Sebastian Lindner
· 03.09.2026
Omrzel gewann nach 166 Kilometern mit zwei Minuten Vorsprung auf seinen Mitausreißer Urko Berrade (Equipo Kern Pharma), ein paar Sekunden dahinter erreichte in Santiago Buitrago der Teamkollege des Tagessiegers, ebenfalls aus der Gruppe heraus, das Tagesziel. Als Sechster war Enric Mas (Movistar Team) im Roten Trikot der beste Fahrer, der nicht früh am Tag in die Attacke gegangen war. Er erreichte das Ziel mit 2:56 Minuten Rückstand, baute seinen Vorsprung auf Primoz Roglic (Red Bull - BORA - hansgrohe) und Felix Gall (Decathlon CMA CGM) um eine halbe Minute aus. 1:45 Minuten trennen ihnen jetzt von seinem ersten Verfolger Roglic.
Aber auch Omrzel hat in der Gesamtwertung viel Boden gutgemacht. Als Zehnter ins Rennen gegangen, ist er nun Sechster und nur noch eine halbe Minute hinter Oscar Onley (Netcompany INEOS), der sich seines Trikots als bester Jungprofi damit doch nicht allzu sicher sein sollte, zumal er im Rennverlauf gestürzt war und die Folgen möglicherweise noch ein paar Tage spürt.
“Ich weiß, wie viel Arbeit ich investiert habe, deswegen wusste ich, dass dieser Tag früher oder später kommen würde”, sagte Omrzel nach seinem ersten großen Sieg. “Aber ich hätte nicht erwartet, dass es bei meiner ersten Grand Tour passiert.” Tatsächlich ist Omrzel noch jünger als Pogacar bei seinem ersten Grand-Tour-Etappensieg vor sieben Jahren. “Ich bin nicht mal total erschöpft, fühle mich immer noch gut. Auch das Team funktioniert super. Es ist ein bisschen wie auf der Playstation.”
Das Team Bahrain ist in der Tat größter Gewinner der Etappe. Den neben dem Sieg durch Omrzel hat Buitrago einen großen Schritt Richtung Gewinn des Bergtrikot gemacht. Der Kolumbianer musste sich an den ersten Wertungen des Tages noch mit Wout van Aert (Team Visma | Lease a Bike) um die Punkte duellieren. Der Belgier allerdings musste passen, als die fetten Punkte im späteren Tagesverlauf vergeben wurden und dürfte die 22 Punkte Rückstand auf den 26-Jährigen, der nach dem Pogacar-Aus in den Kampf ums Trikot eingestiegen ist, kaum wettmachen können. Ihm bleibt aber das Grüne Trikot, hier führt er unangefochten.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | Bahrain - Victorious | 04:29:53 |
| 2 | Equipo Kern Pharma | +000:01:56 |
| 3 | Bahrain - Victorious | +000:02:13 |
| 4 | NSN Cycling Team | +000:02:49 |
| 5 | Soudal Quick-Step | +000:02:53 |
| 6 | Movistar Team | +000:02:56 |
Zu den Angreifern der ersten Kilometer gehörte auf der 12. Etappe auch Georg Steinhauser (EF Education - EasyPost), doch auch er konnte sich vor der ersten Bergwertung des Tages (3. Kategorie) nicht lösen. So sammelte dort van Aert vor Buitrago die Punkte ein und das Rennen wurde quasi von neuem gestartet. Alexey Lutsenko (NSN Cycling Team), Ramses Debruyne (Soudal Quick-Step) und Axel Laurance (Netcompany INEOS) waren es dann, die sich als Trio vom Feld lösten. Es wurde jedoch weiter attackiert, sodass zahlreiche weitere Profis den Sprung nach vorn schafften.
Nach 50 Kilometern hatten dann 30 Fahrer zweieinhalb Minuten Vorsprung auf das Feld. Mit dazugestoßen waren van Aert und Buitrago, aber auch Marco Brenner (Tudor Pro Cycling Team) und Lennard Kämna (Lidl - Trek). Bester in der Gesamtwertung war Omrzel. Der junge Slowene wies als Zehnter gut acht Minuten Rückstand auf Mas auf. Bis 100 Kilometer vors Ziel wuchs der Abstand auf 5:30 Minuten an.
In der Folge wuchs der Abstand langsamer, doch bis 80 Kilometer vor dem Ziel waren es sechs Minuten geworden. Dort, am Collado Garcia (2. Kategorie) holte sich wie zuvor wieder van Aert die Punkte vor Buitrago. Trotz des weiter wachsenden Vorsprungs sah sich im Feld zunächst keiner in der Pflicht, etwas gegen den Abstand zu tun. Movistar beließ es bei einer Alibiführung, sodass 50 Kilometer vor dem Ende bereits siebeneinhalb Minuten Unterschied bestanden.
Erst im 13 Kilometer langen Anstieg zum Alto de Velefique (1. Kategorie) begann die Differenz langsam zu schrumpfen. Und auch die Spitzengruppe brach dort auseinander und halbierte sich etwa. Van Aert, Kämna, aber auch die beiden starken Kletterer Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility) und Joao Almeida (UAE Team Emirates - XRG) konnten nicht mehr mit der Spitze mitfahren.
Aus dem ebenfalls stark eingedampfen und zur Favoritengruppe mutierten Hauptfeld attackierte fünf Kilometer vor dem Gipfel dann Richard Carapaz (EF Education - EasyPost). Etwas später gingen die beiden Youngster Omrzel und Léo Bisiaux (Decathlon CMA CGM) aus der Spitzengruppe, bekamen aber noch vor dem Gipfel wieder von acht weiteren Profis Gesellschaft. Auch Buitrago gehörte dazu, der sich oben dann die Bergpunkte sicherte. 5:30 Minuten betrug sein Vorsprung dort auf die Gruppe um das Rote Trikot.
Carapaz wurde in der letzten Abfahrt des Tages wieder gestellt, sein Vorsprung betrug nie mehr als eine halbe Minute. Derweil ging es in den letzten Anstieg. Der begann steil, dort kristallisierten sich in Buitrago, Omrzel, Bisiaux und Berrade die stärksten Kletterter heraus. Hinten im Feld drückte Decathlon wieder aufs Tempo Mas, Roglic, Onley und Carapaz waren isoliert, während Gall noch drei Helfer bei sich hatte.
Der Österreicher attackierte 13 Kilometer vor dem Ziel. Mas und Roglic sprangen mit. Zur gleichen Zeit ließen Omrzel und Berrade ihre Begleiter stehen, der Slowene schüttelte kurz darauf auch Berrade ab. Elf Kilometer vor dem Ziel griff dann auch Mas an. Weder Roglic noch Gall konnten reagieren. Schnell hatte Mas, der von vorne noch Unterstützung durch einen Teamkollegen bekam, eine halbe Minute herausgefahren.
Roglic blieb in der Folge nur am Hinterrad von Gall, sodass Carapaz zurückkehren konnte. Immerhin bekamen auch Roglic und Gall noch Unterstützung von ihren Helfern, sodass der Abstand auf Mas nicht ausuferte.
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