Der erste Ruhetag liegt hinter den Fahrern, die Vuelta a España 2026 biegt langsam aber sicher in ihre entscheidende Phase ein. Nach dem Sturz und dem anschließenden Aus von Tadej Pogačar gibt es keinen klaren Topfavoriten mehr auf das Rote Trikot. Stattdessen kämpfen mehrere Fahrer auf Augenhöhe um den Gesamtsieg, weshalb jeder Fehler und jede Schwächephase schwerwiegende Folgen haben kann. Vor allem fünf Etappen stechen im verbliebenen Streckenverlauf heraus. Sie dürften darüber entscheiden, wer am Ende in Granada ganz oben steht.
Die erste echte Schlüsseletappe nach dem Ruhetag wartet auf der zwölften Etappe. Im Fokus steht der Alto de Velefique und der Schlussanstieg hinauf zum Calar Alto.
Auf den letzten 40 Kilometern geht es zumeist bergauf. Zwar wirken die durchschnittlichen Steigungswerte von 7,2 Prozent am Velefique und 5,6 Prozent am Calar Alto auf den ersten Blick noch moderat, doch die Länge der Anstiege macht diese Etappe der Vuelta so schwierig. Mehr als 30 Kilometer kategorisierter Anstieg warten hier am Ende der Etappe auf die Fahrer.
Die kurze Abfahrt zwischen beiden Bergen bietet zudem kaum Gelegenheit zur Erholung, da nur ein Teil der zuvor gewonnenen Höhenmeter wieder verloren geht. Besonders herausfordernd dürfte der Rhythmus werden. Anders als bei langen und gleichmäßigen Alpenpässen wechseln die Steigungsprozente ständig. Wer hier seinen Rhythmus verliert, könnte schnell viel Zeit einbüßen. Gefragt sind vor allem Ausdauer und die Fähigkeit, über einen langen Zeitraum konstant an der Belastungsgrenze zu fahren.
Zwei Tage später folgt auf der 14. Etappe mit der Bergankunft an der Sierra de La Pandera die nächste Prüfung für die Klassementfahrer. Im Mittelpunkt steht dabei der zwölf Kilometer lange Schlussanstieg mit durchschnittlich 7,2 Prozent Steigung. Die Zahlen allein erzählen allerdings nicht die ganze Geschichte. Immer wieder warten Rampen mit zweistelligen Prozentwerten, die den Fahrern alles abverlangen werden.
Gerade weil die Ankunft ausschließlich über diesen finalen Anstieg entschieden wird, könnte hier erstmals ein klareres Bild im Gesamtklassement entstehen. Wer am Sierra de La Pandera überzeugt, verschafft sich eine hervorragende Ausgangsposition für die entscheidende letzte Rennwoche.
Nach dem zweiten Ruhetag stehen zunächst einige weniger spektakuläre Tage auf dem Programm. Größere Attacken der Favoriten auf die Gesamtwertung sind dabei eher nicht zu erwarten. Das ändert sich auf der 18. Etappe schlagartig.
Das 32,3 Kilometer lange Einzelzeitfahren läutet das Finale der Vuelta ein. Zwar ist der Parcours nicht komplett flach und enthält einige kleinere Wellen, von einem Bergzeitfahren ist die Strecke jedoch weit entfernt. Gute Zeitfahrer werden deshalb klare Vorteile haben.
Die Zeitabstände könnten hier erheblich ausfallen. Auf über 32 Kilometern sind sowohl Zeitgewinne als auch schmerzhafte Verluste im Minutenbereich möglich. Während Fahrer wie Felix Gall oder Enric Mas vermutlich vor allem auf Schadensbegrenzung aus sein werden, könnte die Strecke Primož Roglič oder Mattias Skjelmose in die Karten spielen. Das Zeitfahren hat das Potenzial, die Gesamtwertung noch einmal komplett auf den Kopf zu stellen.
Kaum haben sich die Fahrer vom Zeitfahren erholt, wartet bereits die nächste Herausforderung. Die 19. Etappe der Vuelta endet mit dem schweren Schlussanstieg nach Peñas Blancas bei Estepona.
Über weite Strecken des Tages sammeln sich bereits zahlreiche Höhenmeter an, ehe das Finale beginnt. Dort wartet ein 18,7 Kilometer langer Anstieg mit durchschnittlich 6,5 Prozent Steigung. Hier ist abermals die Länge des Anstiegs die Schwierigkeit. Nach den Anstrengungen des Zeitfahrens könnten hier erste Ermüdungserscheinungen sichtbar werden. Schwächephasen lassen sich auf einem derart langen Schlussanstieg kaum verstecken.
Alles deutet darauf hin, dass die Entscheidung um den Gesamtsieg auf der vorletzten Etappe fallen wird. Über 5000 Höhenmeter und vier schwere Anstiege machen den Tag zur klaren Königsetappe der Vuelta 2026.
Bereits früh im Rennen müssen die Fahrer den Puerto de El Purche absolvieren. Der Anstieg misst 8,2 Kilometer bei durchschnittlich 8,1 Prozent und wird gleich zweimal hintereinander überquert. Allein diese Kombination dürfte viele Helfer früh an ihre Grenzen bringen. Doch damit nicht genug. Anschließend wartet mit dem Puerto del Duque ein weiterer Kategorie-1-Anstieg über 7,4 Kilometer bei 8,3 Prozent. Erst danach erreichen die Fahrer den finalen Showdown.
Der Schlussanstieg zum Collado del Alguacil besitzt alles, was eine legendäre Vuelta-Entscheidung braucht: acht Kilometer Länge, durchschnittlich 9,8 Prozent Steigung und Fahrer, die bereits einen extrem schweren Tag in den Beinen haben. Hier wird es keine Versteckspiele mehr geben. Wer noch Reserven besitzt, muss angreifen.
Sollte die Gesamtwertung bis dahin noch eng beieinanderliegen, entscheidet sich am Collado del Alguacil, wer wenige Stunden später als Sieger der Vuelta a España 2026 feststeht. Die Königsetappe ist der letzte große Prüfstein und vermutlich die letzte Gelegenheit, das Rennen noch einmal entscheidend zu verändern.

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