Wenn am Freitag die Vuelta a España 2026 beginnt, gibt es in der Favoritenfrage eigentlich nur eine Antwort. Tadej Pogačar (UAE Team Emirates - XRG) reist als klarer Topfavorit nach Spanien. Der Slowene dominierte bereits die Tour de France nach Belieben und hat in diesem Jahr erneut bewiesen, dass er der kompletteste Rundfahrer der Welt ist. Es müsste schon etwas Außergewöhnliches passieren, damit Pogačar seiner Favoritenrolle nicht gerecht wird. Der Triumph bei der Spanien-Rundfahrt fehlt dem Weltmeister noch in seiner Sammlung, entsprechend groß dürfte seine Motivation sein, auch diese Lücke zu schließen.
***** Tadej Pogačar
**** Felix Gall, Richard Carapaz
*** Mattias Skjelmose, Tobias Halland Johannessen
** Finn Fisher-Black, Primož Roglič, Sepp Kuss
* Oscar Onley, Enric Mas, Marco Brenner
* Je mehr Sterne eine Fahrerin erhält, desto höher sind ihre Chancen einzuschätzen
Hinter Pogačar gehört Felix Gall zu den heißesten Kandidaten auf einen Podiumsplatz bei der Vuelta a España. Der Österreicher zeigte beim Giro d'Italia eindrucksvoll seine Klasse und musste sich dort lediglich Jonas Vingegaard geschlagen geben. Gall gilt als exzellenter Bergfahrer, entfaltet seine größten Stärken aber vor allem an langen Alpenpässen, bei denen er seinen Rhythmus finden kann.
Genau hier könnte die Vuelta zur Herausforderung werden. Keine andere Rundfahrt bietet so viele kurze, explosive und extrem steile Anstiege wie die Spanien-Rundfahrt. Diese Charakteristik kommt Gall etwas weniger entgegen. Trotzdem reist der Österreicher als einer der stärksten Herausforderer von Pogačar an.
Zum engsten Kreis der Verfolger zählt auch Richard Carapaz. Der Ecuadorianer wirkte bei der Tour de France wieder wie der Fahrer, der einst den Giro d'Italia gewinnen konnte. Obwohl das Gesamtklassement nicht sein primäres Ziel war, beendete er die Frankreich-Rundfahrt noch auf Rang acht. Vor allem in der Schlusswoche überzeugte Carapaz mit zwei Etappensiegen im Hochgebirge.
Die langen gesundheitlichen Probleme scheinen endgültig überwunden. Noch wichtiger: Die steilen Rampen der Vuelta a España dürften sein Lieblingsterrain sein. Wenn die Straße zweistellige Steigungsprozente erreicht, zählt Carapaz zu den gefährlichsten Fahrern im gesamten Peloton.
Mattias Skjelmose absolvierte wie Pogačar und Carapaz bereits die Tour de France und hinterließ dort einen ausgezeichneten Eindruck. Mit Platz sechs war der Däne sogar besser als sein Teamkollege Juan Ayuso.
Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Vuelta sind damit gegeben. Ein Gesamtsieg erscheint angesichts der Konkurrenz um Pogačar zwar äußerst schwierig, ein Platz auf dem Podium ist für Skjelmose aber durchaus realistisch.
Tobias Halland Johannessen zählt zu den spannendsten Fahrern im Feld. Der Norweger belegte bei der Tour de France den zwölften Gesamtrang und konnte mehrfach seine Kletterqualitäten unter Beweis stellen. Nach seinem sechsten Platz bei der Tour im vergangen Jahr war das Ergebnis jedoch ein wenig enttäuschend.
Für den ganz großen Durchbruch bei einer Grand Tour muss Johannessen daher einen Leistungssprung schaffen. Das Potenzial dafür besitzt er zweifellos. Sollte ihm dies gelingen, könnte er sich im Kampf um die Top fünf oder sogar das Podium wiederfinden.
Primož Roglič reist zwar ebenfalls nach Spanien, verschiedene Berichte deuten jedoch darauf hin, dass der Slowene nicht mit voller Konzentration auf das Gesamtklassement fahren soll. Dadurch könnte sich innerhalb der Mannschaft eine interessante Chance für Finn Fisher-Black ergeben.
Der Neuseeländer besitzt große Rundfahrtanlagen und könnte von einer freieren Rolle profitieren. Für die ganz großen Schlagzeilen fehlt ihm derzeit zwar noch die Konstanz, doch als Überraschungskandidat sollte man ihn keineswegs abschreiben.
Bei Enric Mas stellt sich inzwischen bei jeder Grand Tour dieselbe Frage: Kann er noch einmal an seine besten Grand-Tour-Leistungen anknüpfen?
Der Spanier konnte bei seinen jüngsten Auftritten über drei Wochen selten überzeugen. Gleichzeitig hat er gerade bei der Vuelta a España schon mehrfach bewiesen, dass er in Spanien oft stärker fährt als anderswo. Sein Podiumsplatz von 2024 zeigt, welches Niveau grundsätzlich noch in ihm steckt. Eine erneute Fahrt unter die besten Drei wäre dennoch eine große Überraschung.
Kaum ein Fahrer ist vor dieser Vuelta so schwer einzuschätzen wie Oscar Onley. Der Brite konnte nicht bei der Tour de France starten, obwohl die gesamte Saisonplanung auf dieses Rennen ausgerichtet war.
Grundsätzlich verfügt Onley über das Talent für Spitzenresultate bei großen Rundfahrten. Allerdings schwanken seine Leistungen bislang noch deutlich. Bei ihm scheint häufig alles oder nichts möglich zu sein. Ein Platz in den Top Ten würde daher kaum überraschen, ein früher Einbruch allerdings ebenso wenig.
Der Vuelta a España Sieger von 2023 gehört ebenfalls zum erweiterten Favoritenkreis. Sepp Kuss ist einmal mehr als echter Dauerbrenner unterwegs und bestreitet auch in dieser Saison alle drei Grand Tours. Solch ein Programm fährt sonst niemand.
Der Amerikaner kennt die spanischen Berge wie kaum ein anderer Fahrer im Peloton. Gleichzeitig zeigen die vergangenen Monate, dass ihm derzeit etwas die absolute Topform fehlt. Für einen weiteren Gesamtsieg dürfte es schwer werden, ein starkes Resultat im Bereich der Top Ten erscheint dagegen durchaus realistisch.
Wer nach einem echten Geheimtipp sucht, sollte Marco Brenner auf dem Zettel haben. Der Deutsche präsentierte sich bei der Polen-Rundfahrt in bestechender Form und feierte dort den größten Rundfahrterfolg seiner Karriere.
Besonders beeindruckend war dabei seine Vielseitigkeit. Brenner überzeugte sowohl an kurzen, explosiven Anstiegen als auch im entscheidenden Zeitfahren. Genau diese Qualitäten könnten ihm bei der Vuelta helfen. Für das Podium wäre wahrscheinlich alles perfekt nötig, doch ein Platz in den Top Ten oder sogar den Top Fünf scheint keineswegs ausgeschlossen.
Alles spricht für Tadej Pogačar. Der Slowene reist als klarer Topfavorit zur Vuelta a España und dürfte nur schwer zu schlagen sein. Dahinter versprechen vor allem Felix Gall und Richard Carapaz Spannung im Kampf um das Podium. Mit Mattias Skjelmose, Tobias Halland Johannessen, Finn Fisher-Black und dem formstarken Marco Brenner stehen zudem mehrere Fahrer bereit, die für Überraschungen sorgen könnten. Sollte Pogačar tatsächlich straucheln, wird die Tür für einen völlig offenen Kampf um das Rote Trikot aufgestoßen.

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