| Gewicht | 8.02 kg |
| Schaltung | Shimano Ultegra Di2 |
| Bremse vorne | Shimano Ultegra |
| Laufradsatz | DT-Swiss ERC 1600 |
| Reifen vorne | Schwalbe Pro One TLE 32-622 |
Die Neueinführung der Endurace-Reihe anlässlich der Frühjahrsklassiker im Profirennsport stiftete zunächst Verwirrung: Das Top-Modell CFR, das so etwas wie die Vorhut für die komplett neuformierte Modell reihe bildete, war als ausgesprochener Wettkampfrenner mit entsprechend scharfer Geometrie und wenig tourentauglicher Ausstattung positioniert. Sprichwörtliche Entspannung vermittelte etwas später die Veröffentlichung der weiteren Modelle. Drei sehr unter schiedliche Plattformen sind es nun; die mittlere, CF SLX, nimmt als Mittelklassemodell an unserem Vergleich teil. Sie teilt mit dem Kopfsteinpflaster-Racer im Grunde nur die Modellbezeichnung und die Form einzelner Rahmenrohre, davon abgesehen ist es eine völlig andere Kategorie.
Das Rad steht gleichsam für die grundsätzliche neue Stoßrichtung der Marathonräder bei Canyon: aerodynamisches Design, Lenkereinheit und Aero-Sattelstütze aus Carbon erinnern an die populären Profirenner. Dennoch ist das Rad ziemlich konsequent einsteigerfreundlich und langstreckentauglich getrimmt. Das äußert sich nicht nur in einer anderen Geometrie beziehungsweise Sitzposition: Im Gegensatz zum teuren CFR fällt sie auf dem CF SLX betont aufrecht aus; selbst im Vergleich innerhalb seiner Kategorie thront der Lenker am Endurace CF SLX relativ hoch über dem Vorderrad. Dazu kommt ein neues, extra für das Endurace entwickeltes Lenkerkonzept, das mit etwas kürzerem Reach und wenig Drop die Position zusätzlich komfortabler macht. Wem das zu viel des Guten ist, kann mit anderen Lenkerenden, die sich, ohne die Bremsleitungen zu trennen, am Basislenker montieren lassen, die Position etwas sportlicher gestalten.
Weiterer Unterschied zum sportiven CFR: Ein Staufach unter dem Flaschenhalter am Unterrohr, in dem ein Pannen-Set inklusive CO2-Kartusche untergebracht ist; Befestigungsmöglichkeiten für clevere Schutzbleche, die es im Zubehör zu kaufen gibt, ergänzen das Paket. Beides bietet die High-End-Version nicht. Am CF SLX sind zudem eine tourentaugliche Übersetzung an Bord sowie klassenüblich breite Reifen, wobei die überraschenderweise schmaler ausfallen als am renntauglichen CFR: Gegen die daran verbauten 35 Millimeter breiten Pneus wirken die 32-Millimeter-Reifen an unserem Testrad fast konservativ schmal. Platz wäre immerhin für bis zu 38 Millimeter, womit das Rad ein sehr vielseitiger Begleiter für alle Arten von Untergründen werden kann.
Im Fahrbetrieb beweist das Rad Tugenden, die das Endurace schon immer auszeichneten. Trotz seiner aufrechten Sitzposition mangelt es nicht an Fahrspaß, das Lenkverhalten ist lebendig und spritzig, ohne übermäßig nervös zu wirken. Auf temporeichen Abfahrten hält es sicher die Spur und lässt sich berechenbar in schnelle Kurven legen. Auch das vergleichsweise geringe Gewicht trägt zur guten Laune bei: Die zwar einfachen, aber soliden Carbonlaufräder von DT Swiss und eine Ultegra Di2 sind für den Preis keineswegs selbstverständlich, wie ein Blick auf die Kalkulation der Konkurrenten zeigt. In der Regel gibt’s in der Preisklasse „nur“ Shimanos 105 oder SRAM Rival.
Einzig beim Federvermögen der neuen Reihe könnten bisherige Endurace-Fahrer enttäuscht werden: Wer den bisherigen Federkomfort der Endurace-Reihe kennt und schätzt, wird beim neuen CF SLX mit breiteren Reifen aufrüsten müssen. Denn das Rad ist mit einer Aero-Stütze, trotz einer Aussparung für mehr Flex, deutlich straffer abgestimmt als seine Vorgänger. Der Federkomfort liegt im Bereich guter Wettkampfrennräder, aber weit entfernt von der weichen Blattfeder-Sattelstütze, die das Endurace über Jahre zum sicheren Komfortsieger in Tests machte. Wer diese Technologie weiterhin nutzen will, muss auf die günstigeren CF-Varianten des Endurace zurückgreifen – daran ist sie in einigen Modellen in einer überarbeiteten Version weiterhin verbaut. Auch mit mechanischen Schaltungen lässt sich dieser eher klassische Carbonrahmen noch aufbauen, die Preise starten bei 1.699 Euro. Allerdings bietet der Rundrohr-Rahmen nicht die moderne Aero-Optik und auch kein Staufach.
Das hier gezeigte CF SLX startet bei 3.999 Euro mit Shimano 105 Di2 oder SRAM Rival AXS, die Option für mechanische Schaltungen gibt es bei diesem Rahmen nicht mehr. Der Aufpreis für das getestete Ultegra-Modell erscheint mehr als angemessen, da das Powermeter von 4iii noch dazukommt. Eine Top-Version mit Shimanos Dura-Ace-Schaltung kostet faire 6.999 Euro.

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