4 außergewöhnliche Räder aus AustralienGravelbikes from Down Under

Jan Timmermann

 · 03.10.2026

4 außergewöhnliche Räder aus Australien: Gravelbikes from Down UnderFoto: Prova
Proudly made in Asutalia: Aus dem Land von Kängurus und Wombats kommt so manches Traum-Gravelbike.
Wir kennen Australien für Koalabären, Ozonloch und Laid-Back-Mentalität. Welch schöne Gravelbikes die Australier bauen ist bis nach Deutschland aber noch nicht so recht durchgedrungen. Am anderen Ende der Welt entstehen tolle Gravelbikes aus Carbon und Titan. Wir haben vier australische Juwelen aufgespürt.

Themen in diesem Artikel

Australien ist weit weg - das weiß jedes Kind. Entsprechend selten dürfte man in Europa ein Fahrrad vom anderen Ende der Welt zu Gesicht bekommen. Australien hat eine aktive Gravelbike-Community und eine pulsierende Rahmenbau-Kultur. Bastion, Curve, Gothic und Prova sind vier Beispiele für die Handwerkskunst der australischen Gravelbike-Hersteller. Von Titan über 3D-Druck und Carbon wissen die Australier mit verschiedenen Materialien umzugehen und zaubern unvergleichliche Gravelbikes auf die Schotterpisten des Outbacks.

Fazit

Ich war selbst schon zwei mal in Australien und liebe die entspannte Lebensweise der Aussies. Mit fortschreitender Begeisterung für außergewöhnliche Fahrräder schätze ich den fünften Kontinent aber auch für bildschöne Gravelbikes. Die Australier scheinen nicht nur eine wilde Natur und eine Vorliebe für Vegemite, sondern auch ein Händchen für exquisiten Rahmenbau zu haben. - Jan Timmermann, TOUR-Redakteur

1. Einzelanfertigung ohne Kompromisse: Bastion

​Bastion Cycles verfolgt einen klaren Anspruch: Fahrräder sollen die Verbindung von präziser Ingenieurskunst und individuellem Design verkörpern. Auch das Crossroad Gravelbike entsteht deshalb nicht nach einem standardisierten Bauplan. Stattdessen entwickelt Bastion das Bike in engem Austausch mit seinem späteren Besitzer. Körpermaße, Fahrstil und persönliche Vorlieben fließen unmittelbar in die Konstruktion ein. So entsteht eine Geometrie, die kompromisslos auf den Fahrer zugeschnitten ist – und ein Fahrrad, das sich sowohl bei der Passform als auch beim Fahrverhalten individuell an seinen Besitzer anpasst.

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Der Anspruch an Individualisierung geht dabei weit über die reine Geometrie hinaus. Bereits in der Entwicklungsphase lässt sich das zu erwartende Fahrverhalten simulieren und der Rahmen als virtuelles 3D-Modell visualisieren. Die technischen Wurzeln des Unternehmens liegen in der Automobilindustrie: Die Gründer bringen ihre Erfahrung aus diesem Umfeld ebenso ein wie entsprechendes High-End-Equipment – darunter einen eigenen 3D-Drucker für Titanbauteile. Individualität endet bei Bastion schließlich nicht bei den technischen Daten. Auch die Gestaltung des Bikes lässt sich nahezu vollständig frei bestimmen. Von individuellen Lackierungen bis hin zu persönlichen Gravuren wird so aus jedem Gravelbike ein echtes Unikat.

Bastion Crossroad im Detail

  • ​Einsatzgebiet: Allroad / Gravel
  • Reifenfreiheit: 43 mm
  • ​Rahmenmaterial: Carbon (Rohre) / Titan (Muffen)
  • ​Gewicht Komplettbike: ca. 7,8 kg
  • Preis: k.A.
  • Besonderheiten: Hybrid-Rahmen als Maßanfertigung, Geometrie und Optik frei wählbar, Herstellung eines Rahmens benötigt >130 Maschinenstunden und >70 Stunden Handarbeit
Bei Bastion wird ein komplett eigenständiges Gravelbike um den Fahrer herum entwickelt.Foto: BastionBei Bastion wird ein komplett eigenständiges Gravelbike um den Fahrer herum entwickelt.

2. Titan-Carbon-Hybride: Curve

​Mit ihren Gravelbikes will Curve Cycling im High-End-Bereich neue Maßstäbe setzen. Der in Melbourne entwickelte und gefertigte Rahmen vereint Carbon und Titan zu einem ungewöhnlichen Materialmix, der gleichermaßen technisch ambitioniert wie optisch spektakulär ist. Tretlagerbereich, Sitzstreben, Ausfallenden sowie Steuer- und Oberrohr bestehen aus Titan, während Kettenstreben, Sattelstütze, Cockpit, Gabel, Unter- und Sitzrohr aus Carbon entstehen.

Im Ergebnis verspricht Curve ein spürbar steiferes Fahrverhalten im Antrieb, ohne die für Titan typische Compliance vollständig aufzugeben. Angesprochen werden soll damit eine entsprechend zahlungskräftige Kundschaft. Doch das CarboKev Gravelbike ist weit mehr als ein exklusives Showpiece: Hinter dem außergewöhnlichen Konzept steckt umfangreiche Entwicklungsarbeit, die in zahlreichen Tests erprobt wurde und einer klaren technischen wie gestalterischen Philosophie folgt.

Curve CarboKev im Detail

  • ​Einsatzgebiet: Gravel
  • Reifenfreiheit: 56 mm
  • Rahmenmaterial: Carbon / Titan
  • Gewicht: k.A.
  • ​Preis: ab ca. 21.700 Euro
  • Besonderheiten: Carbon-Titan-Hybrid-Rahmen, Custom-Geometrie, -Ausstattung und -Lackierung möglich
Mit deutlich über 21.000 Euro gehört das Curve CarboKev zu den teuersten Gravelbikes der Welt.Foto: CurveMit deutlich über 21.000 Euro gehört das Curve CarboKev zu den teuersten Gravelbikes der Welt.

3. Die dunkle Seite des Gravelbikens: Gothic

Im Mittelpunkt von Gothic Cycles steht die Überzeugung, dass Fahrräder vor allem für diejenigen entwickelt werden sollten, die sie tatsächlich fahren und warten. Entsprechend orientiert sich Gothic bei der Konstruktion nicht an Trends oder Marketingvorgaben, sondern an Funktion, Performance und den konkreten Anforderungen des Fahrers. Geometrie, Kabelführung und Komponentenwahl werden aufeinander abgestimmt und konsequent auf den jeweiligen Einsatzzweck ausgelegt.

Jedes Fahrrad wird von Hand aufgebaut und individuell an Fahrstil, Terrain und persönliche Vorlieben angepasst. Dabei legt Gothic Wert auf eine kompromisslose Umsetzung bis ins kleinste Detail. Auch gestalterisch verfolgt die Marke einen eigenen Weg. Der Name Gothic verweist auf das Spiel mit Gegensätzen – etwa zwischen Licht und Schatten, Form und Funktion oder Schönheit und Härte. So verbindet die Marke technische Präzision und individuelle Anpassung mit einer bewusst markanten und eigenständigen Ästhetik.

Gothic Aix im Detail

  • ​Einsatzgebiet: Gravel
  • Reifenfreiheit: 50 / 45 mm
  • Rahmenmaterial: Carbon
  • Gewicht Rahmen: ca. 1120 g
  • Preis: ab ca. 3680 Euro
  • Besonderheiten: Custom-Aufbau und -Lackierung möglich
Bunt wie ein Friedhofs-Gesteck: Das Gothic Aix lässt sich in den abgefahrensten Farben ordern.Foto: Gothic CyclesBunt wie ein Friedhofs-Gesteck: Das Gothic Aix lässt sich in den abgefahrensten Farben ordern.

4. 3D-gedruckte Titan-Statements: Prova

​Für Prova ist das Gravelbike gemacht, um dem Verkehr und dem Trubel der Stadt den Rücken zu kehren. Herzstück ist stets ein leichter und zugleich robuster Titanrahmen, der zusammen mit einer Carbon-Starrgabel des Spezialisten Enve auch für anspruchsvolle Touren abseits befestigter Straßen gerüstet ist. Gepäckaufnahmen an der Gabel erweitern dabei die Einsatzmöglichkeiten für längere Ausfahrten und Bikepacking-Abenteuer.

Ein 3D-gedruckter Kettenstreben-Yoke schafft ausreichend Freiraum für Gravel-Reifen mit bis zu 50 Millimetern Breite. Auch die Ausfallenden entstehen im 3D-Druck und werden vollständig aus Titan gefertigt. Für den Einsatz von Getriebeschaltungen setzt Prova auf ein horizontales Ausfallende, über das sich die Kettenspannung präzise einstellen lässt. Gefertigt werden die komplexen Bauteile, indem Titanpulver Schicht für Schicht nach den Vorgaben der Entwickler verschmolzen wird. Anschließend erhalten die 3D-gedruckten Komponenten in aufwendiger Handarbeit ihre endgültige Form und ein charakteristisches, glänzendes Finish.

Prova Mostro Pinion im Detail

  • ​​Einsatzgebiet: Gravel
  • Reifenfreiheit: 50 mm
  • Rahmenmaterial: Titan
  • Gewicht Rahmen: ab 1500 g ohne Getriebe
  • Preis: k.A.
  • Besonderheiten: Custom-Rohrsatz und Geometrie, 3D-Druck-Titan-Parts
Das Prova Mostro Gravelbike integriert ein Pinion-Getriebe in eine 3D-gedruckte Aufnahme aus Titan.Foto: ProvaDas Prova Mostro Gravelbike integriert ein Pinion-Getriebe in eine 3D-gedruckte Aufnahme aus Titan.

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Jan Timmermann

Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

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