Sebastian Brust
· 25.08.2026
Das KTM Macina Gravelator HX ist ein E-Gravelbike, das auf dem Papier vieles richtig macht: Carbongabel, hydraulische Bremsen, Bosch-Antrieb, integrierter Akku – und das für 2499 Euro. In dieser Preisklasse ist das Paket tatsächlich bemerkenswert. Nur wer aber glaubt, ein Gravel-E-Bike ohne spürbare Abstriche zu bekommen, sollte die Erwartungen kalibrieren. Der Nabenmotor ist ein Kompromiss, das Gewicht kein Alleinstellungsmerkmal, die Schaltung Einstiegsniveau. Das Gravelator HX ist kein makelloses Angebot – aber ein spannendes. — Sebastian Brust, Redakteur Test & Technik
Dass Bosch nach Jahren der Mittelmotor-Dominanz nun einen Hecknabenmotor präsentiert, ist eine Ansage. Mit 45 Nm Drehmoment und 400 W Nennleistung positioniert sich der neue Hub Line deutlich unterhalb der 75–100 Nm und mehr, die von manchen Mittelmotoren bekannt sind. Aber schon die knapp 50 Nm des Bosch SX sind für ein Gravelbike oft schon mehr als genug.
KTM setzt den günstigen Bosch-Nabenmotor in ein Gravel-Konzept ein – und das ist mutig. Ob es auch klug ist, hängt stark vom Einsatzprofil ab. Auf flachen bis welligen Gravel-Routen funktioniert das System gut. Wer hingegen regelmäßig steile Anstiege mit losem Untergrund angeht, wird schnell an die Grenzen des Hub Line stoßen. Der Motor ist kein Kraftwerk – er ist ein Helfer für moderates Gelände. Das sollte man vor dem Kauf wissen.
Der unauffällige Sitz in der Hinterradnabe hat seinen Reiz: Der Rahmen bleibt schlank, das Erscheinungsbild nah am klassischen Gravelbike. Der integrierte Bosch Compacttube-Akku mit 400 Wh lässt sich nach oben entnehmen – praktisch im Alltag.
Die 400 Wh sind zwar kein großzügiges Akkuvolumen, aber für einen sparsamen E-Bike-Motor im Graveleinsatz zumindest ein ordentliches. Für ambitionierte Tagestouren und Bikepacking-Etappen könnte die Kapazität zum limitierenden Faktor werden. In anspruchsvollem Gelände drücken häufiger nötige höhere Unterstützungsstufen die Reichweite zusätzlich. Dreistellige Laufleistungen könnten dennoch drin sein.
Der Rahmen besteht aus AL6061-Aluminium. Das ist handwerklich ordentlich verarbeitet, die Schweißnähte sind sauber, aber unverschliffen, die Lackierung robust. Wer in dieser Preisklasse einen Carbonrahmen erwartet, schaut ins falsche Regal. Wie das KTM Gravelator 15 ohne Motor ist auch die E-Version mit Steckachsen gewappnet.
Unter 15 Kilogramm beginnt das Terrain echter Leichtbau-E-Bikes; das Gravelator HX bleibt mit seinen 17,5 Kilogramm deutlich darüber. Als Leichtbauversprechen taugt die Zahl daher genau so wenig wie als Hoffnungsschimmer auf leichtes Treten oberhalb der 25-km/h-Grenze. Das ist wichtig, um die Positionierung des Rades richtig einzuordnen: Es ist kein leichtes Gravelbike mit E-Unterstützung, sondern ein vernünftig leichtes E-Bike mit Gravel-Ambitionen. Das ist ein Unterschied.
Die Gravel-Carbongabel ist das stärkste Argument am Fahrwerk. Eine Carbongabel in dieser Preisklasse ist keine Selbstverständlichkeit. Die Halterungspunkte für Bikepackingtaschen oder Schutzbleche sind für den Alltagseinsatz sinnvoll.
Zum Systemgewicht: 128 Kilogramm zugelassenes Gesamtgewicht sind in dieser Kategorie eher restriktiv. Abzüglich Fahrzeugmasse bleiben gut 110 Kilo maximale Zuladung. Wer groß gebaut ist, bepackt fährt oder beides, nähert sich dieser Grenze schnell. Das ist für ein Gravelbike, das auch für Bikepacking beworben wird, kein echtes Verkaufskriterium.
Shimanos CUES-Schaltung mit dem Kürzel U4000 leistet als Fahrradschaltung solide Arbeit. Neun Gänge, mit der 11-46er-Kassette ausreichende Spreizung für flaches bis hügeliges Gravel-Terrain, wartungsfreundlich. Die 4000er-CUES liegt aber im untersten Regal in Shimanos neuer CUES-Linie. Details wie den Schaltwerksdämpfer Shadow Plus bekommt erst die 6000er-Reihe. Für ein Rad dieser Preisklasse ist das vertretbar.
Dafür gilt die günstige Shimano-Schaltung als besonders haltbar. Gerade für Vielfahrer interessant: Im Zusammenspiel mit dem Nabenmotor bleibt die Kette mechanisch deutlich weniger belastet als bei Mittelmotorsystemen, was die Lebensdauer des Antriebsstrangs spürbar verlängert.
Eine hydraulische Zweikolben-Scheibenbremsen wie die der CUES-Reihe ist das Mindeste, was ein motorisiertes Gravelbike bremsen sollte. Die hauseigene GRX-Bremse ist zwar noch bissiger, aber Druckpunkt und Dosierbarkeit der CUES passen, die Standfestigkeit ist für moderates Gravel-Terrain ausreichend.
Wer häufig mit Gepäck, in alpinem Terrain oder auf langen Abfahrten unterwegs ist, wird größere Bremsscheiben vermissen. Für die durchschnittliche Mittelgebirgstopografie ist die Kombination aber stimmig – und ein echtes Argument für das Gravelator HX gegenüber Konkurrenten mit mechanischen Bremsen in dieser Preisklasse.
E-Gravelbiken beginnt bei 2499 Euro. Das ist der Kern dieses Fahrrads. Dafür bekommt man beim KTM Macina Gravelator HX eine Carbongabel, hydraulische Shimano-Bremsen, den neuen Bosch-Nabenmotor, einen herausnehmbaren 400-Wh-Akku und eine zuverlässige Neun-Gang-Schaltung.
Wer ein E-Gravelbike mit Mittelmotor, mehr Drehmoment oder größerem Akku will, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen – oft 1000 Euro und mehr. Das Gravelator HX ist kein perfektes Gravelbike. Aber es ist ein faires Angebot für Einsteiger ins Segment, Gelegenheitsfahrer und alle, die ein alltagstaugliches Gravel-E-Bike ohne übertriebenes Budget suchen.
| Motor | Bosch Hub Line CPT-HL4R2 |
| Akku | Bosch CompactTUBE 400 Wh |
| Rahmen | Macina Gravelator-HUB AL6061 / Bosch BDU30/R7370 |
| Gabel | Gravel Carbon Fork F17 mit Halterung |
| Schaltwerk | Shimano CUES U4000-9 LG Shadow |
| Kurbel | Samox 42T, 170 mm |
| Schalt-/Bremshebel | Shimano CUES ST-U4030 / BR-U6030 |
| Schaltung | 1x9 Shimano CUES, Kassette 11-46 Z. |
| Eigengewicht | 17,5 kg |
| Systemgewicht | 128 kg |
| Preis | 2499,– Euro |
Redakteur
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