Taktik & PrestigeDie Bedeutung der Wertungstrikots der Tour de France Femmes

Taktik & Prestige: Die Bedeutung der Wertungstrikots der Tour de France FemmesFoto: Images / Julien de Rosa / AFP
Gelb, Grün, Weiß & Gepunktet: Die Wertungstrikots der Tour de France Femmes

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​Die Tour de France Femmes 2026 ist mehr als der Kampf um das Gelbe Trikot. Auf neun Etappen geht es auch um Sprintpunkte, Bergwertungen, die beste Nachwuchsfahrerin und die stärkste Mannschaft. Welche Trikots und Auszeichnungen vergeben werden, wie sie zustande kommen und warum der neue Preis für die beste Teamkollegin besondere Aufmerksamkeit verdient.

Themen in diesem Artikel

Die Tour de France Femmes avec Zwift 2026 findet vom 1. bis 9. August 2026 statt. 21 Teams mit jeweils sieben Fahrerinnen gehen an den Start, insgesamt sind damit 147 Rennfahrerinnen dabei. Die Rundfahrt führt über Kilometer durch die Schweiz und Frankreich und umfasst neun Etappen.

Neben den Etappensiegen entscheiden mehrere Wertungen über die Trikots und Auszeichnungen. Das Gelbe Trikot steht für die Gesamtleistung, Grün belohnt Sprintstärke, Weiß zeichnet die beste junge Fahrerin aus und das gepunktete Trikot gehört der besten Kletterin.

Die Wertungen im Überblick

TrikotWertungWas wird belohnt?
Gelbes TrikotGesamtwertungDie geringste Gesamtzeit
Grünes TrikotPunktewertungErgebnisse bei Etappenankünften und Zwischensprints
Gepunktetes TrikotBergwertungPunkte an kategorisierten Anstiegen
Weißes TrikotNachwuchswertungDie beste Fahrerin unter 23 Jahren
-TeamwertungDie stärkste Mannschaft
-Kämpferischste FahrerinOffensives und aktives Rennverhalten
-Beste TeamkolleginBesonders wichtige Unterstützung für das eigene Team

Das Gelbe Trikot: die Gesamtwertung

Das Gelbe Trikot trägt die Führende der individuellen Gesamtwertung. Entscheidend ist die addierte Fahrzeit aller Etappen. Wer nach der letzten Etappe die geringste Gesamtzeit aufweist, gewinnt die Tour de France Femmes.

Die Gesamtwertung belohnt deshalb keine einzelne Spezialfähigkeit. Eine Anwärterin auf den Gesamtsieg muss auf unterschiedlichen Strecken konkurrenzfähig sein:

  • im flachen Finale,
  • an kurzen, steilen Anstiegen,
  • im Einzelzeitfahren,
  • in langen Bergen,
  • bei Abfahrten und in hektischen Rennsituationen.

Auf dem Programm für 2026 stehen drei flache, drei hügelige und zwei bergige Etappen sowie ein Einzelzeitfahren über 21 Kilometer. Besonders wichtig werden voraussichtlich die Bergankunft am Mont Ventoux und die abschließende Bergetappe rund um Nizza.

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Wie das Gelbe Trikot das Rennen beeinflusst

Das Team der Gesamtführenden übernimmt häufig die Kontrolle im Peloton. Die Teamkolleginnen halten Ausreißerinnen auf Abstand, schützen ihre Kapitänin vor Stürzen und sorgen an wichtigen Anstiegen für ein hohes Tempo. Diese Kontrolle kostet jedoch Energie. Eine Mannschaft kann nicht jede Attacke verfolgen. Deshalb muss sie abwägen:

  • Ist die Ausreißerin in der Gesamtwertung gefährlich?
  • Wie groß darf der Vorsprung werden?
  • Wo lohnt sich ein Tempowechsel?
  • Welche Teamkolleginnen sollen ihre Kräfte für den Schlussanstieg sparen?

Gerade bei einer Rundfahrt mit knappen Zeitabständen können wenige Sekunden über das Gelbe Trikot entscheiden, wie 2024, als Kasia Niewiadoma mit nur vier Sekunden Vorsprung vor Demi Vollering die Tour de France Femmes avec Zwift gewann.

Das Grüne Trikot: die Punktewertung

Das Grüne Trikot gehört der Führenden der Punktewertung. Punkte gibt es bei den Etappenankünften und an den Zwischensprints. Damit richtet sich die Wertung vor allem an schnelle und konstante Fahrerinnen.

Eine Sprinterin kann bei mehreren flachen Etappen viele Punkte sammeln. Sie muss aber nicht jede Etappe gewinnen. Regelmäßige Top-Platzierungen und erfolgreiche Zwischensprints können wichtiger sein als ein einzelner Sieg. Das aktuelle Paradebeispiel dafür ist Mads Pedersen, der bei der Tour der Männer das Grüne Trikot mit nur einem Etappensieg gewann, während der Sprinter Tim Merlier gleich drei Etappen für sich entschied. Zwar schied Merlier nach der 15. Etappe aus und kam somit nicht mehr für den Gewinn des Trikots in Frage. Jedoch reichten ihm seine drei Etappensiege nicht, um Pedersen das Grüne Trikot zwischenzeitlich abzunehmen.

Warum Zwischensprints taktisch wichtig sind

Ein Zwischensprint kann das Rennen bereits viele Kilometer vor dem Ziel beschleunigen. Dabei kommt es darauf an, ob sich eine Ausreißergruppe gebildet hat, die die Sprintpunkte unter sich aufteilt oder das Feld gesammelt auf die Wertung zurollt, wobei sich die Anwärterinnen auf das Grüne Trikot frühzeitig in eine gute Position bringen müssen.

Auch eine einzelne Ausreißerin kann von einem Zwischensprint profitieren. Selbst wenn sie später eingeholt wird, sammelt sie wichtige Punkte für die Grüne Wertung. Dadurch entstehen Konflikte zwischen verschiedenen Rennzielen:

  • Ein Sprintteam möchte die Ausreißergruppe kontrollieren.
  • Ein Team ohne realistische Chance auf den Gesamtsieg kann über eine Attacke Punkte sammeln.
  • Eine Gesamtklassement-Fahrerin kann vorm Ziel ebenfalls mitsprinten, wenn sie damit zusätzliche Sekunden oder Punkte gewinnt.

Die 2026er Strecke bietet den endschnellen Fahrerinnen mehrere Gelegenheiten. Die Etappen rund um Lausanne, Genf, Sisteron und Nizza gehören zu den Abschnitten, in denen die Punktewertung besonders im Mittelpunkt stehen dürfte. Die längste Etappe führt über 171,9 Kilometer von Sisteron nach Nizza.

Das gepunktete Trikot: die Bergwertung

Das weiße Trikot mit roten Punkten zeichnet die Führende der Bergwertung aus. Punkte werden an klassifizierten Anstiegen, Bergpässen und Bergankünften vergeben. Die Anstiege werden nach ihrer Schwierigkeit eingestuft, von der vierten Kategorie bis zur höchsten Kategorie, Hors Catégorie (HC).

Bei der Tour de France Femmes 2026 werden 39 klassifizierte Anstiege, Pässe oder Bergankünfte bewältigt.

Mont Ventoux als Höhepunkt

Der Mont Ventoux ist mit 1910 Metern der höchste Punkt der Tour de France Femmes 2026. Die Bergankunft steht am 7. August auf dem Programm und dürfte sowohl die Bergwertung als auch die Gesamtwertung entscheidend beeinflussen. Die Rundfahrt weist insgesamt 18.795 Höhenmeter auf. Damit bietet sie den Kletterinnen zahlreiche Möglichkeiten, Punkte zu sammeln und Zeit auf die Konkurrenz herauszufahren.

Die Interessen der Bergfahrerinnen können dabei unterschiedlich sein:

  • Eine Spezialistin für die Bergwertung greift möglicherweise früh an, um an mehreren Gipfeln Punkte zu gewinnen.
  • Eine Anwärterin auf das Gelbe Trikot wartet eher auf den entscheidenden Schlussanstieg.
  • Eine Fahrerin aus einer Ausreißergruppe kann die Bergwertung angreifen, obwohl sie in der Gesamtwertung keine Rolle spielt.

Das gepunktete Trikot muss deshalb nicht zwingend von der besten Gesamtklassement-Fahrerin gewonnen werden.

Das Weiße Trikot: die Nachwuchswertung

Das Weiße Trikot geht an die beste Fahrerin unter 23 Jahren. Anders als bei der Punkte- oder Bergwertung werden dafür keine eigenen Punkte gesammelt. Maßgeblich ist die Platzierung der jüngeren Fahrerinnen in der Gesamtwertung.

Die Nachwuchswertung zeigt, welche jungen Fahrerinnen bereits mit den erfahrenen Profis mithalten können. Eine Kandidatin kann sich besonders im Zeitfahren, an den Bergen oder als vielseitige Gesamtfahrerin auszeichnen.

Für die Teams ist das Weiße Trikot häufig auch ein Zukunftsprojekt. Eine junge Fahrerin beginnt die Rundfahrt möglicherweise als Helferin. Wenn sie nach einigen Etappen gut platziert ist, kann das Team ihre Rolle verändern und ihr mehr Freiheiten geben.

Die Teamwertung: Erfolg als Mannschaft

Die Teamwertung bewertet nicht nur die Leistung einer einzelnen Kapitänin, sondern ergibt sich aus den aufsummierten Zeiten der drei stärksten Fahrerinnen. Das setzt voraus, dass mehrere Fahrerinnen konstant gute Zeiten erreichen. Die Teamwertung macht sichtbar, was in der Fernsehübertragung oft weniger auffällt: Nämlich die starken Platzierungen hinter den Etappensiegerinnen. Eine Fahrerin kann auf einen eigenen Etappenerfolg verzichten, um ihre Kapitänin und ihre Zeit zu schützen. Sie kann im Wind arbeiten, Verpflegung holen oder an einem Anstieg das Tempo vorgeben und rollt anschließend immer noch mit einer guten Zeit nach einigen anderen Fahrerinnen über die Ziellinie. Diese Arbeit ist für den Ausgang der Rundfahrt entscheidend, erscheint aber nicht immer in den Top-Platzierungen der Ergebnislisten.

Die kämpferischste Fahrerin

Der Preis für die kämpferischste Fahrerin würdigt offensives Rennverhalten. Im Mittelpunkt stehen Attacken, lange Ausreißversuche und der Wille, eine Etappe aktiv zu gestalten. Die Auszeichnung ist keine Zeit- oder Punktewertung, sondern wird von einer Jury vergeben. Sie kann auch an eine Fahrerin gehen, die den Etappensieg verpasst. Eine lange Fluchtgruppe, mehrere Angriffe oder eine wichtige Aktion im Finale können dafür ausschlaggebend sein. Für Mannschaften ohne realistische Chance auf das Gelbe Trikot ist dieser Preis besonders interessant. Eine offensive Fahrerin kann:

  • auf einen Etappensieg hoffen,
  • Punkte in der Bergwertung sammeln,
  • ihre Mannschaft in den Mittelpunkt rücken,
  • Sponsoren sichtbar machen,
  • den Rennverlauf beeinflussen.

Der Preis für die beste Teamkollegin

Neben den erörterten Wertungen wird ein Preis für die beste Teamkollegin vergeben. Damit wird eine Rolle ausgezeichnet, die für den Erfolg einer Mannschaft unverzichtbar ist, aber in der öffentlichen Wahrnehmung häufig weniger Aufmerksamkeit erhält. Die Gewinnerin wird von einer Jury unter dem Vorsitz des Rennleiters ausgewählt und am Ende der Tour de France Femmes avec Zwift ausgezeichnet.

Eine besonders wertvolle Teamkollegin kann zum Beispiel:

  • die Kapitänin aus dem Wind halten,
  • nach einem Defekt auf sie warten,
  • eine gefährliche Attacke zurückfahren,
  • an einem Berg das Tempo kontrollieren,
  • Verpflegung und Trinkflaschen holen,
  • auf eine eigene Platzierung verzichten,
  • eine junge Fahrerin durch schwierige Etappen führen.

Der Preis passt damit zu einem zentralen Prinzip des Etappenrennens: Der Erfolg einer einzelnen Fahrerin wird meist von der Arbeit mehrerer Teamkolleginnen vorbereitet.

Wie die Wertungen zusammenwirken

Die Wertungen laufen nicht unabhängig voneinander ab. Eine Ausreißerin kann gleichzeitig Bergpunkte sammeln, die Gesamtwertung verbessern und zur kämpferischsten Fahrerin des Tages gewählt werden. Eine Sprinterin kann das Grüne Trikot verteidigen, obwohl sie in den Bergen viel Zeit verliert. Die Gesamtführende kann gleichzeitig die Beste in der Bergwertung sein.

Fazit zu den unterschiedlichen Trikots

Die verschiedenen Wertungen der Tour de France Femmes 2026 machen sichtbar, welche Fähigkeiten den Radsport prägen. Das Gelbe Trikot steht für die schnellste Gesamtzeit und somit für den Gesamtsieg, die weiteren Wertungen für Sprintstärke, Kletterqualitäten, Nachwuchs, Teamarbeit und den Mut zur Attacke.

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Sandra Schuberth

Sandra Schuberth

Redakteurin

Sandra Schuberth, mal Feierabendrunde, mal Trainingsride, mal unsupported Bikepacking-Challenge. Hauptsache sie und ihr Gravelbike – abseits vom Verkehr. Seven Serpents, Badlands oder Bright Midnight: Sie hat anspruchsvolle Bikepacking-Rennen gefinisht. Gravel und Bikepacking sind ihre Herzensthemen, ihr Anspruch an Equipment ist hoch. Was sie fährt, nutzt und empfiehlt, muss draußen bestehen: nicht im Marketing, sondern im echten Leben.

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