Abseits von Vingegaard und PogacarDiese 10 Fahrer gilt es in der letzten Tour-Woche zu beachten

TOUR Online

 · 17.07.2023

10 Fahrer, die es in der letzten Tour-Woche zu beachten gilt: Giulio Ciccone
Die Tour de France geht in ihre entscheidende Phase. Im Mittelpunkt steht der Kampf zwischen Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar um das Gelbe Trikot. Daneben haben aber auch andere Fahrer das Zeug, die dritte Woche der Tour zu prägen.

Georg Zimmermann (Intermarche-Circus-Wanty)

Auf der 10. Etappe nach Issoire war Zimmermann bereits ganz nah dran am Etappensieg, musste sich im Sprint der Ausreißergruppe aber letztendlich Pello Bilbao (Bahrain-Victorious) geschlagen geben. “Die Enttäuschung, das größte Ziel meiner Karriere verpasst zu haben, ist momentan größer als die Freude über den zweiten Platz”, sagte der Augsburger nach der Etappe. Entmutigen ließ er sich davon jedoch nicht: Drei Tage später befand sich Zimmermann erneut in der Fluchtgruppe und kämpfte sich hinauf zum Grand Colombier als 13. ins Ziel. Und auch in der dritten Woche der Tour de France ist Zimmermann ein aussichtsreicher Kandidat für Ausreißversuche.

Denn Intermarche-Circus-Wanty hat bislang abgesehen von Zimmermanns knapp verpassten Etappensieg wenige Glanzpunkte gesetzt. Gut möglich, dass der 25-Jährige für die letzte Tour-de-France-Woche nun eine zentrale Rolle im Team einnimmt – insbesondere, da mit Louis Meintjes der Klassementfahrer des Teams nach Sturz aus dem Rennen ist. Die 18. Etappe nach Bourg-en-Bresse, die 19. Etappe nach Poligny oder die bergige 20. Etappe nach Le Markstein könnten ihm für Fluchtgruppen taugen.

Georg Zimmermann verliert knapp den Sprint gegen Pello BilbaoFoto: Getty VeloGeorg Zimmermann verliert knapp den Sprint gegen Pello Bilbao

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Felix Gall (AG2R-Citroën Team)

Nach einer starken Tour de Suisse im Vorfeld musste man Gall auch für eine Tour de France auf dem Zettel haben – allerdings nicht unbedingt für eine Top-10-Platzierung. Doch spätestens mit seiner Leistung auf der 14. Etappe über den Col de Joux Plane ist der Österreicher im Kreis der besten Klassementfahrer angekommen. Nach der Etappe stand Gall als Neunter erstmals in den Top 10 der Rundfahrt. Doch eine Tour ist geprägt von Höhen und Tiefen, das musste einen Tag später auch Gall feststellen: Durch einen Defekt verlor er in der letzten Abfahrt vor dem Schlussanstieg den Anschluss zur Favoritengruppe und fiel in der Gesamtwertung wieder auf Platz elf zurück.

Ein Top-Ten-Platz in Paris ist aber weiterhin realistisch, im Moment trennen Gall 21 Sekunden von Guillaume Martin (Cofidis) und Rang zehn. Seine größte Hürde dürfte das Einzelzeitfahren der 16. Etappe nach Combloux sein, alles andere als Galls Paradedisziplin. Da der Kurs mit 22,4 Kilometern jedoch kurz und teilweise bergig ist, könnten sich seine Zeitverluste in Grenzen halten. Und dass er auf den Bergetappen zu den Top 10 dieser Tour gehört, hat Gall bereits beweisen.

Felix GallFoto: Getty VeloFelix Gall

Guilio Ciccone (Lidl-Trek)

Der Italiener wird zu Beginn in der dritten Woche alleine aufgrund seiner Bekleidung auffallen: Beim Einzelzeitfahren nach dem Ruhetag trägt Ciccone erstmals das Bergtrikot dieser Frankreich-Rundfahrt. Den Angriff auf diese Sonderwertung hat er indes gut getimt: Bis zur 14. Etappe spielte Ciccone in der Bergwertung nur eine untergeordnete Rolle, ehe er an zwei Tagen in Folge aus Fluchtgruppen 36 Zähler sammelte und nach Punkten mit Neilson Powless (EF Education EasyPost) gleichzog: Beide haben 58 Punkte auf dem Konto, Ciccone gewann jedoch mehr höher kategorisierte Bergwertungen – und steht damit an der Spitze der Klassements.

Dass er Bergwertungen gewinnen kann, bewies Ciccone bereits 2019 beim Giro d’Italia. Der 28-Jährige sollte daher einer der Aktivposten sein, wenn es auf den kommenden Bergetappen um die Plätze in der Fluchtgruppe geht. Denn in der Bergwertung kämpft er nicht nur gegen Powless, sein Blick muss auch zu Jonas Vingegaard (54 Zähler) und Tadej Pogacar (48) gehen. Da braucht es jeden Bergpunkt, den er bekommen kann.

Giulio CicconeFoto: Getty VeloGiulio Ciccone

Neilson Powless (EF Education EasyPost)

Der US-Amerikaner ist auf dem Papier der ärgste Widersacher von Giulio Ciccone in der Bergwertung. Allerdings ist Powless etwas das Momentum abhandengekommen: Nach aktivem Start kamen bei ihm seit dem ersten Ruhetag nur noch zwölf Bergpunkte aufs Konto hinzu. Auf der 15. Etappe durch die Alpen nach Saint-Gervais Mont-Blanc gehörte Powless zwar einmal mehr zu Fluchtgruppe, fiel jedoch frühzeitig zurück. Er kündigte allerdings bereits an, “auf die kommenden Bergetappen zu setzen.”

Powless dürfte daher wie Ciccone ein sicherer Kandidat sein, der es auf die Fluchtgruppen der kommenden Hochgebirgsetappen abgesehen hat – alleine die 17. Etappe nach Courchevel bietet 45 Bergpunkte. Die Unterstützung seiner Mannschaft dürfte ihm dabei gewiss sein: Denn der Gewinn der Bergwertung würde EF Education EasyPost eine bislang ergebnisarme Tour de France retten. Bereits auf der 15. Etappe bekam Powless in der Fluchtgruppe Begleitung durch seine Teamkollegen Andrey Amador, Magnus Cort und Rigoberto Uran.

Neilson Powless (links) trug mehrere Tage das BergtrikotFoto: Getty VeloNeilson Powless (links) trug mehrere Tage das Bergtrikot

Wout van Aert (Jumbo-Visma)

Der Belgier ist bislang glücklos unterwegs: Bei der Bergankunft der 15. Etappe in Saint-Gervais Mont-Blanc holte van Aert als Ausreißer mit Platz zwei seinen dritten Podestplatz – einen Sieg verbuchte er hingegen noch nicht. “Ich habe immer noch viel Moral und werde es nicht aufgeben”, kündigte van Aert derweil im Ziel an. Für die dritte Tour-de-France-Woche muss Jumbo-Visma nun abwägen: Muss van Aert sich nun dem Kampf um das Gelbe Trikot mit Jonas Vingegaard unterordnen oder erhält er weiterhin die Freiheit, auf eigene Ergebnisse zu fahren? Alleine diese Entscheidung könnte zum Politikum und damit eines der Themen der anstehenden Etappen werden.

Van Aerts beste Chance auf einen Tagessieg kommt womöglich schon nach dem Ruhetag beim 22,4 Kilometer langen Zeitfahren nach Combloux. Ob er im Anschluss weiterhin Fluchtgruppen attackiert, bleibt abzuwarten. Nach bislang vielen misslungenen Sprints wird van Aert zudem die Ankunft der letzten Etappe auf der Champs Elysees ins Auge fassen, bereits 2021 gewann er dort die Schlussetappe der Tour de France.

Bekommt Wout van Aert auch in der dritten Woche seine Freiheiten?Foto: Getty VeloBekommt Wout van Aert auch in der dritten Woche seine Freiheiten?

Mathieu van der Poel (Alpecin-Deceuninck)

Für van der Poel gilt das Gleiche wie für van Aert: Der Niederländer schien ein aussichtsreicher Kandidat für einen Tagessieg zu sein, bislang blieb dieser jedoch aus. Stattdessen tat er sich vor allem als herausragender Anfahrer für Jasper Philipsen hervor, der vier Sprintetappen gewann. Eigene Ergebnisse verbuchte van der Poel derweil nicht, offensichtlich fehlt auch etwas die Form. Zwar probierte er es einige Male, in die Fluchtgruppen zu kommen, verpasste aber zumeist den Postabgang oder er hatte nicht die Beine, um sich durchzusetzen. Mit dieser Tour de France scheint er aber noch nicht abgeschlossen zu haben.

Bekommen Fluchtgruppen auf der 18. Etappe nach Bourg-en-Bresse oder der 19. Etappe nach Poligny Freifahrtsscheine, dürfte van der Poel vorne mit dabei sein. Und als etwas abwegiger Gedanke: Sollte es auf diesen Etappen zum Schlusssprint kommen, könnte Alpecin-Deceuninck womöglich sogar auf van der Poel setzen – als Dank für seine bisherigen Anfahrerdienste. Denn Sprintkapitän Philipsen muss die Konkurrenz um das Grüne Trikot nicht mehr fürchten. Chancenlos im Massensprint ist van der Poel mit seiner Klasse zumindest nicht.

Mathieu van der Poel wartet noch auf einen Etappensieg bei der Tour de France 2023Foto: Getty VeloMathieu van der Poel wartet noch auf einen Etappensieg bei der Tour de France 2023

Julian Alaphilippe (Soudal - Quick Step)

Seine Renninstinkte hat Alaphilippe nicht verloren, sonst wäre er nicht so häufig in den Fluchtgruppen dieser Frankreich-Rundfahrt zu finden. Was fehlt, ist jedoch die Form, die ihm zwischen 2018 und 2021 sechs Etappen bei der Tour de France gewinnen ließ. Nach seinem schweren Sturz bei Lüttich-Bastogne-Lüttich im Vorjahr fehlt dem Franzosen nach wie vor einiges zur alten Klasse. Dennoch ist davon auszugehen, dass Alaphilippe auch in der dritten Tour-Woche um jede Ausreißergruppe kämpfen wird.

Seine Siegchancen scheinen derzeit zwar nicht riesig, sein Team ist aber alleine auf den Versuch angewiesen: Denn mehr Optionen hat Soudal - Quick Step nach dem Aus von Sprinter Fabio Jakobsen nicht mehr, um eine desaströse Tour irgendwie noch zu retten. Fahrer wie Kasper Asgreen, Yves Lampaert oder Remi Cavagna sind bisher ebenfalls kaum aufgefallen. Bedeutet womöglich für Alaphilippe: Offensive bis zum Ende der Tour.



Julian Alpahilippe ist bislang glücklos bei dieser Tour de FranceFoto: Getty VeloJulian Alpahilippe ist bislang glücklos bei dieser Tour de France

Matej Mohoric (Bahrain-Victorious)

Bahrain-Victorious war mit Ambitionen für die Gesamtwertung zur Tour gekommen, deutlich besser läuft bislang jedoch die Etappenjagd: Nach Pello Bilbao in Issoire holte Wout Poels am Saint-Gervais Mont-Blanc bereits den zweiten Tagessieg für das Team. Für einen dritten Erfolg muss Matej Mohoric beachtet werden. Der Slowene zählt zu den cleversten Fluchtspezialisten im Fahrerfeld und sicherte sich neben Etappensiegen beim Giro d’Italia und der Vuelta a Espana ebenfalls als Ausreißer bereits zwei Tagessiege bei der Frankreich-Rundfahrt.

Bei dieser Tour gehörte er unter anderem auf der Etappe zum Puy de Dome zur Spitzengruppe und erreichte das Ziel als Tagesdritter. Für die letzte Tour-Woche sollten ihm insbesondere die 18. Etappe nach Bourg-en-Bresse und die 19. Etappe nach Poligny liegen, falls Fluchtgruppen an diesen Tagen durchkommen. Auf ähnlichem Terrain gewann Mohoric bereits vor zwei Jahren in der letzten Tour-Woche eine Etappe.

Matej MohoricFoto: Getty VeloMatej Mohoric

Phil Bauhaus (Bahrain-Victorious)

Oder holt Bahrain-Victorious den dritten Etappensieg in einer Sprintentscheidung? Dreimal belegte Bauhaus in den Massensprints dieser Tour bereits einen Podestplatz, ein oder zwei weitere Sprintankünfte sind bis Paris wahrscheinlich. Was für Bauhaus spricht: Die Sprintkonkurrenz ist durch die Ausfälle von Fabio Jakobsen (Soudal - Quick Step), Mark Cavendish (Astana Qazaqstan Team) und Caleb Ewan (Lotto-Dstny) etwas ausgedünnt, zudem gehörte Bauhaus bislang zu den Sprintern, die mit den Strapazen der Bergetappen besser umgehen.

Was gegen Bauhaus spricht: Sprintdominator Philipsen ist noch im Rennen und zählt ebenfalls zu den bergfesteren Sprintern. Trotzdem besitzt Bauhaus in einem müden Sprinterfeld gute Chancen, auf den kommenden Etappen weitere Topplatzierungen einzufahren – vielleicht ja sogar mit einem Coup auf der Champs Elysees?

Phil BauhausFoto: Getty VeloPhil Bauhaus

Thibaut Pinot (Groupama-FDJ)

Alleine das nun die letzten Etappen von Pinot bei der Tour de France anbrechen, dürfte einiges an Aufmerksamkeit mitbringen. Am Saisonende beendet der 33-Jährige seine Karriere. Sportlich hat Pinot seinen Blick bei dieser Tour gewiss auf die zweite Rennhälfte gelegt. Seit dem ersten Ruhetag war der Franzose in drei Fluchtgruppen aktiv, allerdings bislang mit überschaubarem Erfolg: Auf der 12. Etappe nach Belleville-en-Beaujolais sowie hinauf nach Saint-Gervais Mont-Blanc landete Pinot jeweils auf Platz sechs.

Seiner Abschieds-Tour fehlt daher noch ein Glanzpunkt. Den hat sich Pinot womöglich aber ganz bewusst für die 20. Etappe nach Le Markstein aufgehoben, wenn die Tour-Route durch die Vogesen führt, seiner Heimatregion. An Unterstützung am Streckenrand dürfte es ihm an diesem Tag nicht mangeln. Ein Etappensieg zum Abschied in seiner Heimat? Für Pinot wäre es ein bewegender Endpunkt seiner Karriere. Und seine Landsleute würden durchdrehen.

Thibaut PinotFoto: Getty VeloThibaut Pinot

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