Vom Abenteurer zum Vollblut-RacerDas neue Giant Revolt Advanced SL im Kurztest

Jens Klötzer

 · 30.06.2026

Das neue Revolt wandelt seinen Charakter vom abenteuertauglichen Allrounder zum wettkampforientierten Sportgerät
Foto: Wolfgang Papp
Giant bringt mit dem neuen Revolt Advanced SL ein neues Gravel-Flaggschiff. Das Modell springt nun auf den Racing-Trend auf und ist deutlich sportlicher positioniert als sein Vorgänger. Was die Top-Version Advanced SL ausmacht, zeigt unser erster Kurztest

Themen in diesem Artikel

Testergebnis

EigenschaftNote
Labor1,4
Ausstattung1,4
Endnote1,4

Die Gesamtbewertung findest du hier

Daten und Fakten zum GIANT Revolt Advanced SL

Gewicht7.26 kg
SchaltungSRAM Red XPLR AXS
Bremse vorneSRAM Red
LaufradsatzGiant Cadex Max
Reifen vorneGiant Cadex GXR Tubeless 700 x 45c

Giant entwickelte das Gravelbike Revolt von Grund auf neu. Dabei lag der Fokus klar auf kompromisslosem Renneinsatz bei harten Gravel-Wettkämpfen, vom äußerst vielseitigen, reisetauglichen Anspruch des Vorgängermodells ist nicht mehr viel geblieben. Gepäckösen an Rahmen und Gabel: radikal reduziert. Sitzposition: deutlich tiefer und gestreckter als bisher. Das Staufach im Unterrohr und das Flip-Chip-Ausfallende zum Feintuning des Fahrverhaltens: Gestrichen, um möglichst viel Gewicht zu sparen. Auch Vorbereitungen für eine versenkbare Sattelstütze oder eine Federgabel, die das letzte Revolt mitbrachte, sind nicht mehr vorhanden. Als Lenker kommt nun eine Einheit aus Carbon zum Einsatz, auch andere Komponenten sind viel mehr auf geringes Gewicht und bessere Aerodynamik als auf Praktikabilität ausgelegt. Rahmen, Gabel, Lenker, Laufräder und Reifen entstanden in der Konzeption als aufeinander abgestimmtes System. Bei der Entwicklung standen Gravelprofis des hauseigenen Rennteams Pate: Cole Paton, dreimaliger Top-5-Fahrer der Life Time Grand Prix Serie, und der zweifache australische Gravel-Meister Brendan Johnston.

Leicht, leichter, Advanced SL

Mit der SL-Version, der Spitze des neuen Lineups, will Giant die neue Benchmark bei Race-Gravelbikes setzen. Der Advanced SL-Grade Carbonrahmen soll 839 Gramm wiegen. Das sind 151 Gramm weniger als beim Vorgängermodell. Ermöglicht wird die Einsparung neben dem Verzicht auf praktische Gimmicks mit Fertigungstechnologien, die sonst bei den Profi-Modellen im Straßenrennsport eingesetzt werden. Dazu kommen leichte Cadex-Laufräder mit Carbonspeichen und neue, sportlich orientierte Reifen in 45 Millimetern Breite. Trotz höherem Reifenvolumen (45 gegenüber 40 Millimeter) ist das komplette Revolt Advanced SL 0 290 Gramm leichter als das vorherige Top-Modell Revolt Advanced Pro 0. Die Gewichtseinsparungen erstrecken sich vom Rahmensystem über das Cockpit bis zu den Laufrädern. Unser Testrad hängt mit 7,26 Kilogramm an der Waage und ist nach dem Specialized Crux (vorherige Generation) das bisher leichteste Gravelbike, das wir kennen, oder mit anderen Worten: Das aktuell leichteste Gravelbike auf dem Markt.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

4

5

Aerodynamik und Windkanaltests

Giant formte Rahmen, Gabel und Cockpit zudem als aerodynamische Einheit, die im Wettkampf weitere Vorteile verschaffen soll. Die Rohrprofile wurden im Windkanal speziell für den Geschwindigkeitsbereich von Elite-Gravel-Rennen ausgelegt. Der Rahmen allein reduziert den Luftwiderstand laut Hersteller um rund vier Watt gegenüber der vorherigen Generation. Der neue einteilige Lenker eliminiert die Lenker-Vorbau-Verbindung, eine Hauptquelle für Turbulenzen an konventionellen Setups, und führt die Kabel innen.

Die Laufräder verwenden ein 50 Millimeter hohes Felgenprofil, das zusammen mit dem Cadex GXR 45mm Reifen entwickelt wurde. Felgenform, Reifenform und -profil bilden eine aerodynamische Einheit. Obwohl der neue Reifen um fünf Millimeter breiter ist, erreicht er durch ein glatteres Profilmuster einen vergleichbaren Luftwiderstand, denn das Muster soll Turbulenzen bei Renngeschwindigkeit reduzieren. Insgesamt sollen bis zu 14 Watt Einsparung bei typischen Renngeschwindigkeiten zusammengekommen sein, die Giant mit 30-45 km/h angibt.

Erster Eindruck: Neue Geometrie, neues Fahrverhalten

Die Geometrie des Revolt Advanced SL fällt aggressiver aus als bei allen bisherigen Revolt-Modellen. Die Lenkerhöhe sinkt um satte drei Zentimeter bei Größe M, der Reach wächst auf 395 Millimeter. Der Sitzwinkel wird um ein Grad steiler und beträgt jetzt 74,5 Grad. Das verschiebt das Fahrergewicht nach vorne, es liegt mehr Last auf dem Vorderrad. Das ist der Hauptgrund, warum sich das Revolt nicht mehr mit dem Vorgänger vergleichen lässt: Aus dem gemütlichen Tourer wird ein forderndes Sportgerät. Wobei die Sitzposition nicht zu extrem und für trainierte Oberkörper auch noch langstreckentauglich ausfällt, es gibt im Vergleich noch deutlich radikalere Gravelbikes. Dennoch ist der Unterschied groß, da man bisher auf dem Revolt fast außergewöhnlich aufrecht saß. Der Radstand ist mit 1.033 Millimetern noch relativ lang, sodass das Rad stabil auch auf ruppigen Abfahrten läuft. Insgesamt wirkt das Rad aber deutlich wendiger und verspielter als bislang, vor allem im Gelände. Auch das geringe Gewicht, allem voran das der ultraleichten Laufräder, trägt dazu bei.

Was dem Modell erhalten blieb, ist der fantastische Fahrkomfort, insbesondere am Heck. Die speziell designte Sattelstütze mit D-förmigem Querschnitt und zusätzlicher Einschnürung im oberen Bereich lässt sich schon im Stand mit dem Körpergewicht leicht nach unten drücken, auch das Rahmenset gibt in vertikaler Richtung sichtbar nach. Zusammen mit den breiteren Reifen werden Vibrationen effektiv weggebügelt. Nur bei gröberen Stößen gilt es, den Lenker gut festzuhalten, aber das machen auch andere Gravelbikes nicht besser.

Modelle und Ausstattungen

Der neue Rahmen ist natürlich mit einem UDH-Ausfallende versehen, die Reifenfreiheit wächst auf 53 Millimeter. Qualitäts- oder Gewichtsunterschiede am Rahmen gibt es bei den verschiedenen Varianten nicht, auch der integrierte Lenker und die neuen Reifen sind bei allen Versionen montiert. Alle erhältlichen Varianten sind mit SRAM 1x13-Antrieben aufgebaut und kommen mit integriertem Powermeter. Für den Selbstaufbau wird ein Rahmenset für 3999 Euro angeboten.

Das Revolt Advanced SL 0 als Flaggschiff kommt mit SRAM Red XPLR AXS 1x13-Antrieb, einer integrierten Powermeter-Kurbel, den CADEX Max GXR-Laufrädern mit Carbonspeichen und CADEX GXR 700x45c Tubeless-Reifen. Der Preis liegt bei 9999 Euro.

Das SL 1 baut auf demselben Carbonrahmen auf und ist mit SRAM Force 1x13 ausgestattet. Es besitzt ebenfalls eine integrierter Powermeter-Kurbel, die Giant CXR 0-Laufräder haben klassische Stahlspeichen. Das Rad kostet 7499 Euro.

Den Einstieg bildet das Revolt SL 2, es schaltet mit SRAM Rival XPLR AXS mit integrierter Powermeter-Kurbel und hat die Giant CXR 0-Laufräder, es kostet 6499 Euro.

Bei der Ausrichtung und der Preisstruktur des neuen Revolt würden wir uns nicht wundern, wenn Giant demnächst mit einem Parallelmodell ums Eck kommt: Komfortabler, abenteuertauglicher, deutlich preiswerter und damit massentauglicher. Denn der Ersatz den bisherigen Revolt reißt in das Portfolio eine Lücke, die eine Weltmarke wie Giant nicht offen lassen kann. Ob es eine Variante des Revolt oder ein völlig anderer Modellname wird, dürfte dabei die einzige Überraschung bleiben.

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Jens Klötzer

Jens Klötzer

Redakteur

Jens Klötzer ist gelernter Wirtschaftsingenieur und bei TOUR der Experte für Komponenten aller Art: Bremsen, Schaltungen, Laufräder oder Reifen – alles testet Jens auf Herz und Nieren. Er sammelt historische Rennräder, besitzt sowohl ein modernes Zeitfahrrad wie ein Gravel-Reise-Rennrad aus Titan. Auf Reisen erkundet er gern unbekannte Straßen in Osteuropa – auf breiten, aber schnellen Reifen.

Meistgelesen in der Rubrik Rennräder