Sebastian Lindner
· 28.08.2026
Die 150 Kilometer lange Bergankunft von Vall d’Alba ins Skigebiet Aramón Valdelinares schrieb reichlich Geschichten, doch das ausgerechnet zwei Norweger auf Rang eins und zwei landeten, machte das Ergebnis umso besonderer. Beide waren mit Trauerflor unterwegs, denn in den frühen Morgenstunden hatte die Nachricht die Runde gemacht, dass der norwegische König Harald gestorben war.
Darüber war es nicht nur für Leknessund die erste Vuelta, sondern auch für das gesamte Uno-X Team. Die seit diesem Jahr als WorldTeam registrierte Mannschaft konnte damit bei allen drei Grand Tours dieser Saison eines Tagessieg feiern. Für Leknessund persönlich ist es der achte Profisieg seiner Karriere und nach fünf zweiten Plätzen im Saisonverlauf, drei davon beim Giro, der erste in diesem Jahr.
”Ich hätte nicht erwartet, dass es so emotional für mich wird, obwohl es ein ganz besonderer Tag, nicht nur für mich, sondern auch für ganz Norwegen ist”, sagte der 27-Jährige, der aus Tromsø, 350 Kilometer nördlich des Polarkreises, stammt. “Ich habe so viele Gefühle in mir und musste den Tag über sehr hart kämpfen. Ich war gleich von Beginn an mit Wout in der Gruppe. Als dann Tobias dazu kam, gab mir das Selbstvertrauen. Er ist eigentlich der beste Kletterer, aber nachdem ich im Finale die erste Attacke gefahren bin und keiner folgen konnte, hat er mir den Sieg sozusagen geschenkt.”
Leknessund hatte sich am Schlussanstieg aus einer sechsköpfigen Spitzengruppe gelöst, die den ganzen Tag über das Rennen bestimmt hatte. Die Attacke blieb unbeantwortet. Johannessen blieb lange am Hinterrad von van Aert, um seinen Teamkollegen vorne nicht zu gefährden, zog erst auf dem letzten Kilometer vorbei und machte den Doppelsieg perfekt.
Aber auch van Aert hatte schließlich einen Anlass zur Freude. Denn das Grüne Trikot, in dem er stellvertretend für Tadej Pogacar (UAE Team Emirates - XRG) unterwegs war, gehört nun wirklich ihm. Durch Punkte beim Zwischensprint und im Ziel hat er nun zwei Zähler mehr auf dem Konto als der Slowene, der weiterhin das Rote Trikot des Gesmtführenden trägt und die Bergwertung anführt.
Das Hauptfeld hatte den Tagessieg relativ früh abgeschenkt, auch untereinander taten sich die Klassementfavoriten am Schlussanstieg kaum mehr weh. Nachdem Felix Gall (Decathlon CMA CGM) nach Vorbereitung seines Team angriffen hatte, platzte die Favoritengruppe zwar auseinander, doch die Abstände blieben relativ gering. Lediglich Richard Carapaz (EF Education - EasyPost) und Mathias Skjelmose (Lidl - Trek) verabschiedeten sich vermutlich endgültig aus dem Kampf um das Podium. Enric Mas (Movistar Team) bleibt Zweiter hinter Pogacar, obwohl er ein paar Sekunden auf Gall verlor. Gleiches gilt für Primoz Roglic (Red Bull - BORA - hansgrohe), der als Dritter noch elf Sekunden Vorsprung auf den Österreicher hat. Sepp Kuss (Team Visma | Lease a Bike) und Oscar Onley (Netcompany INEOS), der Weiß verteidigte, haben noch mal gut 60 Sekunden mehr Rückstand als Gall und damit etwas mehr als sechs Minuten auf Pogacar.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | Uno-X Mobility | 03:49:47 |
| 2 | Uno-X Mobility | +000:00:34 |
| 3 | Team Visma | Lease a Bike | +000:00:47 |
| 4 | Bahrain - Victorious | +000:00:58 |
| 5 | EF Education - EasyPost | +000:01:13 |
| 6 | Equipo Kern Pharma | +000:01:16 |
Mit Kilometer 0 attackierten van Aert, Leknessund und Milan Vader (Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team). Nachdem sich das Trio ein paar Sekunden herausgefahren hatte, wurde dahinter wild attackiert, doch Verfolgergruppen wurden zunächst immer wieder gestellt. Es blieb nervös, eine konstante Rennsituation stellte sich nicht ein.
Nach etwa 20 Kilometern an einer ersten steileren Passage konnte Vader den anderen beiden aus der Spitzengruppe nicht mehr folgen. Während er zurückfiel, bildete sich um Alexey Lutsenko (NSN Cycling Team) ein neues Verfolgertrio, in dessen Windschatten sich eine dritte, große Gruppe bildete. Zwischen Spitze und Feld lagen weiter nur 30 Sekunden. Kurze Zeit später schlossen sich die beiden Verfolgergruppen zusammen, im Anstieg zur ersten Bergwertung des Tages nach 50 Kilometern setzte sich daraus mit Lutsenko, Johannessen und Eddie Dunbar (Pinarello Q35-5 Pro Cycling Team) ein neues Verfolgertrio ab, das noch vor dem Gipfel zur Spitze aufschloss.
Über die nächsten 50 Kilometer stabilisierte sich die Situation. Die Sechs an der Spitze fuhren sich gut anderthalb Minuten Vorsprung auf 22 Verfolger heraus. Das Hauptfeld ließ die Lücke auf 4:30 Minuten aufgehen.
Bis 30 Kilometer vors Ziel konnten die Verfolger kaum Boden gutmachen. Das Hauptfeld hingegen machte deutlich, dass es keine Ambitionen auf den Tagessieg hat. Mehr als sechs Minuten betrug der Rückstand zum Zeitpunkt. Am Zwischensprint kurz darauf sammelte van Aert die Zähler ein. Danach ging es dann fast nur noch bergauf.
Die vorletzte Bergwertung des Tages knapp 13 Kilometer vor dem Ziel überquerte die Spitze dann mit etwas mehr als einer Minute Vorsprung auf die Verfolger. Aus der heraus verschärfte dann nach der Abfahrt Valentin Paret-Peintre (Soudal Quick-Step) das Tempo. Vorne war es Leknessund, der gleichzeitig die Gruppe sprengte.
Vier Kilometer vor dem Ziel fuhren van Aert und Johannessen 40 Sekunden hinter Leknessund, wobei der Norweger nur am Hinterrad hing, weil sein Teamkollege vorneweg fuhr. Die Verfolger schafften den Anschluss nach zur ursprünglichen Ausreißergruppe nicht.
Auch das Hauptfeld kam dann in den Schlussanstieg. Decathlon machte dort Tempo und zerlegte das Hauptfeld nach und nach. Als dann auch Gregor Mühlberger ausgeschert war, übernahm Gall selbst. Nur Pogacar und Mas konnten folgen. Auf den allerletzten Kilometern setzte Pogacar dann aber noch mal einen drauf und machte noch etwas Boden gut.
Derweil war am Sieg von Leknessund nicht mehr zu rütteln. Hinter ihm machte Johannessen den Doppelsieg perfekt. Van Aert wurde Dritter, hatte aber ebenfalls Grund zur Freude.
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.