Sebastian Lindner
· 08.07.2026
Das Finale in Pau nach 158 Kilometern war ein hektisches. Mehrere Stürze, hervorgerufen durch Verkehrsinseln und Kurven, sorgten dafür, dass kaum ein Team sein Leadout wie geplant durchziehen konnte. Am besten steuerten sich Astana und Kanter durch die Kurven. Gegen Kooij, der nominell einen Helfer in der Mannschaft hat, aber auf den letzten Metern auf sich allein gestellt war, sollte es dennoch nicht reichen. Der Niederländer überraschte mit einem frühen Antritt nicht nur Kanter, sondern auch den Rest der Konkurrenz und feierte damit bei seinem Tour-Debüt gleich bei seiner ersten Gelegenheit auch seinen ersten Sieg.
”Nach ein paar harten Tagen musste ich bis heute warten, um meine erste Chance zu bekommen, bei der Tour de France zu sprinten. Dann gleich zu gewinnen, ist unglaublich”, sagte der 24-Jährige dann auch selbst in seinem Siegerinterview. “Es bedeutet mir sehr viel. Ich hatte ein schweres Frühjahr. Man braucht ein paar Leute, die an einen glauben, um wieder auf dieses Level zu kommen und auch wieder an sich selbst zu glauben.” Nach einer hartnäckigen Viruserkrankung im Winter, die Kooij zur Rennpause bis Ende Mai zwang, kam er aber umso stärker zurück. In den beiden Rundfahrten, die Kooij vor der Tour absolvierte, feierte er Siege, auch gegen Merlier und Jasper Philipsen (Alpecin - Premier Tech). Es war sein 51. Sieg der Karriere.
Für Kanter hingegen war es ein weiterer zweiter Platz. Doch im Vergleich mit vielen anderen zweiten und dritten Plätzen im Saisonverlauf bei kleineren Rennen dieses Mal einer, mit dem er gut leben konnte. “Ich denke, das war ein ganz guter Auftakt für uns. Das Timing hat gut gepasst und darauf können wir aufbauen”, sagte er bei Eurosport. “Mein Team hat einen super Jop gemacht. Die Beine waren heute gut. Kooij kommt dann von hinten mit ein bisschen mehr Speed. Dann war die Lücke schon da. Ich habe noch einmal versucht, in seinen Windschatten reinzukommen, aber die Lücke war einfach schon zu groß.”
Die beiden anderen deutschen Sprinter konnten sich nicht in den Top 10 platzieren. Pascal Ackermann (Team Jayco AlUla) wurde Zwölfer, für Phil Bauhaus (Bahrain - Victorious) reichte es an seinem 32. Geburtstag für Platz 18.
In der Gesamtwertung änderte sich nichts. Torstein Traeen (Uno-X Mobility) musste im hektischen Finale zwar auch zu Boden, kam letztlich durch die 5-Kilometer-Regelung aber ohne Zeitverlust davon. Auch Tadej Pogacar (UAE Team Emirates - XRG), Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike), Paul Seixas (Decathlon CMA CGM) sowie Florian Lipowitz und Remco Evenepoel (Red Bull - BORA - hansgrohe) verloren keine Zeit.
Auch in den Sonderwertungen änderte sich nichts. Mads Pedersen (Lidl - Trek), Tagessiebenter, verteidigte sein Grünes Trikot. Kanter machte dort allerdings einen großen Sprung nach vorne, weil er auch bereits am Zwischensprint Zweiter wurde und dabei den Sprint des Feldes gewann. Lediglich der einzige Ausreißer des Tages sammelte dort mehr Punkte. Das Bergtrikot gehört weiterhin Alex Baudin (EF Education - EasyPost), Mathias Vacek (Lidl - Trek) bleibt bester Nachwuchsprofi.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | Decathlon CMA CGM Team | 03:29:07 |
| 2 | XDS Astana Team | +00:00:00 |
| 3 | Soudal Quick-Step | +00:00:00 |
| 4 | Lotto Intermarché | +00:00:00 |
| 5 | Alpecin - Premier Tech | +00:00:00 |
| 6 | NSN Cycling Team | +00:00:00 |
Bei nicht mehr ganz so hohen Temperaturen - 33 statt 40 Grad -, dafür aber Gegenwind und einem erwarteten Massensprint in Pau fand sich lediglich ein Profi, der den Tag als Ausreißer verbringen wollte. Baptiste Veistroffer (Lotto Intermarché) setzte gleich nach dem Startschuss die erste Attacke, der aber niemand folgen wollte. Sofort, nachdem sich der Franzose gelöst hatte, machte sich das Feld hinter ihm breit, um weitere Angriffe zu verhindern und so einem relativ entspannten Tag entgegenzusehen.
Veistroffer, der auf der 2. und 3. Etappe meistens hinter dem Feld unterwegs war, um seinem kranken und schließlich doch ausgestiegenen Kapitän Arnaud De Lie Hilfestellung zu geben, bekam vom Feld relativ zügig knapp vier Minuten zugesprochen. Nachdem Soudal Quick-Step und Alpecin - Premier Tech dann aber in die Tempoarbeit einstiegen, pendelte sich der Abstand bei etwas weniger als drei Minuten ein.
Beim Zwischensprint 45 Kilometer vor dem Ziel blieben Veistroffer neben zweieinhalb Minuten 25 Punkte für die Sprintwertung. Das war dahinter jedoch relevanter. Kanter sprintete dort ohne viel Gegenwehr vor Pedersen zu 20 Zählern. Danach schrumpfte der Vorsprung dann aber zügiger. An der 30-Kilometer-Marke blieb dem 26-Jährigen eine Minute. Fünf Kilometer später an der Bergwertung nutzten Kasper Asgreen (EF Education - EasyPost), Valentin Paret-Peintre (Soudal Quick-Step) und Fred Wright (Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team) die Chance der kleinen Welle, sich vom Feld abzusetzen. Nach vorn zu Veistroffer schafften sie es allerdings nicht. Der wurde dann 14 Kilometer vor dem Ziel gestellt.
Etwas mehr als fünf Kilometer vor dem Ziel stürzten an einem Kreisverkehr mehrere Fahrer, unter anderem drei Helfer von Merlier. Das Feld riss daraufhin auseinander und fand aufgrund einer schwierigen Anfahrt mit weiteren Kurven, Kreisverkehren und Verkehrsinseln auch nicht wieder zusammen. Auf den letzten Kilometern splitterte das Feld weiter auf, nun aber durch die 5-Kilometer-Zone auch problemlos vom Regelwerk gedeckt. Im Finale bildete Astana den besten Zug, Kanter wurde vom Team gut in Position gefahren. Auf den früh eröffneten Sprint von Kooij konnte der Deutsche aber nicht mehr reagieren. Das entstandene Loch hielt Kanter zwar konstant, doch am Niederländer kam er nicht mehr vorbei. Merlier konnte er jedoch auf Distanz halten und wurde so Zweiter.
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