Zwei vierte Plätze, ein dritter Platz und 2025 sogar der zweite Platz in der Sprintwertung der Tour de France. An wen denkt man bei solchen Platzierungen wohl? Vielleicht einer der starken Sprinter, der es nur nicht nach ganz vorne geschafft hat. Überraschen lautet die Antwort jedoch: Tadej Pogačar. Der Radsport-Star rückte bei den vergangenen Ausgaben der Frankreich-Rundfahrt in der Sprintwertung immer weiter nach vorne, im vergangenen Jahr war er offiziell nach Jonathan Milan der beste Sprinter. Das hört sich schon äußerst merkwürdig an, findet auch die A.S.O., die Organisation der Tour. Deshalb verkündete sie kürzlich eine Veränderung der Vergabe von Sprintpunkten. Was auf dem Papier nach keiner großen Änderung aussieht, ist in der Realität ein wichtiger Schritt für die endschnellen Männer.
Flache Etappen bringen dem Sieger ab 2026 70 Punkte statt der bisherigen 50. Der Zweite erhält 50 Punkte, der Dritte 40 Punkte, doppelt so viel wie in den Vorjahren. Die Änderung betrifft fünf der sieben als flach klassifizierten Etappen der Tour 2026.
Jonathan Milan gewann 2025 das Grüne Trikot bei der Tour de France mit nur 78 Punkten Vorsprung auf Tadej Pogačar. Der Slowene kämpfte primär um Gelb und sammelte Punkte auf Berg- und Hügeletappen, ohne gezielt Zwischensprints anzufahren. Trotzdem trug er das Grüne Trikot nach seinem Sieg auf der Mûr-de-Bretagne und blieb bis zur letzten Woche im Kampf um die Punktewertung. Jonas Vingegaard landete als weiterer Gesamtklassementfahrer auf Rang vier der Sprintwertung.
Die neue Punkteverteilung schafft eine klarere Trennung zwischen Sprint- und Bergetappen. Wellige Etappen bieten weiterhin 50 Punkte für den Sieger, während Bergetappen 30 Punkte geben. Die Sprinter erhalten damit auf den für sie ausgelegten Etappen deutlich mehr Möglichkeiten, Punkte zu sammeln.
Eddy Merckx gewann das Grüne Trikot bei der Tour de France 1969, 1971 und 1972 parallel zum Gesamtsieg. Bernard Hinault wiederholte diese Leistung 1979. Die A.S.O. änderte damals bereits das Punktesystem, um die Wertung stärker auf Sprinter auszurichten. Die aktuelle Anpassung folgt diesem Muster und soll verhindern, dass Gesamtklassementfahrer die Sprintwertung dominieren.
Die ASO hat die Etappen für 2026 in drei Kategorien eingeteilt. Flache Etappen tragen die Nummern 5, 7, 8, 11, 12, 17 und 21, wobei Etappe 21 trotz der Montmartre-Anstiege in Paris als flach gilt. Vier weitere Etappen fallen in die Kategorie wellig und bieten 50 Punkte. Alle Bergetappen bleiben bei 30 Punkten für den Sieger.
Die neue Struktur macht es für Gesamtklassementfahrer deutlich schwieriger, in der Sprintwertung mitzuhalten. Ein Sprinter, der fünf Flachetappen gewinnt, sammelt 350 Punkte, ein Vorsprung, den ein GC-Fahrer über Bergetappen kaum aufholen kann. Die Zwischensprints bleiben wichtig, aber das Gewicht liegt nun klar auf den Massensprint-Etappen. Der Veranstalter der Tour de France hat das Grüne Trikot mit diesen Änderungen “Pogačar-Sicher” gemacht.
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