Vive le Tour! Das wichtigste Radsportereignis des Jahres und eine der größten Sportveranstaltungen weltweit überhaupt beginnt 2026 zum dritten Mal in Spanien. Schon drei Jahre zuvor war das der Fall, womit die Iberer zuletzt sogar besser dastehen als die Franzosen selbst, was die Ausrichtung von Grand Départs angeht. Nach dem Baskenland mit Bilbao ist es nun Katalonien mit dem gleichsam mondänen wie sportbegeisterten Barcelona, das den Auftakt abhalten darf.
Erstmals seit 1971 beginnt die Tour wieder mit einem Mannschaftszeitfahren. Die 19,6 Kilometer durch das abendliche Barcelona beginnen für die 23 Mannschaften am Fòrum im Hafen der katalanischen Metropole. Nach dem Start an der dreieckigen Landmarke führt die Strecke zunächst am Wasser entlang, ehe sie sich über zahlreiche Kurven ins Zentrum der Stadt schlängelt. Vorbei geht es unter anderem auch an der im Juni eingeweihten Sagrada Familia, der seit Anfang des Jahres höchsten Kirche der Welt.
Dort wird nach gut zehn Kilometern die zweite von drei Zwischenzeiten des Auftaktzeitfahrens genommen. Einen dritten Stand gibt es fünf Kilometer später, bevor das Finale wartet. Es geht den von der Katalonien-Rundfahrt bekannten Finalanstieg zum Montjuïc, dem Hausberg Barcelonas, hinauf. Fünf Prozent Steigung warten dort über gut einen Kilometer, bevor nach einer kurzen Abfahrt inklusive Flachstück nochmal 800 Meter mit sieben Prozent im Schnitt warten. Der Berg wird so nochmal aus anderer Richtung in Angriff genommen, bevor am Olympiastadion von 1992 die Ziellinie wartet.
Dass Mannschaftszeitfahren nach sechsjähriger Pause (zuletzt 2019 in Brüssel auf der 2. Etappe) überhaupt wieder zum Tour-Programm gehören, rief vielerorts Zustimmung hervor. Dass es im mittlerweile gar nicht mehr ganz so neuen “A.S.O.-Modus” ausgefahren wird, etwas weniger. Statt klassischerweise nach dem dritten Fahrer die Zeit zu stoppen, wird jeder Profi mit seiner eigenen gewertet. Ralph Denk, CEO von Red Bull - BORA - hansgrohe, sprach so etwa von einem “individuellen Zeitfahren mit langem Leadout”.
Das könnte allerdings im speziellen Barcelona-Fall einem seiner Kapitäne entgegenkommen. Red Bull schickt eine insgesamt zeitfahrstarke Mannschaft ins Rennen, die vom Weltmeister in dieser Disziplin angeführt wird. Remco Evenepoel zählt zu den aussichtsreichsten Kandidaten auf das erste Gelbe Trikot der Tour de France 2026. Der 26-Jährige verbindet Zeitfahrstärke und Qualitäten an kurzen Anstiegen wie kaum ein Zweiter.
Allerdings kommen auch Visma | Lease a Bike und UAE Emirates - XRG mit starken Aufgeboten, die im Kampf gegen die Uhr vorzüglich besetzt. Wie lange die Teams ob des Modus und vor allem auch des kurvigen Kurses, der im Zeitfahren eine extrem gute Abstimmung erfordert, überhaupt zusammenbleiben, ist jedoch eine andere Frage. Spätestens für die letzten 800 Meter Anstieg werden die Kapitäne auf ihre Helfer verzichten, mitunter vielleicht sogar schon die erste Bergaufpassage ab vier Kilometer vor dem Ziel allein mit dem letzten Begleiter angehen. Aber da sind sowohl Evenepoel mit Florian Lipowitz als auch Jonas Vingegaard mit Sepp Kuss oder Matteo Jorgenson und allen voran der Topfavorit auf den Gesamtsieg, Tadej Pogacar, mit Isaac Del Toro, bestens aufgestellt.
Gerade für Pogacar könnte sich ein besonderer Effort auf der Jagd nach weiteren Rekorden lohnen. Als 1971 die bis dato letzte Tour mit einem Zeitfahren begann, siegte das legendäre Molteni-Team, angeführt von Eddy Merckx. Der Belgier schlüpfte ins Gelbe Trikot und gewann am Ende auch die Rundfahrt. Zwischendurch hatte er das Leibchen allerdings nochmal abgeben müssen. Pogacar hätte also bei einem Sieg - und dem entsprechenden Interesse - aufgrund der auch am Folgetag erstmal schwierig bleibenden Streckenführung die Chance, die komplette Tour in Gelb zu fahren. Das gelang in der “Neuzeit” der Tour weder Merckx noch sonst jemandem. Als die Tour in ihren Anfangsjahren noch einen anderen Charakter hatte, Etappen gerne noch 400 Kilometer und länger waren und nach jedem Teilstück ein Ruhetag war, schaffte es aber 1924 der Italiener Ottavio Bottecchia.
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