Die 6. Etappe der Vuelta bleibt weiter in Mittelmeernähe und wandert die Küste entlang weiter Richtung Süden. Direkt am Meer in Alcossebre endete 2027 bereits eine Etappe der Spanienrundfahrt. Als Ausgangsort feiert die 2000-Einwohner-Gemeinde ihre Premiere. Von dort geht es mit vielen Richtungswechseln zunächst nach Westen ins bergige Hinterland.
Nach knapp 45 der 178 Kilometer ist am Puerto de La Serratella die erste Bergwertung des Tages (2. Kategorie) erreicht. Der Anstieg ist zwar 14 Kilometer lang, aber mit nur 3,8 Prozent Steigung kaum ein Rollerberg. An ihn schließt sich 20 Kilometer später der Coll de la Bandereta (3. Kategorie) an, ehe die Strecke den Weg zurück an die Küste findet.
Der schwierigste Teil des Tages wartet da aber noch auf das Peloton. Kurz nach Benicàssim und dem Zwischensprint biegt das Feld noch einmal in die Berge ab. Eine Runde über den Alto del Desierto de las Palmas (2. Kategorie) steht an. 7,6 Kilometer mit 4,9 Prozent sind zu überwinden. Doch das ist nur die erste Auffahrt auf den Berg, bei dem die Fahrer mehr oder weniger abkürzen. Beim zweiten Mal geht es bis zum höchsten Punkt des Berges, der dann als Puerto el Bartolo (1. Kategorie) bekannt ist.
Die Schwierigkeit dabei: Die Verlängerung des Anstiegs ist in erster Linie ein mehr schlecht als recht befestigter Weg, der auf gut zwei Kilometern Gravelcharakter hat. Und das bei durchgängig zweistelligen Steigungsprozenten, in der Spitze bis zu 20 Prozent. Die Abfahrt ist dann aber wieder asphaltiert. Bis ins Ziel nach Castelló, das zum insgesamt neunten, aber ersten Mal seit zehn Jahren Teil der Vuelta ist, sind es dann noch gut 20 Kilometer, die im ersten Teil abschüssig, im zweiten dann relativ eben sind.
Einmal mehr zeigt sich auf der 6. Etappe die kreative Herangehensweise der Streckenplaner um Ex-Profi Fernando Escartín. Der eingebaute Rundkurs ist durchaus eine gute Idee, doch ob es den spektakelträchtigen Gravelabschnitt in der Verlängerung bei der zweiten Befahrung dieses Abschnittes gebraucht hätte, ist fraglich.
Am Ende kommt vielleicht auch gar nicht das bei heraus, was sich die Macher gewünscht hätten. Das extrem steile Gelände schreit natürlich förmlich nach Attacken und großen Zeitabständen. Allerdings ist das alles auch mit viel Risiko behaftet. Tadej Pogacar (UAE Team Emirates - XRG) muss es nicht eingehen, weil er dort nur Verlieren kann, sollte ihn ein technisches Problem ausbremsen. Das gilt im Grunde auch für alle anderen Klassementfahrer. Die Abstände innerhalb der Top 10 - Pogacar ausgeklammert - sind klein und innerhalb eines 60-Sekunden-Bereichs. Und die Vuelta ist noch lang. Hier ins Risiko zu gehen, birgt nur Gefahr.
Und so könnte der Tag tatsächlich einer für die Ausreißer werden. Das wellige Terrain im ersten Renndrittel Anfangskilometern eignet sich für Ausreißer optimal, um einen größeren Abstand zum Feld herauszufahren, der dann noch irgendwie über den Puerto el Bartolo gerettet werden muss. Bleibt es im Feld ruhig, ist es durchaus möglich, dass eine kleine Fluchtgruppe um den Tagessieg kämpft.
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