bikepacking-Tour wartet.

Sandra Schuberth

Sandra Schuberth

Redakteurin

Sandra Schuberth, mal Feierabendrunde, mal Trainingsride, mal unsupported Bikepacking-Challenge. Hauptsache sie und ihr Gravelbike – abseits vom Verkehr. Seven Serpents, Badlands oder Bright Midnight: Sie hat anspruchsvolle Bikepacking-Rennen gefinisht. Gravel und Bikepacking sind ihre Herzensthemen, ihr Anspruch an Equipment ist hoch. Was sie fährt, nutzt und empfiehlt, muss draußen bestehen: nicht im Marketing, sondern im echten Leben.

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