Jens Klötzer
· 03.09.2026
Pinarello legt seine Endurance-Baureihe neu auf. Das X übernimmt technische Lösungen vom deutlich teureren Dogma X, bietet nun Platz für bis zu 40 Millimeter breite Reifen und erstmals ein Staufach im Unterrohr. Fünf Modellstufen decken Preise von 3200 bis 11.000 Euro ab.
Mit der zweiten Generation des X renoviert Pinarello sein Angebot für lange Tage im Sattel. Das Endurance-Rennrad aus Treviso bleibt optisch und technisch eng mit den sportlicheren (und teureren) Modellen der Marke verwandt, soll sich aber deutlicher als bisher vom race-orientierten Programm absetzen. Die X-Serie ergänzt das High-End-Endurance-Modell Dogma X um etwas bezahlbarere Varianten, Im Mittelpunkt stehen Komfort sowie Sicherheit und Alltagstauglichkeit auf schlechtem Asphalt und unbefestigten Wegen. Die Modellpalette reicht vom X1 mit mechanischer Shimano 105 bis zum X9 mit Dura-Ace Di2 und 45 Millimeter hohen Carbonlaufrädern. Die Preise beginnen bei 3200 Euro und reichen bis 11.000 Euro.
Das 2023 vorgestellte Vorgängermodell löste bei Pinarello das Paris ab. TOUR ordnete es damals als Marathon-Rennrad mit betont aufrechter Sitzposition ein. In Größe 56 standen 602 Millimeter Stack einem Reach von 380 Millimetern gegenüber, was einer betont aufrechten Sitzposition entspricht; die Reifenfreiheit war auf nur 32 Millimeter begrenzt.
An der grundsätzlich langstreckentauglichen Geometrie ändert Pinarello beim Nachfolger nichts. Neu sind vor allem die konstruktiven Details rund um Hinterbau, Sattelstütze und Front sowie eine deutlich größere Reifenfreiheit: Bis zu 40 Millimeter breite Pneus sollen nun in Rahmen und Gabel passen. Damit rückt das X von einem klassischen Endurance-Rennrad in Richtung Allroad – ohne ein Gravelbike sein zu wollen. Der Schritt ist folgerichtig: Am bisherigen Modell galt die Begrenzung auf 32 Millimeter als eine der größten Schwächen. Der deutlich teurere Endurance-Bruder Dogma X bietet Platz für lediglich 35 Millimeter breite Reifen.
Als auffälliges Merkmal bekommt nun auch das X die sogenannten X-Stays, die für die Serie überarbeitet wurden. Wie beim teuren Dogma X wird der Hinterbau über doppelte, an vier Punkten abgestützte Streben mit dem Sitzrohr verbunden. Gegenüber der bisherigen Konstruktion sitzen die Anlenkpunkte tiefer. Dadurch sollen sich Schwingungen besser verteilen und der Hinterbau nach harten Schlägen weniger stark zurückfedern – ein minimalistisches Fahrwerk sozusagen.
Unterstützt wird der Komfort außerdem von einer neuen Carbon-Sattelstütze, die im oberen Teil verjüngt ist. Pinarello gibt einen Flex von zehn Millimetern an. Sie soll leichter als das bisherige Bauteil sein und vor allem gröbere Stöße besser vom Fahrer fernhalten. Ob sich der nominelle Federweg auch unter realistischen Lasten bestätigt, müssen Messungen und Fahrtests zeigen.
Neu ist auch eine Öffnung im Unterrohr unter dem Flaschenhalter. Unter dem Deckel befindet sich eine kompakte Werkzeugtasche, in der Schlauch, Reifenheber, Multitool oder Verpflegung untergebracht werden können.
Bei X9, X7, X5 und X3 setzt Pinarello auf ein elliptisches Steuerrohr mit komplett innen verlegten Leitungen. Die Modelle kommen auch mit einer Lenkereinheit aus Carbon. Beim X1 bleibt Pinarello bei der bisherigen Rahmenarchitektur und verbaut einen klassischen Vorbau mit geklemmtem Lenker. Das Einstiegsmodell ist dadurch als einziges weiterhin mit einer mechanischen Schaltung kompatibel. Auch auf das Staufach muss die Basisversion verzichten.
Die Modellstufen unterscheiden sich nicht nur durch Schaltgruppen und Laufräder, sondern auch beim Carbon-Lay-up:
T900 soll bei den Spitzenmodellen das beste Verhältnis aus Gewicht, Antrittssteifigkeit und Vibrationsdämpfung bieten. T700 ist stärker auf Komfort ausgelegt, während das T600-Chassis des X1 die höchste Nachgiebigkeit innerhalb der Baureihe verspricht. Es ist davon auszugehen, dass auch die Rahmengewichte mit abnehmender Carbonqualität steigen. Konkrete Gewichtsangaben nannte Pinarello aber nicht, auch Komplettgewichte fehlen in der Mitteilung. Gerade beim X9 und X7 bleibt daher offen, wie nahe die neue Serie in dieser Disziplin tatsächlich an das Dogma X herankommt.
Bei den Ausstattungen kann nun auch in die vollen gegangen werden: Waren beim bisherigen X die Preise noch bis rund 6.000 Euro gedeckelt, gibt es nun auch eine Dura-Ace-Variante für 11.000 Euro. Eine große Stärke der Italiener bleibt das eng gestaffelte Angebot von neun Rahmengrößen.
| Modell | Carbon | Schaltgruppe | Laufräder | Preis |
| X9 | T900 | Shimano Dura-Ace Di2, 2×12 | MOST Ultrafast 45 DB, Carbon | 11.000 Euro |
| X7 | T900 | Shimano Ultegra Di2, 2×12 | MOST Ultrafast 45 DB, Carbon | 7.900 Euro |
| X5 | T700 | Shimano 105 Di2, 2×12 | MOST Fast 45 DB, Carbon | 5.000 Euro |
| X3 | T700 | Shimano 105 Di2, 2×12 | DT Swiss A1800 DB, Aluminium | 4.500 Euro |
| X1 | T600 | Shimano 105 mechanisch, 2×12 | MOST Fast 27 DB, Aluminium | 3.200 Euro |

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