Noch lange bevor der 32-Zoll-Trend über die Erdkugel schwappte, experimentierte der australische Kleinserien-Hersteller Curve mit großen Laufrädern. Das sogenannte “Titanosaur” Konzept-Bike rollte schon 2019 gar auf 36 Zoll großen Rädern. Beerbt wird die Studie nun durch ein Gravelbike, das mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit die Marktreife erlangen wird: Das Curve Big Kev of Steel 32. Immer wieder lieferte Curve der Fangemeinde auf Social Media Teaser zum Stand des Projektes, jetzt ist der V3-Prototyp fahrbereit.
Ich persönlich stehe auf die radikale Optik von dünnen Stahlrohren und fetten Reifen. Am Curve Big Kev of Steel V3-Prototypen kommen die großen 32-Zoll-Laufräder besonders gut zur Geltung. Das in Australien von Hand verlötete Rahmenset ist eine wahre Augenweide. Wie viel Entwicklungs-Power Curve besitzt, zeigen auch die hauseigenen Carbon-Laufräder mit der neuen Laufradgröße. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Curve hat sich mit aufregenden Prototypen- und Kleinserien-Bikes in der Gravel-Szene längst einen Namen gemacht. Vor allem Bikes mit Carbonrohren und Titanmuffen, wie dem krassen CarboKev-Modell erlangten weltweit große Aufmerksamkeit. Mit dem neuen Big Kev of Steel will Curve nicht nur seine langjährige Entwicklungsarbeit mit großen Laufrädern zur Schau stellen, sondern auch zeigen, dass man in der Rahmenbau-Abteilung des australischen Unternehmens etwas von klassischer Stahlverarbeitung versteht. Der Prototypen-Rahmen des neuen 32-Zoll-Gravelbikes entsteht aus einem Columbus Zona Rohrsatz. Laut Curve wurden die Rohrprofile von Columbus bislang noch nicht auf die Anforderungen von 32-Zoll-Bikes angepasst und die Rahmenbauer mussten kreativ werden, um die großen Laufräder ins Gravelbike zu integrieren. Die Rohre wurden teils gebogen, die Ausfallenden mussten als Sonderanfertigung besorgt werden und das Kettenstreben-Yoke wurde aus 316L Edelstahl 3D-gedruckt.
Anschließend wurde der Bausatz verlötet, nicht verschweißt. Verlötete Stahlrahmen gelten als besonders komfortabel und wenig anfällig für Brüche. Im Vergleich zum Schweißen wird aber in der Regel eine geringere Steifigkeit erreicht. Bislang verkauft Curve keine in Australien gelötete Stahlrahmen, sondern will diese Fertigungsmethode vorerst nur zum Prototypenbau nutzen. Wie nah der Prototyp des Curve Big Kev of Steel 32 an der Serienfertigung ist, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen. Die 32er Variante orientiert sich am regulären Big Kev Modell, das in Serie mit Titanrahmen und Carbongabel auf 29 mal 2,4 Zoll breiten Reifen rollt. Aus den Erfahrungen mit dem Titanosaur hat Curve nach eigenen Angaben viel gelernt und sieht 32 Zoll als die “sinnvollere” Laufradgröße für Gravelbikes im Vergleich zu 36 Zoll. Tatsächlich überlegte man bei Curve bereits 2019 Gravelbikes mit 32 Zoll-Laufrädern zu bauen. Vor allem aber die Verfügbarkeit der Reifen stellte die Australier damals vor kaum lösbare Herausforderungen. Aktuell wird der 32-Zoll-Stahl-Prototyp in der Praxis erprobt.
Das gezeigte Showbike des Big Kev of Steel 32 kommt mit Rahmengröße L. Bereits ab Rahmengröße M verspricht Curve die gleichen Kontaktpunkte zum Bike, wie am regulären 29er Big Kev. Dafür musste nicht nur das Steuerrohr verkürzt und der Lenkwinkel angepasst, sondern mithilfe von Moné Bikes auch eine komplett eigene Gabel gebaut werden. Der Prototypen-Starrgabel aus Stahl soll eine Variante aus Carbon folgen. Auch andere Rahmenbauer sollen die Curve 32 Zoll Gabel künftig für ihre Bikes erwerben können. Theoretisch wäre laut Curve auch eine S-Rahmengröße fürs neue Big Kev of Steel 32 denkbar, ob diese in Serie kommen oder es auf einzelne Sonderanfertigungen hinauslaufen wird, ist jedoch noch offen.
Curve nutzt für den Aufbau des Big Kev of Steel 32 V3 eigene Carbonfelgen, die mit 45 Millimetern Tiefe gute Aero-Eigenschaften aufweisen sollen und ebenfalls noch Prototypen-Status besitzen. Gepaart werden sie mit 2,4 Zoll breiten Vittoria-Reifen. Angetrieben wird das 32-Zoll-Gravelbike von einer Kombi aus Sram Force und Sram X0 Gruppe mit großer Mountainbike-Kassette. Um den größeren Stack-Wert und den längeren Rahmen auszugleichen, der mit dem neuen Laufradmaß einhergeht, nutzt Curve einen 60 Millimeter kurzen FSA-Vorbau mit -20 Grad Drop. Natürlich kommt auch der hauseigene Curve Carbon Walmer Lenker zum Einsatz.
Wie seht ihr das: Funktionieren schlanke Stahlrohre optisch mit dicken 32er Reifen? Schreibt es uns in die Kommentare!

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