Vuelta-RuhetagDer Zwischenstand der Spanien-Rundfahrt

Leon Weidner

 · 31.08.2026

Vuelta-Ruhetag: Der Zwischenstand der Spanien-RundfahrtFoto: Getty Images/Alexander Hassenstein
Enric Mas trug das Rote Führungstrikot bei der Siegerehrung nach der 8. Etappe aus Respekt vor Tadej Pogačar nicht
Die erste Woche der Vuelta a España hatte alles zu bieten: eine abgebrochene Etappe, den Pogačar-Schock, überraschend starke Herausforderer und neue Hoffnung für zahlreiche Klassementfahrer. Vor dem ersten Ruhetag ist der Kampf um das Rote Trikot plötzlich völlig offen.​

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Die erste Woche der Vuelta a España 2026 wurde von einem Ereignis überschattet: dem Ausscheiden von Tadej Pogačar. Lange Zeit schien der Slowene die Rundfahrt nach Belieben zu kontrollieren. Drei Etappensiege in den ersten sechs Tagen, das Rote Trikot und deutliche Vorteile gegenüber allen Konkurrenten machten ihn zum klaren Topfavoriten. Selbst auf der spektakulären Schotterankunft der 6. Etappe erwies sich Pogačar als stärkster Fahrer des Feldes.

​Der Pogačar-Schock verändert die Vuelta komplett

Doch der schwere Sturz auf der 8. Etappe beendete seine Vuelta vorzeitig. Mit dem Ausscheiden des Dominators ist die Rundfahrt von einem Tag auf den anderen völlig offen geworden. Plötzlich glauben zahlreiche Fahrer an ihre Chance auf den größten Erfolg ihrer Karriere. Ob Enric Mas, Primož Roglič, Richard Carapaz, Felix Gall oder Oscar Onley: Sie alle dürften nun davon überzeugt sein, dass der Gesamtsieg erreichbar ist. Was vor wenigen Tagen noch wie ein Kampf um Platz zwei hinter Pogačar aussah, ist nun ein offenes Rennen um das Rote Trikot.

Enric Mas erlebt seinen zweiten Frühling

Die größte positive Überraschung der ersten Woche ist ohne Zweifel Enric Mas. Der Movistar-Kapitän hatte in den vergangenen Jahren zwar immer wieder ordentliche Resultate eingefahren, gehörte aber längst nicht mehr zum engsten Kreis der Grand-Tour-Favoriten. Umso bemerkenswerter sind seine bisherigen Leistungen.

Besonders auf der 6. Etappe setzte der Spanier ein Ausrufezeichen. Nachdem Pogačar auf dem steilen Schotteranstieg attackiert hatte, gelang Mas etwas, das bei einer großen Landesrundfahrt über Jahre niemand mehr geschafft hatte: Er fuhr wieder zu Pogačar auf. Der Slowene selbst sprach anschließend davon, dass Mas „wie eine Rakete“ an ihm vorbeigeflogen sei.

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Mit dem Aus von Pogačar rückt Mas nun automatisch in die Rolle eines der größten Favoriten auf den Gesamtsieg. Ein Szenario, das vor dem Start der Rundfahrt wohl nur wenige erwartet hätten.

Roglič meldet sich eindrucksvoll zurück

Ebenfalls überraschend stark präsentiert sich Primož Roglič. Vor dem Start der Vuelta herrschte bei Red Bull - Bora - hansgrohe eher Zurückhaltung. Das Team hatte sogar einen wichtigen Berghelfer aus dem Aufgebot gestrichen, weil man sich aufgrund des Gesundheitszustands des Slowenen offenbar nicht sicher war, wie konkurrenzfähig er sein würde.

Doch Roglič hat in der ersten Woche gezeigt, dass er absolut zum Kreis der Favoriten gehört. Zwar konnte er Pogačar nicht folgen, hielt sich aber kontinuierlich in Schlagdistanz zur Spitze und vermied größere Einbrüche. Vor allem das lange Einzelzeitfahren in der letzten Woche könnte ihm nun in die Karten spielen. Kaum einer der verbliebenen Klassementfahrer dürfte dort so viel Zeit gutmachen können wie der vierfache Vuelta-Sieger. Für ihn steht weiterhin der fünfte Erfolg bei der Spanien-Rundfahrt in Aussicht, das wäre Rekord.

Joshua Tarling kämpft trotz schwerem Schicksalsschlag bei Vuelta

Für die bewegendsten Momente der ersten Woche sorgte Joshua Tarling. Der Brite war nur wenige Tage nach dem tragischen Tod seines Bruders Finlay bei der Volta a Portugal überhaupt zur Vuelta angereist. Allein sein Start wurde im Peloton und bei den Fans mit großem Respekt aufgenommen.

Tarling versuchte trotz der emotionalen Belastung weiterzufahren, entschied sich schließlich jedoch auf der 6. Etappe zum Ausstieg. Sportlich rückte das schnell in den Hintergrund. Vielmehr zeigte seine Geschichte, welche persönlichen Schicksale oft hinter den Leistungen der Profis stehen.

Weitere Themen der ersten Woche

  • Oscar Onley wieder vorne dabei: Der junge Brite konnte sich gegen zahlreiche etablierte Grand-Tour-Fahrer behaupten und hält sich immer noch in Schlagdistanz zum Führenden Enric Mas. Nach der Tour-Absage kann er bei der Vuelta zeigen, weshalb er zum Favoritenkreis zählt.
  • Der wetterbedingte Abbruch der 7. Etappe: Für die wohl kuriosesten Bilder der ersten Woche sorgte die 7. Etappe. Sturmböen und heftiger Hagel machten eine Fortsetzung des Rennens unmöglich, zahlreiche Fahrer suchten Schutz in einem nahegelegenen Hotel. Die Entscheidung zur Neutralisierung und späteren Absage wurde im Peloton weitgehend begrüßt und zeigte einmal mehr, wie unberechenbar die Bedingungen bei der Vuelta sein können.
  • Die Vuelta liefert von Beginn an Spektakel: Schon die erste Woche bot Schotterpassagen, schwere Bergankünfte, Windkanten und zahlreiche Zeitabstände. Die Spanien-Rundfahrt zeigt einmal mehr, wie unberechenbar sie ist.

Der erste Ruhetag kommt damit zu einem Zeitpunkt, an dem die Vuelta praktisch neu beginnt. Der große Favorit und Dominator ist weg, mehrere Fahrer träumen plötzlich vom Gesamtsieg und die spannendste Frage lautet: Wer nutzt die wohl einmalige Gelegenheit?

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Leon Weidner

Redakteur

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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