“Please don't sign for UAE”Warum Paul Seixas in Frankreich bleiben sollte

Sandra Schuberth

 · 27.04.2026

“Please don't sign for UAE”: Warum Paul Seixas in Frankreich bleiben sollteFoto: Getty Images/Bernard Papon
Tadej Pogačar und Paul Seixas bei Lüttich-Bastogne-Lüttich 2026
Stell dir vor, Pogacar und Seixas im selben Trikot. Sportlich vernünftig, erzählerisch ein Desaster. Ein deutscher Musiker hat dazu schon mal das passende Lied geschrieben.

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​Es gibt diesen Moment in jeder Saison, in dem klar wird, wer im nächsten Jahrzehnt vorne mitfährt. 2026 war das die Redoute. Tadej Pogačar greift an, das Feld zerfällt, und ein Fahrer geht mit. Nicht irgendeiner. Ein 19-Jähriger im Decathlon CMA CGM Trikot. Paul Seixas folgt dem Weltmeister minutenlang, lässt erst im letzten Anstieg abreißen und beendet Lüttich-Bastogne-Lüttich auf Augenhöhe mit der absoluten Weltspitze.

Pogačar selbst sagte in der Pressekonferenz nach dem Rennen, er sei nicht überrascht gewesen, sondern eher beeindruckt, wie gut er ist. Er habe noch keinen Stärkeren gesehen. Im Profiradsport sind solche Sätze selten so klar.

Der Song, der die Stimmung trifft

Während die Sportpresse über Vertragslaufzeiten und Marktwerte schreibt, hat ein deutscher Musiker namens Killow – bürgerlich Kilian, aus Trier, leidenschaftlicher Decathlon-Fan – einfach mal das gesagt, was viele denken. Er hat sich eine Akustikgitarre geschnappt und einen Song geschrieben. Titel: Paul Seixas, Please Don't Sign For UAE.

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Die Zeilen sind so charmant wie unverhohlen:

“Do you want to spend your winters riding zone 2 in the desert?”And how lame would it have been if we had Jonas and Pogacar on the same team.”You're the next Hinault, the chosen one, but won't someone think of me?”

Das Reel hat über eine halbe Million Views, der Song ist auf Spotify, und der französische Präsident soll sich angeblich auch schon eingemischt haben, damit Seixas in Frankreich bleibt. Wenn Paris und ein Singer-Songwriter aus Trier dasselbe wollen, ist das schon eine Allianz.

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Warum UAE jetzt genannt wird

Die Faktenlage ist überschaubar. Seixas hat Vertrag bei Decathlon CMA CGM bis Ende 2027. Seit seinem zweiten Platz bei Strade Bianche Anfang März kursiert allerdings ein Bericht von Het Laatste Nieuws, wonach UAE Team Emirates-XRG Interesse zeigt. Bestätigt ist nichts. UAE-Sportmanager Joxean “Matxin” Fernández sagte damals nur, dass jedes Team ihn haben wolle, aber er ja noch unter Vertrag stehe. Eine Standardantwort.

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Die Gerüchteküche brodelt: Inzwischen werden auch INEOS Grenadiers und Red Bull-Bora-hansgrohe als Interessenten gehandelt. Sein 17-jähriger Bruder Nino war im Dezember zum Trainingslager in Benidorm bei UAE. Das ist nicht zwangsläufig eine Strategie, aber auch kein Zufall.

Heißt: Kein unterschriebener Vertrag. Aber die Gerüchte werden lauter, je besser Seixas fährt. Und seit Lüttich fährt er sehr, sehr gut.

Die sportliche Logik hinter dem UAE-Interesse ist trotzdem klar: Lieber einbinden als gegen ihn fahren müssen. Aus Teamsicht maximal vernünftig. Aus Sicht von Radsport-Fans: maximal langweilig.

Die ehrliche Frage: Was hätten wir davon?

Stell dir kurz vor, Seixas unterschreibt. Was passiert dann? An der Spitze fährt einer weniger gegen Pogačar. Stattdessen mit ihm. Drei Jahre Edelhelfer, drei Jahre Tempo machen, drei Jahre keine Attacken gegen das gelbe Trikot. Pogačar dominiert weiter, nur dass jetzt auch noch eines der größten Talente der Welt vorne für ihn arbeiten würde.

Für Seixas selbst wäre das nicht das Schlimmste. Er würde Trainingskilometer, Erfahrung und Geld sammeln. Vielleicht auch eine Richard-Mille-Uhr. Irgendwann dürfte er den Giro fahren, vielleicht mal die Vuelta, und wenn Pogačar 33 ist, eventuell sogar mit Tour-Ambitionen. Sportlich verständlich, persönlich rational.

Für uns als Zuschauer wäre es das Ende einer Rivalität, bevor sie überhaupt angefangen hat.

Sportlich ergibt das Sinn. Erzählerisch ist es ein Desaster.

Rennen leben von Duellen. Sie leben davon, dass zwei oder drei Fahrer in verschiedenen Trikots gegeneinander antreten – und nicht im selben Teambus sitzen. Stell dir Lüttich 2026 vor, wenn Seixas an der Redoute mit Pogacar an die Spitze fährt und dann nicht abreißen lässt, sondern kontert. In einem anderen Trikot. Das ist Radsport. Das wollen wir sehen.

Killow bringt das in einer Zeile auf den Punkt, die so banal wie wahr ist: How cool to beat their ass on a Decathlon bike.

Decathlon CMA CGM bleibt entspannt

Bei Decathlon CMA CGM gibt man sich öffentlich gelassen. CEO Dominique Serieys sagte dem britischen Journalisten Daniel Benson, er sei zuversichtlich. Wenn Seixas nicht bleiben wolle, sei das seine Entscheidung. Wenn er an das Projekt glaube, gehe man den Weg gemeinsam weiter. Das klingt diplomatisch und ist es vermutlich auch. Gleichzeitig zeigt es, dass Decathlon eine Karte hat, die UAE nicht hat: Sie können Seixas eine echte Führungsrolle anbieten. Bei Pogacar würde er Teil eines Systems. Bei Decathlon wäre er das System.

Was bleibt

Vertraglich passiert erstmal nichts. Sportlich ist die Debatte trotzdem da, weil Lüttich-Bastogne-Lüttich gezeigt hat, dass Seixas dort fährt, wo Rennen entschieden werden. Mit 19 Jahren. Wie das bei den Rundfahrten aussieht, wird die Zukunft zeigen.

Und jenseits aller Tabellen, Budgets und Strategiepapiere bleibt die schlichte Frage, was wir als Zuschauerinnen und Zuschauer eigentlich sehen wollen. Eine UAE-Übermacht mit zwei Generationen Top-Fahrern im selben Bus? Oder einen Decathlon-Fahrer, der dem Weltmeister an der Redoute folgt und sich irgendwann traut, ihn auch zu schlagen?

Paul, falls du das hier liest: Hör auf den Killow-Song. Bleib. Und mit deepl übersetzt: Paul, si tu lis ceci : écoute la chanson de Killow. Reste.

Sandra Schuberth

Sandra Schuberth

Redakteurin

Sandra Schuberth, mal Feierabendrunde, mal Trainingsride, mal unsupported Bikepacking-Challenge. Hauptsache sie und ihr Gravelbike – abseits vom Verkehr. Seven Serpents, Badlands oder Bright Midnight: Sie hat anspruchsvolle Bikepacking-Rennen gefinisht. Gravel und Bikepacking sind ihre Herzensthemen, ihr Anspruch an Equipment ist hoch. Was sie fährt, nutzt und empfiehlt, muss draußen bestehen: nicht im Marketing, sondern im echten Leben.

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