Canyon Grizl im DauertestZwischen-Fazit nach 2000 Kilometern

Jan Timmermann

 · 28.05.2026

Vom Winter in den Frühling: Das Canyon Grizl CF 8 W/Eclips Gravelbike hält im Dauertest tapfer durch.
Foto: Georg Grieshaber
Wir sind mit dem Canyon Grizl CF8 w/Eclips in unserem Langzeit-Test bereits 2000 Kilometer weit gefahren. Womit das Gravelbike bisher punktet und wo es Punkte liegen lässt, lest ihr hier.

Themen in diesem Artikel

Daten und Fakten zum Canyon Grizl CF8 Escape

Gewicht9.94 kg
SchaltungShimano GRX RD-RX822
Bremse vorneShimano GRX BR-RX820
LaufradsatzDT-Swiss GR 1600
Reifen vorneSchwalbe G-One Overland TLR 45-622

​Das Canyon Grizl CF8 w/Eclips ist für mich ein echter Dauerbrenner geworden. Selten habe ich auf ein Langzeit-Testbike so schnell so viele Kilometer gespult. Das liegt zum einen an der hohen Pendelbelastung von 62 Kilometern vier mal die Woche, zum anderen an der Vielseitigkeit des Gravelbikes von Canyon. Gerade über die Wintermonate habe ich das Grizl mit Lichtanlage und Schutzblechen auch immer wieder für Trainingsfahrten und lockere Wochenend-Ausritte genutzt. Dabei musste das Bike von Starkregen bis Schnee und von Streusalz bis Staub bereits so einiges einstecken. Der Winter ist passé, die Bike-Saison hat begonnen. Nach 2000 Kilometern muss sich das Carbon-Gravelbike einem Zwischenbericht stellen. Keine Gnade für die Wade - oder in diesem Fall fürs Canyon Grizl!

Die wichtigsten Infos zum Canyon Grizl CF8 w/Eclips

  • ​Einsatzbereich: Gravelbike
  • Preis: 3999 Euro
  • getestetes Zubehör: Canyon Defend Grizl Fast Fender Schutzbleche (119,95 Euro), Canyon Load Front Gepäckträger (39,95 Euro), Canyon Load FidLock QuickLoader (139,95 Euro)
  • Material Rahmen: Carbon
  • Material Gabel: Carbon
  • Gewicht: 9,9 kg (BIKE-Messung Größe XL inkl. Eclips-System, ohne Pedale u. sonstiges Zubehör)
  • Besonderheiten: Eclips-Beleuchtungs- u. Akkusystem inkl. Nabendynamo, Full Mounty Cockpit, Canyon VCLS Blattfeder-Sattelstütze

​Austattung

  • Schaltung: Shimano GRX RD-RX822, 1x12
  • Übersetzung: 40 / 10-51 (510%)
  • Bremsen: Shimano GRX BL-RX820, 160/160 mm
  • Laufräder: DT Swiss GR 1600 Spline inkl. Son 29S Nabendynamo
  • Reifen: Schwalbe G-One Overland Performance, 45 mm
  • Beleuchtung: Lupine C14 / SF AL Nano

Komfort, Stabilität und Alltagstauglichkeit

Im Praxiseinsatz zeigte sich schnell, dass das Canyon Grizl CF8 W/Eclips eher auf Komfort, Stabilität und Alltagstauglichkeit ausgelegt ist als auf maximale Dynamik. Der Carbonrahmen sorgt zwar grundsätzlich für ein vergleichsweise niedriges Gewicht, doch durch Zubehör, Gepäck und Beleuchtung wächst das Gesamtgewicht deutlich an. Gerade im Stadtverkehr oder bei längeren Arbeitswegen fühlt sich das Bike dadurch weniger spritzig an als klassische sportliche Gravelbikes. Seine Stärken spielt das Grizl vor allem bei schwierigen Bedingungen aus. Auf nassem Schotter, verschmutzten Radwegen oder losem Untergrund vermittelt das Rad ein hohes Maß an Sicherheit. Die stabile Geometrie und die verhältnismäßig breiten Reifen sorgen dafür, dass Schlaglöcher, Äste oder Schotterpassagen souverän weggefiltert werden.

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​Das Canyon Grizl CF8 ESC w/Eclips richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, die ihr Gravelbike nicht nur für sportliche Touren, sondern auch als zuverlässiges Alltagsrad nutzen wollen. Mit Nabendynamo, integrierter Lichtanlage und optionalem Zubehör wie Schutzblechen oder Frontträger verfolgt das Konzept klar die Idee eines ganzjährig einsetzbaren Pendler-Bikes. Bei der Ausstattung setzt Canyon auf robuste und tourentaugliche Komponenten. Die Shimano-GRX-1x12-Schaltung mit großer Kassette erleichtert Fahrten mit Gepäck oder steilen Anstiegen. Weniger überzeugend fiel im Test das spezielle „Full Mounty“-Cockpit aus. Zwar bietet der Lenker zusätzliche Griffpositionen und zahlreiche Montagemöglichkeiten, der praktische Nutzen im täglichen Einsatz blieb jedoch begrenzt. Für extrem lange Touren mag das Konzept Vorteile bringen, auf normalen Pendelstrecken fällt der Mehrwert eher gering aus. Die vielen Befestigungsmöglichkeiten für Taschen und Zubehör unterstreichen den vielseitigen Charakter des Canyon Grizl Sondermodells.

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Das Eclipse-System

Besonders auf dunklen Pendelstrecken überzeugt das integrierte Lupine-Lichtsystem mit kräftiger Ausleuchtung und Fernlichtfunktion, das sogenannte Eclips-System kombiniert Nabendynamo und Akku. Dadurch lassen sich nicht nur Front- und Rücklicht betreiben, sondern auch externe Geräte per USB-C laden. Im Alltag bringt diese Integration Vorteile, allerdings zeigte sich im Test auch, dass das System etwas Aufmerksamkeit verlangt. Ist der Akku vollständig entladen, reicht die Energie des Dynamos allein nicht aus, um die starke Beleuchtung dauerhaft mit voller Leistung zu versorgen. Zudem erfolgt die Kontrolle des Akkustands primär über die Smartphone-App.

Nachdem sich das System im Test wiederholt scheinbar willkürlich entlud, konsultierten wir die Canyon-Ingenieure. Diese fanden in engmaschigen Kontrollen heraus, dass die automatische Abschaltfunktion unseres Testbikes fehlerhaft war. Im Verdacht sah man die sensible USB-C-Ladebuchse. Ein Kontakt im System weckt die Eclips-Technik aus dem Dornröschenschlaf. Leider kann dieser Kontakt auch aktiviert werden, wenn zum Beispiel Luftfeuchtigkeit an der Buchse kondensiert. Das unkontrollierte Anschalten saugt dann gegebenenfalls bereits bei einer Nacht Standzeit den Akku leer. Canyon hat längst reagiert und tauscht bei Kunden-Bikes problemhafte Hardware aus. Auch ein Software-Update für ein besseres Energiemanagement ist geplant

Winter-Verschleiß

Keine Frage: Bei den Bedingungen, welchen das Canyon Grizl CF8 W/Eclips im Dauertest ausgesetzt war, geht früher oder später jedes Verschleißteil in die Knie. Noch zeigen sich keine echten funktionalen Aussetzer, der Verschleiß der Antriebsteile Kette, Kassette und Kettenblatt ist nach 2000 feucht-matschigen Kilometern aber bereits sichtbar. Die Bremsbeläge haben noch ausreichend Fleisch und auch die Reifen machten trotz zahmem Profil auch im Winter einen guten Job. Obwohl Canyon die Fid-Lock-Rahmentasche extra an verschiedene Rahmengrößen anpasst, ist der Sitz nicht so sicher, wie bei Taschen, welche via Riemen befestigt werden. Bald schon plane ich mit dem Grizl einen großen Bikepacking-Trip durch die Toskana. Fürs raue italienische Hinterland werde ich mir die große Reifenfreiheit des Canyon Gravelbikes zu Nutze machen und ein paar richtig fette Schlappen montieren. Stay tuned!

Fazit

​Unterm Strich präsentiert sich das Grizl CF8 ESC w/Eclips als durchdachtes Gravelbike für Menschen, die ein vielseitiges Ganzjahresrad suchen. Besonders Sicherheit, Lichttechnik und Alltagstauglichkeit zählen zu den größten Pluspunkten. Wer hingegen ein besonders leichtes und aggressiv-sportliches Gravelbike erwartet, dürfte sich am höheren Systemgewicht und dem eher trägen Fahrverhalten stören. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

Jan Timmermann

Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

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