Specialized S-Works Crux im TestDer Verwandlungskünstler

Jens Klötzer

 · 05.08.2026

Das Specialized Crux ändert die Stoßrichtung: Vom reinen Leichtbau-Gravelbike zum ausgewogenen Racer
Foto: Wolfgang Papp
Das Specialized Crux wandelt sich vom Leichtbau-Liebhaberstück zum ernsthaften Racer: Aero-Optimierungen und Rennperformance abgestimmte Komponenten sollen bei Langdistanz-Rennen Minuten sparen. Dabei bleibt es leicht: Nur 7,3 Kilogramm wiegt unser Testexemplar. Und es bleibt teuer: Knapp 14.000 Euro kostet die S-Works-Variante. Das Über-Gravelbike im Einzeltest

Themen in diesem Artikel

Daten und Fakten zum Specialized S-Works Crux Red AXS

Gewicht7.33 kg
SchaltungSRAM Red XPLR AXS
Bremse vorneSRAM Red
LaufradsatzRoval Terra Aero CLX
Reifen vorneSpecialized Pathfinder TLR 45-622

​Das Crux war in seinen nunmehr fünf Generationen schon einigen fundamentalen Wandlungen unterworfen: Die erste Generation von 2010 war ein robustes Cyclocross-Rad mit Aluminiumrahmen und Cantileverbremsen, im Laufe der Zeit kamen Carbon als Material und Scheibenbremsen hinzu. Die vierte Generation wechselte mit breiteren Reifen die Schublade und wurde ein sportliches und rekordverdächtig leichtes Gravelbike. Dass sich auch innerhalb einer Kategorie das Erscheinungsbild drastisch wandeln kann, zeigt die nun vorgestellte, fünfte Auflage.

Wie ein Tarmac mit Ballonreifen

Statt klassisch runder Rohrquerschnitte ist das Crux 5 aerodynamisch optimiert mit vielen Anleihen aus dem Straßensport; auf den ersten Blick wirkt es wie ein absurd dick bereiftes Tarmac SL8. Die Silhouette ist Ergebnis eines aufwendigen Entwicklungsprozesses, der die Fahrzeiten auf prominenten ­Gravel-Rennkursen zugrunde legt: Mit dem neuen Gerät sollen die Athleten nicht nur Sekunden, sondern auf Langdistanzen wie dem Unbound fast zehn Minuten einsparen, unter anderem aufgrund besserer aerodynamischer Eigenschaften. Dafür ist das Rad gegenüber seinem Vorgänger sogar schwerer geworden, mehr als 200 Gramm in Summe.

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Leichtfüßig wie ein Straßenrenner

Dennoch bleibt das Crux aber weiterhin eines der leichtesten Gravelbikes auf dem Markt. Neben besserer Aerodynamik erfüllten die Entwickler weitere Wünsche ihrer Profi-Athleten. Mit einer Reifenfreiheit von bis zu 55 Millimetern lässt sich das Bike auch für gröbstes, verschlammtes Geläuf adaptieren. Serienmäßig rollt das Rad auf hauseigenen Pathfinder-Reifen mit einem profillosen Mittelsteg, die schon auf den ersten Metern mit erstaunlich geringem Rollwiderstand überraschen: Auf befestigten Wegen fährt sich das Crux fast so leichtfüßig wie ein Straßenrenner. An den Reifenschultern helfen zarte Stollen, die Spur zu halten, doch auf matschigem Untergrund dürften die schnellen Pneus an ihre Haftungsgrenzen kommen.

Kaum Fremdkomponenten

Ähnlich wie am Giant Revolt verlassen sich auch die Specialized-­Entwickler kaum auf Komponenten externer Zulieferer, von Schaltung und Bremsen abgesehen. Neben den bereits angesprochenen Reifen, dem hauseigenen Sattel und dem Terra­-Cockpit gehören auch neue Roval-Laufräder zum Crux, die mit Carbonspeichen aufgebaut sind und dem Bike bemerkenswerte Agilität verleihen. Auch Geometrie und Handling wurden in Zusammen­arbeit mit Athleten optimiert. Die Sitzposition bleibt vergleichsweise langstreckentauglich und ist etwas entspannter als auf dem Giant Revolt. Das bequeme Cockpit mit geringem Drop und der komfortable Sattel machen auch lange Tage auf dem Rad erträglich.

Schneller dank stabilerer Pistenlage

Größeren Änderungsbedarf fand man offenbar beim Fahrverhalten: Mit tieferem Tret­lager wurde der Schwerpunkt insgesamt ­abgesenkt, ein flacherer Lenkwinkel beruhigt die Lenkung auf ruppigen Strecken. Ein steilerer Sitzwinkel bringt das Körpergewicht weiter nach vorne, was an steilen Anstiegen das Vorderrad am Boden hält. Im Vergleich zum quirligen, fast schon nervösen Vorgänger fährt sich das neue Crux spürbar ausgewogener und spurstabiler. Vor allem in schnellen Kurven steigt das Vertrauen, dass das Rad auch so reagiert, wie befohlen. Auch das mache in Summe schneller, argumentieren die Specialized-Entwickler.

Teurer Spaß

Trotzdem bleibt das Crux agil genug, um auch auf ­engen Trails oder auf einem Crosskurs mit Spaß bewegt werden zu können. Das Paket aus moderater Sitzposition, sehr gutmütigem Fahrverhalten und bergtaug­licher Übersetzung dürfte nicht nur Profi-­Rennfahrern, sondern auch Einsteigern viel Spaß machen. Der Preis für die leichte S-Works-Variante ist allerdings hoch: 14.000 Euro kostet das Crux, exakt soviel wie der Straßen-Profibolide Tarmac, und dürfte ­damit für viele ein Traum bleiben. Eine neue Variante namens S-Level reißt ein nicht ganz so großes Loch in die Kasse. Auf den ersten Blick scheint es identisch zum Top-Modell ausgestattet, allerdings kommen die Lauf­räder mit Stahlspeichen und preiswerteren DT Swiss-Naben, auch die Keramiklager in Laufrädern, Steuersatz und Tretlager gehören nicht zum Paket. Das Expert-Modell mit SRAM Force liegt bei 6.999 Euro, mit SRAM Rival kostet das Comp-Modell 4.499 Euro. Die einzige mit Shimano-Schaltung ausgestattete Version ist das Einstiegsmodell Sport mit 1x12-GRX für 3.999 Euro.

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Jens Klötzer

Jens Klötzer

Redakteur

Jens Klötzer ist gelernter Wirtschaftsingenieur und bei TOUR der Experte für Komponenten aller Art: Bremsen, Schaltungen, Laufräder oder Reifen – alles testet Jens auf Herz und Nieren. Er sammelt historische Rennräder, besitzt sowohl ein modernes Zeitfahrrad wie ein Gravel-Reise-Rennrad aus Titan. Auf Reisen erkundet er gern unbekannte Straßen in Osteuropa – auf breiten, aber schnellen Reifen.

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