Die Organisatoren der Vuelta a España haben auf die Kontroverse um Influencerin Erola Jons reagiert. Nach dem Auftaktzeitfahren in Monaco hatte die 29-jährige Spanierin für Aufsehen gesorgt, als sie Etappensieger Tadej Pogačar mit ungewöhnlichen und unangenehmen Fragen konfrontierte. Die Veranstalter schränkten daraufhin ihren Zugang zu den Fahrern ein, halten aber an der Zusammenarbeit fest.
Jons erhält keinen direkten Zugang mehr zu den Fahrern. Die Mixed Zone, die Teambusse und die Podiumsbereiche bleiben für sie gesperrt. Laut der spanischen Zeitung Marca wird sie ihre Arbeit für die Social-Media-Kanäle der Vuelta fortsetzen, jedoch ohne direkten Kontakt zu den Sportlern. Die Organisatoren forderten sie auf, Ton und Stil ihrer Beiträge dem Niveau einer Sportveranstaltung auf höchstem Level anzupassen.
Die Entscheidung fiel nach massiver Kritik in sozialen Medien, von Seiten der Presse und des UAE-Teams. Jons hatte Tadej Pogačar nach seinem Zeitfahrsieg wiederholt als "Pogachita" bezeichnet und ihn gefragt: "Warum hyperventilierst du jedes Mal, wenn du mich siehst?" Der sichtlich irritierte Weltmeister antwortete: "Ich atme 24 Stunden am Tag."
UAE Team Emirates - XRG äußerte sein Missfallen über die Art und Weise, wie Tadej Pogačar angesprochen wurde. Das Team wandte sich an die Rennorganisatoren und kritisierte das Verhalten der Influencerin. Tadej Pogačar ist nicht nur der Träger des Roten Trikots, sondern auch die größte Attraktion der diesjährigen Vuelta. Die Beschwerde des Teams trug zur Entscheidung bei, Jons' Zugang einzuschränken.
Die Influencerin hatte exklusiven Zugang zu Zonen erhalten, die normalerweise für Journalisten nicht zugänglich sind. In ihrem Livestream machte sie mehrfach anzügliche Bemerkungen über das Aussehen der Fahrer und deren enge Rennkleidung. "So viel Schönheit sollte verboten sein, das lenkt mich ab. Es wird heiß, wenn ich all das enge Lycra sehe", sagte sie während der Übertragung.
Die Eurosport-Journalistin Laura Meseguer übte scharfe Kritik an der Entscheidung der Vuelta, Jons zu engagieren. "Viele Frauen kämpfen seit Jahren darum, unseren Raum in einem von Männern dominierten Sport zu erweitern, damit wir mit Respekt behandelt werden und die gleichen Chancen haben wie alle anderen", schrieb Meseguer auf Instagram.
Sie bezeichnete die Einstellung einer Person ohne Fachwissen über den Sport als "schweren Fehler", wenn deren Inhalte auf sexistischen Kommentaren basieren. "Das ist respektlos uns gegenüber, gegenüber den hier arbeitenden weiblichen Fachkräften und vor allem gegenüber den Radsportlern. Niemand sollte es hinnehmen müssen, wie ein Objekt behandelt zu werden – weder Frauen noch Männer", schrieb die spanische Reporterin über den Vorfall mit Erola Jons und Tadej Pogačar.
Auch der Radsport-Kommentator Carlos de Andrés kritisierte das Video als "lächerlich" und forderte die Rennorganisation auf, ihre Entscheidung zu überdenken. Er betonte, dass Influencer zwar willkommen seien, aber besondere Vorsicht geboten sei, wenn es um sexistische Kommentare gehe.
Die Veranstalter der Vuelta verteidigten ihre Entscheidung, mit Jons zusammenzuarbeiten. Sie argumentierten, dass die Rolle einer Influencerin, junge Menschen für den Sport zu begeistern, mit klassischem Journalismus und Pressearbeit vereinbar sei. Die Organisatoren betonten, dass Jons grundsätzlich "jedes Recht" habe, ihren eigenen Raum und ihre eigene Botschaft innerhalb des Rennens zu vermitteln. Mit ihrer Reaktion, den Zugang Jons einzuschränken, zeigt der Veranstalter jedoch, dass es zu einer klaren Grenzüberschreitung gekommen ist.
Jons hat auf Instagram 3,2 Millionen Follower und auf TikTok weitere 2,9 Millionen. Die Vuelta hatte sie engagiert, um eine jüngere Zielgruppe anzusprechen und die Reichweite des Rennens in sozialen Medien zu erhöhen. Die Kontroverse mit Tadej Pogačar wirft Fragen über die Grenzen zwischen traditionellem Sportjournalismus und Social-Media-Content auf. Während die Organisatoren an ihrer Strategie festhalten, zeigt die Reaktion der Radsportgemeinschaft, dass nicht alle Ansätze zur Publikumsgewinnung auf Akzeptanz stoßen.

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