Der Kies knistert unter den frisch aufgepumpten Goodyear-Reifen als ich die Ausfahrt meines Airbnbs hoch Richtung asphaltierte Landstraße rolle. ´Für ein Aero-Rennrad lässt sich diese kleine Gravel-Passage überraschend entspannt bewältigen`, denke ich mir und trete stärker in die Pedale. Beim Gangwechsel nehme ich das mittlerweile vertraute Surren der Sram Force AXS, das mich zu Beginn dieses Dauertests so faszinierte, nur noch am Rande wahr. Man gewöhnt sich eben an alles. Leider auch an die schönen Dinge...
Ich teste das Factor Monza zwar erst seit Juni, bin dafür jedoch bereits gut rumgekommen. Neben dem Kölner Umland trug mich der Aero-Bolide die 21 berüchtigten Kehren nach Alpe d´Huez hoch und schaffte es auch für meinen Bretagne-Urlaub wieder auf den Radträger. Zwar fokussiert sich der Einsatzzweck des Monza primär auf Trainingsausfahrten und Wettkämpfe, jedoch sind entspannte Ausfahrten und Coffee-Rides nicht verboten...
Ich bin zuvor nie in der Bretagne gewesen und hatte keine Ahnung, welche Bedingungen mich und mein aktuelles Test-Rad erwarteten. Doch schon beim Ankommen war ich mehr als begeistert. Gut asphaltierte Straßen schlängeln sich durch ein Meer aus Wiesen, Feldern und Wäldern und verbinden verschlafene Ortschaften miteinander. Autoverkehr? Fehlanzeige. Ein wahres Rennrad-Paradies, wobei auch Rennradfahrer eher eine Seltenheit darstellten. Alles wirkte wie ausgestorben.
Umso entspannter ging ich meine erste Ausfahrt im französischen Nordwesten an, musste jedoch leider nach 15 Kilometern feststellen, dass ich vergessen hatte, die elektrische Schaltung aufzuladen. Gut, dass es bis zum Airbnb nur wenige Kilometer waren, das bretonische Profil eher wellig statt bergig ist und ich auf einem moderaten Gang steckengeblieben bin. Dennoch war die Fahrt unerwartet frühzeitig beendet. An meinem ersten Eindruck änderte dies wenig: Die Bretagne eignet sich hervorragend fürs Rennrad.
Besser vorbereitet ging ich die nächste Tour an und genoss die leichten Anstiege und rasanten Abfahrten. Besonders viel Spaß machte das Aero-Rennrad natürlich auf den kilometerlangen geraden Strecken ohne Steigungen, in denen man einfach den Kopf abschalten und Gas geben konnte. Wie bereits erwähnt, nahm ich das Factor jedoch nicht für harte Trainingseinheiten, sondern entspanntere Touren inklusive Coffee-Stops mit. Dies sollte insofern ein Problem darstellen, als das in den verschlafenen Ortschaften nicht ein Café mit dem nächsten konkurriert, sondern diese eher spärlich verteilt sind. Und auch die Öffnungszeiten stellten mich vor die ein oder andere Herausforderung.
Mein Kaffee-Glück fand ich dann doch in der kleinen Stadt Redon, wobei mir auch hier die Öffnungszeiten einiger Cafés zunächst einen Strich durch die Rechnung machten. Der doppelte Espresso, den ich schließlich im Ciné Café bestellte, schmeckte dafür umso besser und passte zudem perfekt in die Routenplanung. Gestärkt durch den Kaffee und eine Tüte Gummibärchen, die ich mir im nahegelegenen Supermarkt kaufte, ging ich die zweite Hälfte der Tour an. Wieder entlang von Wiesen, Feldern und Wäldern und wieder ohne großen Auto-Trubel.
Meine Urlaubsausfahrten führten mich, anders als zunächst gedacht, nicht nur über Asphalt. Zwischen den neueren Straßen tauchten ab und an Schotterpassagen auf, für die das Monza nun wirklich nicht gemacht ist. Mein Vorderreifen bestätigte mir dies auf den letzten unbefestigten Metern meiner letzten Tour, indem er nach einer verlorenen Auseinandersetzung mit einem gröberen Stein aufmachte und die Luft entwich. Ich ärgerte mich, es waren keine zehn Kilometer mehr bis zur Unterkunft, aber es half nichts. Reifen runter, Schlauch tauschen, Reifen drauf. ´Immerhin kann ich jetzt bestätigen, dass Aero-Rennräder tatsächlich nicht für Schotter gemacht sind`, dachte ich mir nur halbernst und rollte die letzten Kilometer durch die Bretagne.

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