Ein Jahr. Ungefähr so lange habe ich mein Fahrrad mehr geschont als gefahren. Verletzungen, Pause, Wiederaufbau – das kennen viele, und trotzdem fühlt es sich an wie etwas, das nur einem selbst passiert. Das Rad stand. Und mit ihm auch ein Teil von mir.
Was mir gefehlt hat, weiß ich ziemlich genau: das Herz, das schnell schlägt. Tief einatmen und trotzdem nicht genug Luft haben. Nicht mehr können – und trotzdem weiterfahren. Stärker werden. Das klingt nach Masochismus, und vielleicht ist es das auch ein bisschen. Aber wer Rennrad fährt, weiß, was ich meine.
Seit ein paar Monaten bin ich schmerzfrei. Stück für Stück fühle ich mich stärker. Die ersten 100 Kilometer Gravel mit 900 Höhenmetern habe ich hinter mir – und der Körper hat mitgemacht. Es hat sich gut angefühlt.
Und dann habe ich mich für die 3-Tages-Challenge der TOUR Transalp angemeldet.
Ob das eine gute Idee ist? Keine Ahnung. Ich habe ehrlich gesagt Selbstzweifel. Reicht mein Tempo? Mehrere Alpenpässe, drei Tage hintereinander – wie sich das anfühlt, kann ich noch nicht einschätzen. Aber ich bin neugierig. Und diese Neugier treibt mich gerade ins Fitnessstudio, aufs Smart Bike und bei den ersten Frühlingstagen auch wieder nach draußen.
Am 21. Juni 2026 ist es so weit. Noch acht Wochen.
Etappe 1 führt von Lienz nach Sillian über den Staller Sattel – einen der schönsten Grenzübergänge zwischen Osttirol und Südtirol, der erst zum zweiten Mal überhaupt in der Transalp-Geschichte gefahren wird. Level 4 von 5.
Etappe 2 ist das, was Rennradfahrende meinen, wenn sie sagen „die Dolomiten sind anders": Sillian nach Falcade, mit Passo Cimabanche, Passo Giau, Passo Staulanza und Passo Duran. Vier Pässe. Level 5 von 5. Passo Giau und Passo Duran sind vorher Teil einer Giro-d'Italia-Etappe. Wenn das nicht motiviert.
Etappe 3 von Falcade nach San Martino di Castrozza über den Passo Rolle ist mit Level 3 das, was man nach zwei solchen Tagen “Erholung” nennt – jedenfalls für diejenigen, die die komplette TOUR Transalp fahren. Für mich heißt das eher “Zielsprint”.
Zur geografischen Einordnung: Das ist keine klassische Alpenüberquerung von Nord nach Süd. Es ist eher ein tiefer Einstieg in die östlichen Alpen, ein Querschnitt durch Osttirol und die Dolomiten. Wer “Alpenüberquerung Rennrad” googelt und nach echtem Bergabenteuer sucht – dieses Event ist das, nur mit mehr Pässen pro Tag und weniger Lagefeuer-Romantik.
Ziele helfen. Das mag banal klingen – aber wenn man auf der Rolle sitzt und sich fragt, warum man das eigentlich tut, dann ist der 21. Juni die Antwort. Acht Wochen noch.
Es geht nicht darum, die Schnellste zu sein. Es geht darum, ein Ziel zu haben, neue Erfahrungen zu sammeln. Ich gebe zu, ich bin ehrgeizig und kompetitiv. Aber ich weiß genau, ich werde langsamer sein als ich mal war. Das zu akzeptieren und daran zu wachsen, das ist die Herausforderung neben den ganzen Höhenmetern.
In den nächsten Wochen schreibe ich hier über alles, was dazugehört: Wie ich mich vorbereite, welches Rad ich fahren werde, was in der Tasche landet – und was passiert, wenn man mit unzähligen anderen Rennradfahrenden gleichzeitig einen 5/5-Dolomiten-Tag angeht.
Wer selbst überlegt: Die Anmeldung für 2026 ist noch offen.

Redakteurin