Neue Räder 2022Trek Checkpoint SL 6 eTap im Test

Julian Schultz

 · 25.03.2022

Neue Räder 2022: Trek Checkpoint SL 6 eTap im Test

Das Trek Checkpoint bügelt auf losem Untergrund fast jede Unebenheit weg. Etliche Befestigungspunkte machen das Gravelbike zudem abenteuertauglich – allerdings auch recht schwer, wie die Version SL 6 eTap im Test zeigt.

Geländetauglich, vielseitig, komfortabel, schnell, anfängerfreundlich: Es gibt so einige Attribute, über die sich aktuelle Gravelbikes definieren und sich in die jeweilige Schublade stecken lassen. Da sind die leichten, aerodynamisch optimierten Spitzensportler (siehe TOUR 1/2022), aber auch die Genießer, bei denen der Komfort über die Geschwindigkeitsjagd gestellt wurde. Zur letztgenannten Kategorie zählt das im Herbst 2021 vorgestellte Trek Checkpoint, das die US-Amerikaner erstmals seit der Markteinführung 2018 überarbeitet haben und nun in drei Klassen (ALR, SL und SLR) anbieten. Wir testen das SL 6 eTap für 4.099 Euro.

Das Checkpoint bietet beeindruckenden Komfort

Endlich Schotter unter den Reifen: Das denken wohl viele Gravelradler, wenn sie dem Straßenverkehr entfliehen und auf asphaltfreies Terrain abbiegen. Uns ergeht es mit dem Checkpoint SL 6 eTap nicht anders. Schon nach wenigen Kurbelumdrehungen kommen aber leise Zweifel auf. Sind wir wirklich auf einem Schotterweg? Oder haben wir noch vom winterlichen Matsch verdreckten Asphalt unter den Reifen? Der Belag fühlt sich nicht unbedingt nach Offroad an, von Unebenheiten oder Schlaglöchern ist am breiten Lenker und am Sattel kaum etwas zu spüren. Doch wir sind definitiv im Gelände. Zwar „nur“ auf einem Flurweg, aber das Checkpoint spielt bereits hier seine größte Stärke aus: den Federkomfort.

IsoSpeed-Technologie minimiert Vibrationen

Dieser ist vor allem auf die patentierte IsoSpeed-Technologie zurückzuführen. Bei den SL-Modellen minimiert ein Kugellager zwischen Ober- und Sitzrohr spürbar die Vibrationen, erst bei größeren Schlaglöchern oder Wurzeln kommt das System an seine Grenzen. Die Federung bei den SLR-Varianten ist im Oberrohr „versteckt“. Anders als bei den Top-Straßenmodellen Madone SLR und Domane SLR lässt sich das Federsystem nicht justieren, zudem verzichtet Trek bei den Gravelbikes auf das vordere Iso-Speed am Gabelschaft. Die Alu-Modelle Checkpoint ALR kommen ohne Federsystem.

Reifenfreiheit und weitere Details des neuen Gravelrades von Trek

Alle Checkpoint-Varianten sind mit 40 Millimeter breiten Reifen auf 28-Zoll-Laufrädern ausgestattet. Die Pneus von Bontrager ähneln im Profil Schwalbes G-One Allround, rollen sowohl auf Asphalt als auch im Gelände konstant gut und lassen sich mit geringem Luftdruck (maximal 3,4 Bar) fahren. Im Zusammenspiel mit dem IsoSpeed-System ergibt sich eine perfekte Symbiose für abwechslungsreiches Terrain. Für noch mehr Komfort könnte man bis zu 45 Millimeter breite Reifen aufziehen – und mit kompatiblen 27,5-Zoll-Laufrädern noch voluminösere Pneus. Wie konsequent die US-Amerikaner ihre Neuheit auf Bikepacking-Abenteuer zugeschnitten haben, wird an den zahlreichen Befestigungspunkten für Gepäck und Equipment deutlich. „Es ist nicht die Frage, was man am Rad befestigen kann, sondern was nicht“, stellt Treks Chefentwickler Jordan Roessingh mit einem Lächeln fest. Ösen für Taschen, Flaschen und Schutz-bleche machen das Checkpoint zu einem Packesel. Praktisch wie elegant gelöst ist das im Unterrohr integrierte Staufach für Ersatzschlauch und Mini-Tool – das man schon vom Trek Domane kennt.

Die IsoSpeed-Federung zwischen Sitz- und Oberrohr federt Stöße ab
Foto: Skyshot/Greber

Sehr sportliche Sitzposition

So funktional das neue Trek ist, so schwer ist es allerdings auch. Durch die 9,4 Kilogramm ist das SL 6 eTap wenig agil, das sehr träge Lenkverhalten unterstützt
diesen Eindruck. Im krassen Gegensatz dazu steht die gestreckte Sitzposition. Sie fällt noch sportlicher aus als an aktuellen Race-Gravelbikes (siehe TOUR 1/2022), was nicht so recht zum Charakter des Checkpoint passt – zumindest nicht zur SL-Version. Bei den leichteren SLR-Modellen dürfte Trek der Spagat zwischen Komfort und Sportlichkeit besser gelingen.

Allerdings müsste man dann auch mindestens 7.100 Euro investieren. So viel kostet das „günstigste“ SLR-Modell. Das von uns getestete SL 6 mit SRAM Rival eTap liegt bei 4.099 Euro. Insgesamt acht Modelle umfasst die neue Checkpoint-Familie. Los geht’s bei 2.499 Euro für das ALR 5 mit Shimano GRX, die Top-Version SLR 9 mit SRAM Red eTap (8,1 Kilo/Herstellerangabe) schlägt mit 12.099 Euro zu Buche. Bei der Vorstellung der neuen Produktfamilie im September 2021 lagen die Preise jeder Variante noch etwa 100 Euro unter dem aktuellen Verkaufspreis.

Fakten zum Trek Checkpoint SL 6 eTap

Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager* 1.427/531/86 Gramm / Rahmengrößen** 49, 52, 54, 56, 58, 61 Sitz-/Ober-/Steuerrohr 505/570/125 mm Stack/Reach/STR*** 574/400 mm/1,44 Radstand/Nachlauf 1.040/68 mm

Ausstattung

  • Antrieb/Schaltung SRAM Rival eTap (40/10-44 Z.)
  • Bremsen SRAM Rival (160/160 mm)
  • Laufräder/Reifen (Gewichte) Bontrager Paradigm Comp 25/Bontrager GR1 Team Issue 40 mm (v./h. 1.607/2.112 g)

*Gewogene -Gewichte. ** Herstellerangabe Testgröße fett. *** Stack/Reach projiziertes senkrechtes/waagerechtes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerrohr; STR (Stack to Reach) 1,36 bedeutet eine sehr gestreckte, 1,60 eine aufrechte Sitzposition.

Trek Checkpoint SL 6 ETAPFoto: Skyshot/Greber
Trek Checkpoint SL 6 ETAP

Neben dem Trek Checkpoint SL6 eTap waren folgende Räder im TOUR-Test:

Canyon Endurance CF 7 & Endurance 7 - viel Reifenfreiheit bei ausgezeichnetem Preis-Leistungsverhältnis

Cube Agree C:62 SLT- sportliches Marathonrad, agil mit durchschnittlichem Komfort

Cannondale Synapse Carbon 2 RL - Rennrad mit integriertem Akkulicht und Radar

Orbea Orca Aero M10iLTD - Ist es im Windkanal genauso schnell, wie es aussieht und sich anfühlt?