Leon Weidner
· 02.05.2026
Mit der Vuelta España Femenina steht die erste einwöchige Rundfahrt bei den Frauen an. Bis jetzt ging es stets nur wenige Tage um Rundfahrt-Siege, jetzt werden die Favoritinnen auf das Gesamtklassement das erste Mal richtig getestet. In diesem Jahr kommt es mehr als in den vergangenen Jahren auf die Beine der Kapitäninnen an, da die erste Etappe kein Teamzeitfahren ist. Dieses bildete traditionell den Auftakt der Spanien-Rundfahrt, wird 2026 jedoch von einer normalen Etappe ersetzt. Dadurch ergeben sich besonders viele Gelegenheiten für Ausreißerinnen und Sprinterinnen, für die es sich noch mehr lohnt eine große Rundfahrt zu bestreiten.
Ausgenommen davon sind die beiden letzten Etappen. Hier geht es um Alles. Zwei harte Bergankünfte versprechen ein Spektakel im Kampf um das Gesamtklassement, die Prozente der Anstiege sind gnadenlos. Damit verspricht die diesjährige Spanien-Rundfahrt so richtig spannend zu werden und könnte ein Fingerzeig für die Tour de France sein. Aber wer hat das Zeug sich den Sieg zu holen? Hier sind die Favoritinnen auf den Sieg.
Die Titelverteidigerin Demi Vollering ist 2026 nicht im Aufgebot ihres Teams. Sie entschied sich aktiv gegen eine Teilnahme und will dafür beim Giro d’Italia dabei sein, der ihr noch in ihrer Liste der Siege fehlt. Damit rücken zwei andere Fahrerinnen ins Rampenlicht. Die Tour-Siegerin 2025, Pauline Ferrand-Prévot und Kasia Niewiadoma sind die großen Favoritinnen auf den Gesamtsieg. Ferrand-Prévot gilt mit ihrer Dominanz der letztjährigen Tour als absolute Rundfahrt-Spezialistin, zeigte bei einigen Klassikern in dieser Saison, dass sie schon jetzt in guter Form ist. Die schwierigen Anstiege zum Ende der Vuelta sollten der Französin besonders liegen.
Kasisa Niewiadoma hat schon einige Tage im Sattel mehr als Ferrand-Prévot, konnte vor allem bei den Klassikern noch mehr überzeugen. Auch wenn es zu keinem Sieg gereicht hat, belegte sie bei ganzen vier prestigeträchtigen Rennen das Podium, dreimal auf dem zweiten Platz. Ihre Antrittsstärke ist auf kurzen Passagen zwar ein Vorteil, auf dem langen Anstieg zum Angliru ist sie jedoch etwas schwächer als Ferrand-Prévot einzuschätzen.
Dahinter wird es deutlich schwieriger eine klare Kandidatin für den letzten Podiumsplatz auszumachen. Mit dem Fehlen Vollerings ergibt sich für Juliette Berthet wohl eine seltene Gelegenheit. Sie kann als Kapitänin zeigen was sie drauf hat, die Seltenheit einer solchen Chance mobilisiert im Zweifel riesige Kräfte. Aber auch die mittlerweile 42-jährige Mavi García darf man nicht abschreiben. Sie bewies in der Vergangenheit immer wieder, weshalb man mit ihr rechnen muss. Mit dem Sieg dürfte es schwer werden für die erfahrene Spanierin, aber auf einen Podestplatz schielt sie mit Sicherheit. Ihre Teamkollegin Paula Blasi ist aktuell in bestechender Form, bei den Klassikern zeigte sie ihr gesamtes Potenzial und holte sich den Sieg beim Amstel Gold Race. Je nach Rennverlauf könnte auch sie auf Gesamtklassement fahren, UAE hat somit mehrere Möglichkeiten.
Aus deutscher Sicht ist besonders Liane Lippert spannend zu beobachten. Ihre eigentlich gesetzte Teamkapitänin, Marlen Reusser, brach sich bei der Flandern-Rundfahrt einen Lendenwirbel und wird deshalb nicht am Start der Spanien-Rundfahrt stehen, bei der sie 2025 den zweiten Platz holte. Dadurch rückt Lippert in ihre Rolle und genau wie Berthet beweisen. Eine gute Platzierung ist allemal möglich. Sarah Gigante ist eine weitere Topfahrerin, die in Abfahrten große Probleme mitbringt, bergauf dafür umso stärker ist. Abfahrten spielen bei der diesjährigen Spanien-Rundfahrt kaum eine Rolle, das spielt Gigante sehr in die Karten. Die beiden Bergankünfte mit schwierigen Anstiegen sind genau ihr Terrain, hier kann die Australierin glänzen. Nach erneuter Verletzung ist sie vielleicht höher einzuschätzen, als so manche Person denken würde, auch wenn es ihr erster Renntag seit der Tour de France 2025 ist.
Werkstudent