Racebike oder Marathon-Renner?Das Storck Aernario.3 Comp im Test

Jens Klötzer

 · 02.10.2026

Das Storck Aernario.3 Comp positioniert sich als Endurance-Renner, ist in diesem Genre aber ausgenommen sportlich ausgelegt
Foto: Wolfgang Papp
Storck sieht sein Aernario zum einen als leichtes High-End-Wettkampfmodell, in günstigeren Vaianten positioniert es sich als sportlich ausgelegter Endurance-Renner. Das Aernario.3 Comp zeigt, ob der Spagat aufgeht

Themen in diesem Artikel

Testergebnis

EigenschaftNote
Labor1,9
Ausstattung1,8
Endnote1,9

Die Gesamtbewertung findest du hier

Daten und Fakten zum Storck Aernario.3 Comp 105

Gewicht7.73 kg
SchaltungShimano 105
Bremse vorneShimano 105
LaufradsatzStorck Zeitjaeger 45R
Reifen vorneContinental Grand Prix TR 28x622

​Das Storck-Portfolio ist traditionell betont sportlich ausgerichtet, das spiegeln auch die Einordnungen der Räder durch den Hersteller selbst wieder. Folglich findet sich auch das Aernario.3 am sehr sportlichen Ende der Räder in unserem Vergleich von Endurance-Rennern um 4.000 Euro, Storck charakterisiert es als Leichtbau-Rennrad für alle Gelegenheiten. Zwar haben wir das Modell auch schon als Wettkampfrennrad im TOUR-Test eingestuft und inklusive Aerodynamik entsprechend bewertet; vor ­allem als Top-Modell mit besonders leichtem Aufbau ist es uns gut in Erinnerung. In der hier gezeigten Ausstattung mit bergtauglichem Getriebe sieht Markus Storck das ­Modell auch als sportlichen und relativ leichten Endurance-Renner in einem Preisklassen-Testfeld gut positioniert.

Ungewöhnliche Kombination aus dem Baukasten

Dafür griff Storck im Teile-Baukasten zu ­einer auf den ersten Blick anachronistisch anmutenden Kombination: Das Aernario.3 ist das einzige Rad im Testfeld, das mit einer mechanisch betätigten Schaltgruppe ausgestattet wird – am Testrad ist eine Shimano 105 verbaut, die nun schon etwas in die Jahre gekommen wirkt. Dafür sind mit den Zeitjaeger Platinum edle und besonders leichte Laufräder mit Carbonspeichen montiert, die 1.000 Euro Aufschlag kosten. Wer mit einer mechanisch betätigten Schaltung gut klarkommt und vielleicht gar keine Elektroschaltung will, profitiert hier von einem verhältnismäßig geringen Gesamtgewicht und einem ­agilen Fahrverhalten, wie es nur wenige andere Räder bieten können.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Guter Komfort, aber schmale Reifen

Die sportliche Auslegung der Rahmengeometrie bedeutet auch, dass sich das Aernario.3 in mehreren Punkten sehr deutlich von den genre-typischen Endurance-Modellen im Vergleich unterscheidet – was man aber nicht zwingend schlecht finden muss. In der Kerndisziplin Komfort jedenfalls kann das Rad gut mithalten, der Messwert der hinten abgeflachten Sattelstütze ist sogar ausgesprochen gut. Die typischen Breitreifen, die den Komforteindruck noch verstärken und die Räder tauglich für schlechte Strecken machen, findet man am Aernario.3 jedoch nicht: Mit 28 Millimetern fallen die Pneus für heutige Verhältnisse eher schmal aus, selbst Radprofis fahren auf guten Straßen heute breiter. Auch der Spielraum ist mit maximal 32 Millimetern – gemessen am heute üblichen – eher knapp bemessen. Was dem Rad ebenso fehlt, sind ein Staufach, Aufnahmen für kleines Gepäck oder die Möglichkeit, Schutzbleche anzubringen – hier gibt sich das Aernario.3 als puritischer Renner aufs Wesentliche reduziert.

Straffe Sitzposition, lebendiges Lenkverhalten

Wer das Storck trotz dieser Kompromisse als Begleiter für lange Touren in Betracht zieht, sollte Sitzposition und Lenkverhalten des Modells unbedingt vorher ausprobieren: Hier zeigt sich das Rad sehr dynamisch und liegt nahe am typischen Wettkampfrennrad, was nicht immer optimal zu den Ansprüchen auf der Langstrecke passt. Während die Sitzhaltung mit einigen Spacern unter dem Vorbau noch halbwegs bequem einzustellen sein dürfte, lässt sich am quirligen Fahrverhalten nicht viel ändern. Das Rad reagiert geradezu nervös auf Lenkbefehle im Vergleich zu den eher auf ruhigen Geradeauslauf getrimmten Konkurrenten. Das lebendige Fahrverhalten macht zwar einerseits Spaß, erfordert aber auch mehr Konzentration und kann bei ­langen Tagen im Sattel und auf der geraden Landstraße bis zum Horizont eher nervig werden. Mit breiteren Reifen dürfte sich das Gefühl zudem noch verstärken.

Für die sportliche Feierabendrunde hin­gegen kann das Storck eine gute Wahl sein. Das Aernario.3 kann ein einsteigertaugliches Set-up mit leichten Berggängen mit viel Fahrspaß verbinden. Der Einstiegspreis liegt bei 3.199 Euro; mit den dann verbauten schwereren Alu-­Felgen wird das Rad deutlich weniger leichtfüßig beschleunigen. Eine elektronische 105-Schaltung kostet 600 Euro Aufpreis. Zwar lassen sich auch SRAM-Ausstattungen (Rival und Force) konfigurieren, allerdings wirken sie im Fall des Aernario preislich ­wenig attraktiv. Mit den höherwertigen ­Qualitäten Pro und Platinum lassen sich Komplettradgewichte deutlich unter ­sieben Kilogramm realisieren, die durchweg unter 10.000 Euro liegen.

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Jens Klötzer

Jens Klötzer

Redakteur

Jens Klötzer ist gelernter Wirtschaftsingenieur und bei TOUR der Experte für Komponenten aller Art: Bremsen, Schaltungen, Laufräder oder Reifen – alles testet Jens auf Herz und Nieren. Er sammelt historische Rennräder, besitzt sowohl ein modernes Zeitfahrrad wie ein Gravel-Reise-Rennrad aus Titan. Auf Reisen erkundet er gern unbekannte Straßen in Osteuropa – auf breiten, aber schnellen Reifen.

Meistgelesen in der Rubrik Rennräder

Shorts