Als 74. Fahrer startete der Alpecin-Premier Tech Profi ins Einzelzeitfahren der vierten Etappe der Tour de Suisse 2026 und setzte auf dem flachen Kurs eine Bestzeit, die fast eine Stunde lang Bestand hatte. Zeitfahrspezialisten versuchten sich an seiner Marke, scheiterten aber einer nach dem anderen.
Die Hitze machte den Fahrern zu schaffen. Das Thermometer kletterte über 30 Grad, die Luftfeuchtigkeit war ebenfalls hoch. Van der Poel machte es sich nach seinem überraschend starken Zeitfahren im Hot Seat bequem und zog sein Trikot aus. Eine Stunde lang beobachtete er, wie seine Konkurrenten an seiner Zeit scheiterten.
Erst der 126. und letzte Starter, Gesamtführender Tadej Pogačar von UAE Team Emirates-XRG, knackte die Bestzeit des Niederländers. Der Slowene war 0,04 Sekunden schneller. Van der Poel sackte in seinem Stuhl zusammen, verzog das Gesicht und warf seine Trinkflasche frustriert zur Seite. Die Kommissäre der Tour de Suisse verhängten später eine Geldstrafe von 500 Schweizer Franken gegen den 31-Jährigen. Der Grund: unangemessene Kleidung im Hot Seat.
Gleichzeitig wirft die Entscheidung der UCI Fragen auf. Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit stellt das Warten im Hot Seat ohnehin eine zusätzliche körperliche Belastung dar, zumal die Fahrer dort weder ausrollen können noch die Möglichkeit haben, sich im Teambus optimal zu regenerieren. Dass Mathieu van der Poel in dieser Situation sein Trikot auszog, erscheint daher durchaus nachvollziehbar und eher als pragmatische Reaktion auf die Bedingungen denn als Unsportlichkeit. Andererseits lässt sich die konsequente Regelauslegung der Kommissäre ebenfalls begründen. Der Verband muss für einheitliche Standards sorgen und kann es sich kaum leisten, bei prominenten Fahrern Ausnahmen zu machen, ohne die eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen. Aufgrund dessen rückt wohl eher die Sinnhaftigkeit der Regel in den Fokus.
Mathieu van der Poel bestritt in der Schweiz sein erstes Straßenrennen seit April. Die Tour de Suisse dient ihm als Vorbereitung auf die Tour de France, die in zwei Wochen mit einem Mannschaftszeitfahren in Barcelona beginnt. Ein Etappensieg war sein erklärtes Ziel für die Schweizer Rundfahrt.
Die ersten beiden Renntage verliefen schwierig für den Niederländer. Nach hartem Training und bei den warmen Temperaturen kämpfte er mit der Form. Auf der vierten Etappe wollte er Vollgas geben und seine Beine ein letztes Mal vor der Frankreich-Rundfahrt testen. Sein Plan ging fast auf. Das Zeitfahren war realistisch seine letzte Chance auf einen Etappensieg bei dieser Tour de Suisse.
Werkstudent
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