Jens Klötzer
· 26.08.2026
Das von TOUR getestete S-Works Tarmac SL9 gilt als eines der komplettesten und ausgewogensten Wettkampf-Rennräder der Welt. Es erreichte in Top-Ausstattung mit Shimano Dura-Ace Di2, Roval-CLX-Sprint-Laufrädern und 30 Millimeter breiten Cotton-TLR-Reifen ein Testgewicht von betörenden 6,49 Kilogramm. Im Windkanal ermittelte TOUR bei 45 km/h eine erforderliche Tretleistung von 205 Watt und damit vier Watt weniger als beim SL8. Mit der Gesamtnote 1,4 setzte sich das Rad an die Spitze der aktuellen TOUR-Wertung. Kaum ein anderes Rad verbindet Gewicht, Aerodynamik, Fahrdynamik und Komfort derzeit besser zu einem stimmigen Gesamtkonzept, so das Fazit zum 14.000-Euro-Boliden.
Diese grundlegenden Eigenschaften sollen auch günstigere Varianten des SL9 übernehmen, die der US-Hersteller nun in die Shops liefert. Steuerrohr, Gabel, abgesenktes Unterrohr, das eng am Hinterrad verlaufende Sitzrohr sowie die unveränderte Race-Geometrie entsprechen dem S-Works. Allerdings lassen sich die Messwerte des TOUR-Testprimus nicht direkt übertragen: Vor allem schwerere und weniger aerodynamische Laufräder sowie zweiteilige Aluminiumcockpits erhöhen bei Expert und Comp Gewicht und Luftwiderstand. Auch die Rahmen werden aufgrund veränderter Carbon-Layups etwas schwerer.
Das neue S-Level, erstmals eingeführt beim Gravel-Racebike Crux, ersetzt die bisherige Pro-Version der Tarmac-Reihe. Es kombiniert einen 135 Gramm schwereren FACT-10r-Rahmen mit der FACT-12r-Gabel des S-Works, mit 822 Gramm (Herstellerangabe) fällt der Rahmen immer noch vergleichsweise leicht aus. Ausgestattet ist das Modell mit elektronischen Spitzengruppen SRAM Red AXS oder Shimano Dura-Ace Di2 und dem einteiligen Roval-Rapide-Cockpit. Damit bleibt die Integration des S-Works erhalten. Auch die 30 Millimeter breiten Cotton-TLR-Reifen werden übernommen.
Gespart wird gegenüber dem S-Works vor allem bei den Laufrädern. Das S-Works verwendetRoval Rapide CLX III mit Carbonspeichen, das S-Level Rapide CL III mit DT-350-Naben und Stahlspeichen. Hinzu kommen Edelstahl- statt CeramicSpeed-Lager sowie der etwas einfachere Power Pro Mirror anstelle des S-Works Power Mirror. Das angegebene Komplettgewicht steigt dadurch auf 7,1 Kilogramm. Der Preis beträgt unabhängig vom Schaltsystem 10.499 Euro – 3.500 Euro oder rund 25 Prozent weniger als beim S-Works. Das S-Level richtet sich damit an Käufer, die Top-Schaltung und integriertes Cockpit wünschen, den heftigen Preisaufschlag für den Ultraleicht-Rahmen, Carbonspeichen und CeramicSpeed-Lager aber vermeiden wollen.
Auch das Tarmac SL9 Expert nutzt den FACT-10r-Rahmen und die FACT-12r-Gabel. Die Ausstattung fällt dafür konventioneller aus: Specialized montiert SRAM Force AXS oder Shimano Ultegra Di2, Roval-C38-Carbonlaufräder und ein zweiteiliges Cockpit aus Roval-Rapide-Aluminiumvorbau und Specialized-Aluminiumlenker. Das erleichtert Anpassungen von Vorbaulänge und Lenkerbreite, kostet gegenüber der integrierten Lösung aber Gewicht und aerodynamische Effizienz.
Mit 7,53 Kilogramm in der Ultegra- und 7,55 Kilogramm in der Force-Ausführung bleibt das Expert ein vergleichsweise leichtes Racebike. Beide Versionen kosten 6.999 Euro. Damit liegt das Expert 3.500 Euro unter dem S-Level und exakt 7.000 Euro unter dem S-Works.
Die günstigste Version ist ab sofort das Comp, es übernimmt ebenfalls den FACT-10r-Rahmen, die FACT-12r-Gabel und die SL9-Geometrie. Mit SRAM Rival AXS beziehungsweise Shimano 105 Di2 bleibt die Schaltung elektronisch. Größter technischer Unterschied sind die DT-Swiss-R470-Aluminiumlaufräder. Das Gewicht steigt auf 8,14 Kilogramm mit Rival AXS beziehungsweise 8,21 Kilogramm mit 105 Di2. Der Preis liegt für beide Varianten bei 4.499 Euro.

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