Die UCI reagiert auf Vorwürfe aus dem Peloton und kontrolliert die Ausrüstung der Fahrerinnen vor der vierten Etappe der Tour de France Femmes genauer. Mehrere WorldTour-Teams hatten sich über den Einsatz gepolsterter BHs bei Zeitfahren beschwert. Die zusätzliche Polsterung unter dem Rennanzug verschafft einen messbaren aerodynamischen Vorteil, da sie den Luftstrom um den Körper umlenkt. Das 21 Kilometer lange Zeitfahren zwischen Gevrey-Chambertin und Dijon war die erste wichtige Weichenstellung im Kampf um den Gesamtsieg.
Die UCI-Regeln verbieten in Artikel 1.3.032 und 1.3.033 die Verwendung von Gegenständen, die die Körperform künstlich verändern. Sogenannte Chest Fairings, Objekte die in den Skinsuit gesteckt werden, um die Form des Brustbereichs zu verändern, sind bereits seit längerem verboten.
Die UCI-Jury veröffentlichte am Montagabend eine ungewöhnliche Warnung im Communiqué der Tour de France Femmes vor der vierten Etappe. Darin heißt es: "Besondere Aufmerksamkeit wird der Einhaltung von Artikel 1.3.032 der UCI-Vorschriften gewidmet, einschließlich nicht-essentieller Elemente und Kleidung oder anderer Gegenstände/Zubehör, die von einer Fahrerin getragen werden (einschließlich, aber nicht beschränkt auf Helme, Brillen, Schuhe oder Kommunikationsgeräte im Rennen), die die Morphologie der Fahrerinnen verändern könnten."
Die Fahrerinnen mussten sich zehn Minuten vor dem Start ihres Zeitfahrens in Gevrey-Chambertin in einem eigens dafür eingerichteten Zelt für die Kontrollen melden. Die UCI will sicherstellen, dass keine Veränderung der Körperform im Brustbereich vorgenommen wurde. Einige Teams schlugen vor, dass weibliche Kommissarinnen die Kontrollen in einem geschlossenen Zelt durchführen sollten, um sicherzustellen, dass keine unnötige Polsterung in BHs oder unter den Skinsuits getragen wird.
Die Durchsetzung der Regel gestaltet sich schwierig. Koen de Kort, Leiter für Technik und Innovation bei Lidl-Trek, erklärte gegenüber The Athletic: "Das Problem ist, wie man das kontrollieren will. Das ist die größte Herausforderung. Man kann sagen, es ist nicht erlaubt, aber wie will man festlegen, wie viel eine Frau braucht? Das ist eine ziemliche Grauzone." Sein Team habe verschiedene BH-Arten getestet und festgestellt, dass einige gepolsterte Modelle Vorteile bringen, diese aber nicht im Rennen eingesetzt.
Das UCI-Regelwerk beschreibt "nicht-essentielle Elemente" als "jedes Element, das keinen ausschließlichen Zweck als Kleidung oder Schutz hat oder nicht strikt notwendig für die Funktionalität der Kleidung oder eines anderen Gegenstands oder Zubehörs ist". Fahrerinnen, die "nicht-konforme" Kleidung tragen, droht die Disqualifikation und eine Geldstrafe von 50 bis 200 CHF.
Das Phänomen ist nicht neu. Bereits bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris und beim Giro d'Italia 2025 waren ähnliche Fälle aufgefallen. Im Männer-Peloton nutzten Remco Evenepoel beim Zeitfahren der Straßen-WM 2023 und Jonas Vingegaard beim Tour de France Zeitfahren 2023 offensichtlich Fairings in ihren Skinsuits.
Das Tragen der Teamradios auf der Brust statt auf dem Rücken ist hingegen erlaubt und wird von fast allen Profis auch genutzt. Die UCI hat in den letzten Jahren ihre Kontrollen verschärft und blockierte im Sommer die Verwendung von Trikots mit internen Fronttaschen. Wenige Tage später wurde Jan Willem van Schip von einem Rennen disqualifiziert, weil er eine Wasserflasche vorne im Trikot trug.
Das Zeitfahren über 21 Kilometer zwischen Gevrey-Chambertin und Dijon war eine von drei entscheidenden Etappen bei der Tour de France der Frauen. Auch deshalb wird so penibel auf solch kleine Veränderungen geachtet, da am Ende wenige Sekunden über Sieg und Niederlage entscheiden können.

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