Scott Addict Gravel 2027Federung in der Kohlefaser eingewoben

Dimitri Lehner

 · 04.09.2026

In Matsch und Dreck: Das neue Scott Addict in voller Kriegsbemalung. Ausgerüstet als Adventure-Bikepacker.
Foto: Scott
Mit bis zu 57 mm Reifenfreiheit, mehr Flex, ruhiger Geometrie und Adventure-Optionen wird Scotts Addict Gravel 2027 zum echten Abenteuer-Bike – leicht und schnell bleibt es trotzdem.

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Platz für grobe Fälle

Breite Reifen sind die einfachste Federung der Welt. Scott schafft deshalb Raum für Pneus bis 57 Millimeter beziehungsweise 2,2 Zoll – also echtes Mountainbike-Format. Serienmäßig rollt das Addict Gravel auf 50 Millimeter breiten Schwalbe G-One RX Pro.

Möglich macht das unter anderem eine ausgesprochen dünne Kettenstrebe: An ihrer schmalsten Stelle misst sie nur 8,5 Millimeter. Die Strebenlänge bleibt trotz der üppigen Reifenfreiheit bei kurzen 425 Millimetern. Das soll den Hinterbau kompakt und das Rad handlich halten.

Die Entwickler haben die Steifigkeit des Rahmens bewusst um weniger als fünf Prozent reduziert. Auf Asphalt kein Grund zur Panik, auf losem Grund womöglich ein Gewinn: Ein leicht nachgiebiger Rahmen hält den Reifen eher am Boden und den Fahrer eher auf Kurs.

Komfort ohne Sofa

Auch der übrige Rahmen darf sich gezielt bewegen. Ein schlanker Sitzrohrbereich, tief angesetzte Sitzstreben und ein minimal flexendes Oberrohr erhöhen laut Scott den Komfort am Heck deutlich. Mit starrer Sattelstütze soll die Nachgiebigkeit gegenüber dem Vorgänger um 60 Prozent steigen, mit Scotts Komfortstütze noch um 25 Prozent.

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Vorn arbeiten gebogene Gabelbeine, ein schlankerer Gabelschaft und das neue Cockpit gegen Gerüttel. Scott beziffert den Zuwachs an Frontkomfort auf 30 Prozent. Solche Laborwerte sind keine Sofapolsterung. Sie zeigen aber, wohin die Reise geht: weniger Rennhärte, mehr Langstrecke. Besonders beeindruckend: Der gezielte Flex, der mit Carbon in einen Rahmen eingearbeitet werden kann. Scott demonstriert den Flex gerne mit fetten Gewichtsscheiben, die am Addict-Rahmen zerren. Unter der enormen Last macht die Sattelstütze einen Rundrücken und der Lenker neigt sein Haupt zu einer tiefen Verbeugung, dass man als Zuschauer glaubt, jeden Moment müsste der Rahmen platzen. Genau dieser Flex soll in der Fahrpraxis wie eine Federung funktionieren.

Dazu passt die neue Geometrie. Der Stack wächst um zehn Millimeter, der Reach ebenfalls. Damit der Fahrer nicht wie eine Galionsfigur über dem Vorderrad hängt, fällt das Cockpit zehn Millimeter kürzer aus. Das Tretlager sitzt wegen der größeren Reifen tiefer, der Gabelvorlauf steigt auf 60 Millimeter. Der längere Vorderbau soll bei Tempo und in technischem Gelände Ruhe bringen.

Der Lenkwinkel beträgt in allen sieben Größen von XXS bis XXL moderate 70 Grad. Die Sitzposition orientiert sich am Scott Addict für die Straße. Wer vom Rennrad kommt, soll sich also nicht erst neu sortieren müssen.

Werkstatt im Unterohr

Im Unterrohr steckt ein Staufach für Schlauch, Reifenheber und Minipumpe. An den Lenkerenden sitzen ein T25-Schlüssel und – je nach Ausstattung – ein Tubeless-Reparaturset. Mit dem Torx-Werkzeug lassen sich Vorbau, Lenker, Sattelstütze, Sattel und Flaschenhalter justieren. Viel mehr braucht man unterwegs selten. Außer vielleicht Handy-Empfang.

Eine abnehmbare Oberrohrtasche nimmt Kleinkram auf. Zusätzliche Flaschenhalter lassen sich an der Innenseite der Gabel montieren. Dort liegen die Flaschen näher an der Lenkachse. Scott verspricht dadurch 35 Prozent weniger Massenträgheit als bei einer weiter außen liegenden Befestigung. Voll beladen soll das Rad deshalb weniger störrisch lenken.

Zum Paket gehören außerdem eine innen verlegte Zugführung, ein austauschbares UDH-Schaltauge, eine integrierte Sattelklemmung und Scotts D-förmige Carbonstütze. Letztere ist mit dem hauseigenen Rücklichtsystem kompatibel.

Lenker ohne ausgestellte Ellenbogen

Für das neue Addict Gravel hat Syncros ein eigenes Cockpit entwickelt. Sein stärkerer Vorwärtsschwung soll in Kurven mehr Platz für die Handgelenke schaffen, der kurze Reach den Wechsel zwischen Oberlenker und Bremsgriffen erleichtern.

Der Flare beginnt erst unterhalb der Bremsgriffe. Dadurch stehen die Hebel gerade statt demonstrativ nach außen. Die Drops bieten mehr Auflage für die Hände und sollen die Bremshebel leichter erreichbar machen. Je nach Modell gibt es das Cockpit als integrierte Carbon-Einheit oder als klassische Kombination aus Aluminiumlenker und Vorbau. Spacer und Abdeckungen sind teilweise mit Addict und Addict RC austauschbar.

Zwei Rahmen, fünf Modelle

Scott bietet den Rahmen in zwei Carbonqualitäten an. Die leichtere HMX-Version wiegt laut Hersteller 794 Gramm und damit 75 Gramm weniger als bisher. Der günstigere HMF-Rahmen kommt auf 990 Gramm, eine Ersparnis von 25 Gramm.

Die Modellpalette reicht vom Addict Gravel Premium bis zum Addict Gravel 40. An der Spitze arbeitet SRAM Red XPLR AXS mit 13 Gängen, 42er-Kettenblatt, 10–46er-Kassette und Leistungsmesser. Darunter folgen Force- und Rival-Versionen. Das Addict Gravel 40 setzt auf mechanische Shimano GRX mit zwölf Gängen, 40er-Kettenblatt und 11–45er-Kassette. Alle Modelle fahren Einfachantrieb und 160-Millimeter-Bremsscheiben.

Preise:

  • Scott Addict Gravel Premium mit Srams Red Gruppe: 8999 €
  • ​Scott Addict Gravel 10 mit Srams Force Gruppe: 6599 €
  • ​Scott Addict Gravel 20 mit Srams Force Gruppe: 5599 €
  • ​Scott Addict Gravel 30 mit Srams Rival Gruppe: 3999 €
  • ​Scott Addict Gravel 40 mit Shimanos GRX Gruppe: 2799 €

Beim Gewicht widerspricht sich Scotts Unterlage allerdings selbst: Eine Übersicht nennt je nach Modell 7,8 bis 8,7 Kilogramm, die einzelnen Ausstattungstabellen dagegen 8,4 bis 9,7 Kilogramm. Gewogen wurde laut Kleingedrucktem tubeless und ohne das Reparaturset im Rahmen. Welcher Wert am Ende auf der Waage steht, muss daher ein Test klären.

Fest steht: Das neue Addict Gravel will nicht länger nur ein Rennrad für schlechte Straßen sein. Es ist eine spannende Gravel-Plattform, die sowohl einen Race-Graveller wie auch als ein Abenteuer-Bikepacker zulässt. Oder mit Scotts Marketing-Worten: „Mit 57 Millimetern Reifenfreiheit, entspannterer Geometrie und eingebauter Werkzeugkiste zielt es auf Touren, bei denen der Asphalt aufhört – und der Tag noch lange nicht.“ – Oh yeah!

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Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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