Rekordraserei nach NeversWærenskjold siegt, Pogacar jagt Merckx

Matthias Borchers

 · 16.07.2026

Rekordraserei nach Nevers: Wærenskjold siegt, Pogacar jagt MerckxFoto: A.S.O. Thomas Maheux
Ein sichtlich glücklicher Sören Wærenskjold freut sich über seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France
​Sören Wærenskjold sprintet in Nevers zu seinem ersten Tour-Etappensieg. Der Norweger schreibt damit ebenso Geschichte wie das Peloton mit einem neuen Geschwindigkeitsrekord. Und Tadej Pogacar sammelt weiter Bestmarken im Gelben Trikot.

1: Wærenskjold überholt rechts und siegt erstmalig

Sören Wærenskjold hat seine erste Etappe bei der Tour de France gewonnen. Der Norweger setzte sich in Nevers im Massensprint durch und bescherte sich damit den bislang größten Erfolg seiner Karriere. Für den Fahrer von Uno-X Mobility war es zugleich der erste Tour-Etappensieg überhaupt. Nach mehreren starken Auftritten bei großen Klassikern und Rundfahrten gelang dem 25-Jährigen nun auch der Durchbruch auf der größten Bühne des Radsports.

50,910: Die schnellste Etappe der Geschichte

Das Peloton im Geschwindigkeitsrausch während der 11. Etappe nach NeversFoto: A.S.O. Charley LopezDas Peloton im Geschwindigkeitsrausch während der 11. Etappe nach Nevers

Seit Maurice Garin 1903 die erste Tour-Etappe von Paris nach Lyon mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 26,304 km/h gewann, sind die Geschwindigkeiten bei der Frankreich-Rundfahrt kontinuierlich gestiegen. Auf der 11. Etappe zwischen Vichy und Nevers wurde nun mit 50,910 km/h eine neue Bestmarke aufgestellt.

Begünstigt wurde der Rekord durch die vergleichsweise kurze Distanz von 161,3 Kilometern, Rückenwind und ein äußerst hohes Renntempo. Bereits 1935 fiel erstmals die Marke von 45 km/h. 1974 fuhr Eddy Merckx auf einer 112,5 Kilometer langen Halbetappe nach Orléans bereits über 48 km/h im Schnitt. Die Grenze von 50 km/h wurde schließlich 1999 auf der Etappe nach Blois erstmals übertroffen.

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Im vergangenen Jahr war Tim Merlier mit 50,013 km/h zwischen Chinon und Châteauroux erst der zweite Fahrer, der diese Marke knackte. Nun folgt Wærenskjold mit seiner Rekordetappe nach Nevers. Die magische Grenze von 51 km/h scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

9: Die letzten werden die ersten sein

Am Dienstag belegte Sören Wærenskjold auf der schweren Bergetappe nach Le Lioran noch den letzten Platz. Als 175. Fahrer erreichte er das Ziel mehr als 41 Minuten hinter Etappensieger Tadej Pogacar, nachdem ihn auch ein Sturz zurückgeworfen hatte.

Nur einen Tag später drehte der Norweger das Blatt komplett und gewann in Nevers den Massensprint. Damit ist er erst der neunte Fahrer in der Geschichte der Tour de France, dem das Kunststück gelingt, nach einem letzten Platz am Folgetag eine Etappe zu gewinnen.

Zuletzt hatte Caleb Ewan dieses Kunststück bei der Tour 2020 geschafft. Der Australier war auf der zweiten Etappe in Nizza Letzter geworden und gewann tags darauf in Sisteron. Zuvor gelang dies unter anderem René Le Grévès, Maurice Blomme, Roger Hassenforder, Guy Ignolin, Raymond Delisle, Pierre Matignon und Régis Clère.

21: Wikinger auf Siegeskurs

Mit dem Erfolg in Nevers feiert Norwegen seinen 21. Etappensieg bei der Tour de France. Wærenskjold ist der siebte norwegische Fahrer, der eine Etappe der Frankreich-Rundfahrt gewinnt.

Er tritt damit in die Fußstapfen seines Teamkollegen Jonas Abrahamsen, der im Vorjahr die Etappe nach Toulouse für sich entschieden hatte. Zudem ist Wærenskjold erst der vierte Norweger, der einen Massensprint bei der Tour gewinnt. Vor ihm waren dies Thor Hushovd, Edvald Boasson Hagen und Alexander Kristoff.

2: UNO-X zweimal erfolgreich

Für Uno-X Mobility entwickelt sich die Tour de France zum großen Märchen. Nachdem Torstein Træen in der ersten Woche zwei Tage lang das Gelbe Trikot getragen hatte, feierte das skandinavische Team nun bereits den zweiten Etappensieg seiner Tour-Geschichte.

Erst im vergangenen Jahr hatte Jonas Abrahamsen in Toulouse den ersten Sieg für die Mannschaft eingefahren. Bemerkenswert ist diese Bilanz auch deshalb, weil Uno-X Mobility erst 2023 erstmals bei der Tour de France an den Start gegangen war. Das Team setzt ausschließlich auf Fahrer aus Norwegen und Dänemark.

21: Gelb trifft Regenbogen

Zum 21. Mal vereint Pogacar das Gelbe Trikot des Tour-Führenden mit dem Regenbogentrikot des Weltmeisters. Damit hat er Bernard Hinault überholt, der auf 20 solcher Renntage kamFoto: A.S.O. Charley LopezZum 21. Mal vereint Pogacar das Gelbe Trikot des Tour-Führenden mit dem Regenbogentrikot des Weltmeisters. Damit hat er Bernard Hinault überholt, der auf 20 solcher Renntage kam

Tadej Pogacar verteidigte auf der Etappe nach Nevers die Gesamtführung und trug damit zum 61. Mal in seiner Karriere das Gelbe Trikot. In der ewigen Rangliste liegt der Slowene damit bereits auf Platz drei.

Besonders bemerkenswert: Zum 21. Mal vereint Pogacar das Gelbe Trikot des Tour-Führenden mit dem Regenbogentrikot des Weltmeisters. Damit hat er Bernard Hinault überholt, der auf 20 solcher Renntage kam.

Vor Pogacar liegt in dieser Spezialwertung nur noch Eddy Merckx. Der Belgier brachte es auf 27 Tage in der Kombination aus Gelb und Regenbogen. Sollte Pogacar seine Führung behalten, könnte er diesen Rekord bereits auf der 18. Etappe zwischen Voiron und Orcières-Merlette erreichen oder sogar übertreffen.

100: Onkel Sam wartet auf den 100. Sieg

Die USA warten weiterhin auf ihren 100. Etappensieg bei der Tour de France. Auch in Nevers blieb der große Jubiläumserfolg aus. Bester Amerikaner war Brandon McNulty auf Platz 41.

Der bislang letzte US-Etappensieg liegt bereits lange zurück. Sepp Kuss gewann bei der Tour 2021 die 15. Etappe nach Andorra la Vella. Seitdem sind nun 100 Tour-Etappen ohne amerikanischen Tageserfolg vergangen.

Die Hoffnungen ruhen weiterhin auf Fahrern wie McNulty, Quinn Simmons, Sean Quinn, Matthew Riccitello, Matteo Jorgenson oder Sepp Kuss. Noch bleiben einige Chancen, die Durststrecke bei dieser Tour zu beenden.

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Matthias Borchers ist im Test-Ressort von TOUR, Experte für Bekleidung und Zubehör. Als Hobbyradsportler hat er die TOUR-Transalp und die TOUR-Trans Austria absolviert. Prägend sind zudem Reportage-Reisen von San Francisco bis Sakai sowie 17 Trips zur Tour de France mit rund 30.000 Wohnmobilkilometern.

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