Luftikus mit 5,4 KilogrammDas Storck Aernario.3 Platinum im Test

Jens Klötzer

 · 02.09.2026

Bild 1
​Storck hat das ohnehin schon leichte Aernario.3 einer radikalen Komponenten-Diät unterzogen: 5,4 Kilogramm machen das Platinum Max Performance zu einem der leichtesten aktuell kaufbaren Rennräder. Wie sich das fährt? Wir haben’s ausprobiert

Themen in diesem Artikel

Testergebnis

EigenschaftNote
Labor1,5
Ausstattung1,4
Endnote1,5

Die Gesamtbewertung findest du hier

Daten und Fakten zum Storck Aernario.3 Platinum Max Performance

Gewicht5.4 kg
SchaltungSRAM Red AXS
Bremse vorneSRAM Red
LaufradsatzScope Artech
Reifen vorneContinental Grand Prix 5000 25-622

| Foto: Wolfgang Papp

​Dass irgendwas in den Proportionen anders ist als bei gängigen Rennrädern, fällt sofort auf. Die filigranen Laufräder mit schmalen Reifen wirken fast etwas verloren in dem wuchtigen Rahmen, der massive Vorbau verstärkt den Eindruck einer gewissen optischen Kopflastigkeit. Doch um Sehgewohnheiten geht es nicht bei dieser Ausstattungsvariante, mit der Storck aus seinem Leichtbaurenner im fünften Modelljahr noch einmal alles herausholt. Es geht vielmehr darum, ein möglichst leichtes Rennrad zu bauen, ohne dabei Kompromisse bei Funktion oder Sicherheit einzugehen. „Mit dem Aernario.3 Platinum Max Performance wollten wir zeigen, was technisch möglich ist, wenn man jedes Detail hinterfragt und konsequent auf Leichtbau optimiert“, sagt Storck Technologiechef Max Fetzer. Extremer Leichtbau war schon zu früheren Zeiten eine Spezialität der Marke Storck, das Max Performance soll an diese Tradition nun anknüpfen. Basis ist die hochwertigste Carbonqualität des Aernario.3, die bei Storck Platinum heißt. Für das rekordverdächtige Gewicht werden die Rahmen speziell selektiert, also besonders leichte Exemplare innerhalb der Fertigungstoleranzen ausgewählt. Auch beim Aufbau mit ausgesuchten Komponenten rücken Aerodynamik oder ergonomische Belange in den Hintergrund, bei allen Teilen wird vorrangig aufs Gewicht geachtet.

Carbon, wohin man blickt

Dazu gehören viele Komponenten aus der Tuningszene, die man nicht alle Tage sieht: Eine Lenkerkombi von THM, ein minimalistischer Carbonsattel von Alpitude, ein Carbonkettenblatt von Gemini. Aber auch die Laufräder mit flachen Felgen von Scope und 25 Millimeter schmale Reifen sind konsequente Maßnahmen, um die Zahl auf dem Display der Waage möglichst weit nach unten zu drücken. Immerhin: Bei sicherheitsrelevanten Teilen wie Reifen und Bremsscheiben kann man auf etablierte Komponenten vertrauen und muss sich nicht dem Risiko zwielichtiger Leichtbauteile hingeben. Im Ergebnis bringt das Testrad 5.400 Gramm auf die Waage, das ist tatsächlich Rekord für Disc-Rennräder, allerdings steht Storck damit nicht ganz allein auf dem Podest. Das Leggerissima des deutschen Carbon-Spezialisten Schmolke, das wir 2024 testen konnten, wog aufs Gramm genauso viel - beziehungsweise wenig.

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Stabil in Fahrt, aber sensibel im Fahrverhalten

Die Laborprüfungen durchläuft das Storck ohne Auffälligkeiten, der Rahmen ist ausreichend steif, der Komfort sehr gut, so wie wir das vom Aernario schon aus vergangenen Tests in Erinnerung haben. Das größere Aha-Erlebnis versprechen wir uns ohnehin von der Ausfahrt auf der Straße. Hier setzt das Leichtgewicht die ersten Pedaltritte ausgesprochen spontan in Beschleunigung um, es verleitet ständig dazu, Zwischensprints einzulegen. Dabei wirkt das Rad mit allen Komponenten stabil, nichts klappert oder knarzt oder fühlt sich irgendwie windig an. Das maximale Fahrergewicht gibt an unserem Testrad der Sattel vor, für die 70-Gramm-Schale sind maximal 85 Kilogramm zulässig. Der Lenker verträgt laut Hersteller 110 Kilogramm, für die Laufräder gibt es explizit kein Limit. Die Sitzposition ist sportlich, aber nicht extrem, und eignet sich auch für längere Ausfahrten. Unerfahrene Piloten müssen sich an ein sensibles Fahrverhalten gewöhnen, denn der sehr kurz gebaute Rahmen reagiert unmittelbar auf leichteste Lenkbewegungen. Die leichten Laufräder verstärken das quirlige Lenkverhalten zusätzlich. Doch davon abgesehen rollt das Rad in der Ebene sicher und spurstabil, am Berg macht die Leichtigkeit selbstredend am meisten Laune, wenn das Rad geradezu spielerisch mit jeder Kurbelumdrehung beschleunigt.

Bergrad ohne Berggänge

Dass das Platinum Max Performance als Leichtbau-Rennrad keinerlei Kompromisse verlangt, kann man angesichts mancher Details aber durchaus infrage stellen. Die größten Zugeständnisse erfordert der Antrieb, der mit nur einem Kettenblatt und zwölf Ritzeln auskommt. Die immerhin breit gefächerte 10-36-Kassette erlaubt in Kombination mit dem 46er-Kettenblatt in maximal hügeligem Gelände flüssiges Pedalieren. Dass mit dem relativ kleinen Blatt weniger wirklich schnelle Gänge zur Verfügung stehen, kann man bei so einem Rad noch verschmerzen, das Fehlen leichter Berggänge schränkt die Möglichkeiten aber erheblich ein. Auch die schmalen Reifen wirken nicht mehr zeitgemäß und lassen Komfort und Sicherheit vermissen; trotz des guten Rahmenkomforts wirkt die Fahrt etwas rumpelig. Auch der glatte, rutschige Carbonsattel war nicht unser Ding, aber das ist sicherlich Geschmackssache. Der Lenker von THM liegt gut in der Hand.

Spitzes Publikum

Es fällt nicht leicht, sich ein passendes Publikum für das Max Performance vorzustellen. Wer ein wirklich leichtes Bergrad sucht, um damit Marathons oder Touren zu fahren, wird mindestens eine andere Übersetzung brauchen. Mit dem ebenso leichten Schmolke, das mit einem vollwertigen Rennrad-Getriebe und breiteren Reifen aufwartet, wäre man da besser beraten. In flacherem Terrain wäre ein aerodynamisches Set-up sinnvoller; davon abgesehen unterschreitet das Rad auch mit Pedalen das vorgeschriebene Mindestgewicht als Wettkampfrad. Bleiben solvente Technikfreaks, denen das Rekordgewicht wichtiger ist als Alltagstauglichkeit. Dann muss man die knapp 13.000 Euro aber wirklich übrig haben. Alternativ ist das Aernario.3 Platinum in gängiger Top-Ausstattung für rund 10.000 Euro zu haben, mit SRAM Red oder Dura-Ace wiegt das Rad rund 6,5 Kilo. Los geht’s bei 7.500 Euro mit Ultegra Di2. Aufmerksamkeit erfordert das etwas eigenwillige Größenspektrum: Das Rad gibt es in sehr großen, aber kaum kleinen Rahmenhöhen – die zweitkleinste Testgröße M passte unseren 1,80 Meter großen Testfahrern gut.

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Jens Klötzer

Jens Klötzer

Redakteur

Jens Klötzer ist gelernter Wirtschaftsingenieur und bei TOUR der Experte für Komponenten aller Art: Bremsen, Schaltungen, Laufräder oder Reifen – alles testet Jens auf Herz und Nieren. Er sammelt historische Rennräder, besitzt sowohl ein modernes Zeitfahrrad wie ein Gravel-Reise-Rennrad aus Titan. Auf Reisen erkundet er gern unbekannte Straßen in Osteuropa – auf breiten, aber schnellen Reifen.

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