Teileträger im FahrtestArc8 Eero vs. Canyon Grizl

Teileträger im Fahrtest: Arc8 Eero vs. Canyon GrizlFoto: Skyshot/Greber
Exklusive Teileträger: Das Arc8 Eero (links) ist mit neuer Shimano GRX aufgebaut, das Canyon Grizl schaltet mit der ebenfalls kürzlich vorgestellten SRAM Apex.
Für unseren Vergleich der neuen Gravel-Gruppen Shimano GRX und SRAM Apex in TOUR 11/2023 haben wir uns von zwei Herstellern extra Testräder aufbauen lassen. Das Arc8 Eero und das Canyon Grizl gibt es in den gezeigten Ausstattungen zwar nicht zu kaufen. Wir haben uns die Räder trotzdem genauer angeschaut - und uns ein Urteil gebildet.

Arc8 Eero

Spaßmaschine: Das Arc8 Eero mit Shimano GRX 2x12-Schaltung
Fotos: Skyshot/Greber

Die Gründer der noch jungen Marke Arc8, Entwickler Jonas Müller und Industriedesigner Serafin Pazdera, wirken wie das Gegenteil von Marktschreiern. In der Branche setzen beide schon länger Akzente, unter anderem bei einer renommierten Rennradmarke aus der Schweiz und führenden Fertigungsstätten in Fernost. Das nun selbständige Duo bietet seine Dienste auf einer Webseite an. Als Kostprobe zeigt man ein übersichtliches Portfolio an High-End-Sporträdern, dazu gehört auch der Straßenrenner Escapee, den wir 2022 testen konnten. In Läden und den einschlägigen Online-Shops sieht man die Eigenmarke jedoch kaum, die Marketingaktivitäten muss man mit der Lupe suchen. Stattdessen setzt man auf klassische Mund-zu-Mund-Propaganda, kleine Veranstaltungen und den Selbstverbreitungseffekt von Social Media.

Das Gravelbike Eero wartet, der Name suggeriert es, mit Aero-Formen auf und wirkt betont sportlich. Die Lackierung in Altrosa-Brombeer kann man lieben oder hassen, davon abgesehen sieht das Rad ohne Laufräder aus wie viele Allround-Wettkampfräder heutzutage aussehen: Grazil, wie aus einem Guss, aber auch nicht mehr besonders aufregend. Die Kombination mit den 47 Millimeter dicken Reifen dagegen wirkt irgendwie witzig. Und um es vorwegzunehmen, sie fährt sich auch so. Dass das Arc8 einen bleibenden Eindruck hinterlässt, liegt nämlich maßgeblich am Cinturato Gravel Tubeless von Pirelli in “Überbreite.” Der überrascht schon auf den ersten Pedaltritten mit geschmeidigem Leichtlauf auf Asphalt, glänzt auf festen, trockenen Böden und hat mit seinen Seitenstollen ein Mindestmaß an Grip auf losem Grund oder Schlamm. Der Druckspielraum ist groß, bei mittleren Gewichten kann er auch unter zwei bar fallen.

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  • Gewicht: 8,9 Kilogramm
  • Stack/Reach/STR: 582/369 mm, 1,58
  • Maximale Reifenfreiheit: 50 Millimeter (650B)
  • Größen: S, M, L, XL (Testgröße fett)
  • Preise: 2599 Euro (Rahmen-Set)

Die Sitzposition fällt nicht extrem sportlich aus, eher neutral, das Fahrverhalten ist auf die dicken Schlappen hin optimiert und wunderbar ausgewogen. Damit empfiehlt sich das Rad auch für längere Touren und Reisen, zumal Stütze, Vorbau und Lenker simple und einfach anzupassende Großserienteile sind. Reisetauglich ist auch das 2x12-Getriebe der neuen Shimano GRX, das an dem Rad verbaut wurde: Von unter Schrittgeschwindigkeit bis weit über 50 Sachen in feinen Stufen durchschalten zu können, ist nach wie vor ein überzeugendes Argument - ebenso wie die zwar etwas umständlicher zu bedienende, aber technisch einfach durchschaubare mechanische Schaltung.

Streng genommen dürfte es die von uns gefahrene Kombination gar nicht geben, denn Shimano gibt den Umwerfer offiziell nur bis 42 Millimeter Reifenbreite frei - ein Maß, mit der das Eero nur halb so viel Spaß machen würde. Doch das Bike ist speziell mit dem Ziel konstruiert worden, Zweifach-Kettenblätter mit möglichst breiten Reifen zu paaren. Bis zu 50 Millimeter sollen drin sein, wohl aber auf kleineren 27,5-Zoll-Laufrädern (650B). Unsere 47-Millimeter-Pneus machen im Extremfall Probleme: Bei schwereren Piloten schleift der Reifen im Wiegetritt knapp am Umwerferkäfig, wenn er auf dem kleinen Blatt liegt; spätestens im Schlamm könnte die Engstelle kritisch werden.

Das ist aber das Einzige, das man unserem Aufbau des Arc8 Eero ankreiden könnte. Wer andere Präferenzen hat, kann von Grund auf denken: Der Verkauf ist zunächst nur als Rahmenset (mit Vorbau, Lenker und Sattelstütze) für 2599 Euro vorgesehen. Unser Testrad mit Alufelgen von DT Swiss dürfte bei gut 4000 Euro landen.

Canyon Grizl Apex XPLR

Das Canyon Grizl wurde uns mit Vollausstattung aus dem Hause SRAM und Zipp zur Verfügung gestellt.
Fotos: Skyshot/Greber

Nach dem Grail, das erste Gravelbike aus dem Hause Canyon, präsentierten die Koblenzer vor zwei Jahren eine weitere geländegängige Plattform: das Grizl. Im Gegensatz zum sportlichen Grail, dessen markanter Doppellenker unter Rennradlern heftige (Geschmacks-)Diskussionen auslöste, sollte das Grizl als vergleichsweise unkompliziertes Modell ein größeres Publikum ansprechen. Und der Plan scheint aufgegangen zu sein. Die Carbonmodelle sind im Onlineshop regelmäßig vergriffen - und auf Schotter- oder Waldwegen häufig zu sehen. Doch warum ist das Gravelbike des deutschen Versandhändlers und Herstellers so beliebt?

Zunächst einmal punktet das Grizl mit attraktiven Preisen. Zwar ist die günstigste Carbonversion (CF SL) seit der Markteinführung um 300 Euro teurer geworden und nicht mehr unter 2000 Euro erhältlich. Dafür bietet Canyon inzwischen auch Modelle auf Alu-Basis ab 1799 Euro an. Die teuerste Variante in hochwertiger Carbonqualität (CF SLX) und Federgabel liegt bei 5299 Euro.

  • Gewicht: 8,6 Kilogramm
  • Stack/Reach/STR: 595/395 Millimeter/1,51
  • Maximale Reifenfreiheit: 50 Millimeter
  • Größen: 2XS, XS, S, M, L, XL, 2XL (Testgröße fett)
  • Preise: 1799-2499 Euro (AL), 2299-3499 Euro (CF SL), 4599-5299 Euro (CF SLX)

Wie schon im ersten TOUR-Test des Grizl überzeugt das von SRAM zur Verfügung gestellte Modell durch seine Allround-Eigenschaften. Das Canyon mit vergleichsweise sportlicher Sitzposition macht sowohl auf Asphalt als auch im Gelände eine gute Figur. Aufnahmen für einen dritten Flaschenhalter unter dem Unterrohr, eine Oberrohrtasche oder einen Gabel-Gepäckträger wappnen das Bike für Abenteuer. Mit Schutzblechen gibt es außerdem ein zuverlässiges Pendlerrad ab.

Im Gegensatz zum Serienmodell, das wir in verschiedenen Ausstattungsvarianten (CF SL) mit knapp über neun Kilogramm an der Waage hingen hatten, beeindruckt der exklusive Teileträger durch sein agiles Fahrverhalten. Der Grund: SRAM steckte exklusive Carbonlaufräder von Zipp, eine Tochtermarke des US-amerikanischen Schaltungsspezialisten in den Rahmen. Durch das geringe Gewicht der 303 S (1380 Gramm, 1100 Euro) beschleunigt das Grizl wie deutlich teurer ausgestattete Gravelbikes. Dass das Grizl in der getesteten Ausstattung dennoch nur ein mittelmäßiges Gewicht hat, liegt an der relativ schweren Apex XPLR.

Beim Federkomfort kommt das nicht im Handel erhältliche Modell nicht ganz an die Serienversion heran. Die Carbon-Stütze von Zipp federt im Zusammenspiel mit den 42 Millimeter breiten Reifen von Teravail, das ebenfalls zum Kosmos von SRAM gehört, zwar nach Kräften und ist keineswegs unkomfortabel. Die in fast allen Carbonmodellen des Grizl verbaute Blattfederstütze und die etwas breiteren Pneus in den Serienrädern dämpfen dennoch besser. Wie das Arc8 bietet auch das Canyon Platz für bis zu 50-Millimeter-Schlappen, wobei kein Wechsel auf das kleinere 650B-Laufradmaß nötig ist.

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Jens Klötzer

Jens Klötzer

Redakteur

Jens Klötzer ist gelernter Wirtschaftsingenieur und bei TOUR der Experte für Komponenten aller Art: Bremsen, Schaltungen, Laufräder oder Reifen – alles testet Jens auf Herz und Nieren. Er sammelt historische Rennräder, besitzt sowohl ein modernes Zeitfahrrad wie ein Gravel-Reise-Rennrad aus Titan. Auf Reisen erkundet er gern unbekannte Straßen in Osteuropa – auf breiten, aber schnellen Reifen.

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