Matthias Borchers
· 19.07.2026
Tadej Pogacar ist der 25. Etappensieg seiner Tour-Karriere gelungen. Der Slowene gewann in Le Markstein als Solist und verteidigte damit seinen Etappensieg aus dem Jahr 2023 an gleicher Stelle.
Mit diesem Erfolg zieht Pogacar mit dem Franzosen André Leducq gleich und belegt nun gemeinsam mit ihm Rang vier der ewigen Tour-Bestenliste. Vor ihm liegen nur noch Bernard Hinault mit 28 Erfolgen sowie die beiden Ausnahmeerscheinungen Eddy Merckx (34) und Rekordhalter Mark Cavendish (35).
Mit seinem vierten Etappensieg bei der laufenden Tour erreicht Pogacar eine Marke, die vor ihm nur acht andere Fahrer geschafft haben. Der slowenische Weltmeister gehört nun zu den lediglich neun Fahrern der Tour-Geschichte, die in mindestens drei verschiedenen Austragungen jeweils vier oder mehr Etappen gewinnen konnten.
Zu diesem exklusiven Kreis zählen unter anderem Jacques Anquetil, Bernard Hinault und André Leducq. Lediglich Eddy Merckx, der dieses Kunststück bei fünf Tour-Teilnahmen vollbrachte, und Mark Cavendish mit sechs entsprechenden Austragungen liegen noch vor ihm.
Zudem ist Pogacar der erste Nicht-Sprinter seit Eddy Merckx 1974, der innerhalb der ersten 14 Tour-Tage bereits vier Etappen gewinnt.
Pogacar scheint das Gelbe Trikot zusätzlich zu beflügeln. Mit seinem Erfolg in Le Markstein feierte er bereits den elften Etappensieg seiner Karriere als Träger des Maillot Jaune.
Damit überholt der Fahrer von UAE Team Emirates-XRG Tour-Legende Bernard Hinault, der zehn Etappen im Gelben Trikot gewann. Unangefochten an der Spitze dieser Statistik bleibt allerdings Eddy Merckx. Der Belgier siegte insgesamt 25-mal als Gesamtführender der Tour.
UAE Team Emirates-XRG dominierte die Vogesen-Etappe eindrucksvoll. Pogacar gewann, Teamkollege Isaac Del Toro wurde Zweiter. Damit feierte der Rennstall bereits den zweiten Doppelsieg bei dieser Tour.
Bereits auf der zweiten Etappe in Barcelona hatten die beiden Fahrer die ersten beiden Plätze belegt, damals allerdings in umgekehrter Reihenfolge. Ein Team mit zwei Doppelsiegen bei derselben Tour gab es zuletzt 2012 mit Sky.
Damals belegten Bradley Wiggins und Chris Froome sowohl im Zeitfahren von Besançon als auch in Chartres die Plätze eins und zwei.
Paul Seixas fährt weiter in die Geschichtsbücher. Der Franzose wurde in Le Markstein Dritter und schaffte damit als erster Fahrer unter 20 Jahren seit 1931 zum zweiten Mal den Sprung auf ein Tour-Etappenpodium.
Noch bemerkenswerter ist jedoch eine andere Bestmarke: Dank seiner Leistung übernahm der Fahrer von Decathlon CMA CGM das Weiße Trikot und wurde damit zum jüngsten Träger eines Wertungstrikots in der Geschichte der Tour de France.
Egal ob Gelb, Grün, Bergtrikot oder Weiß: Nie zuvor hatte ein so junger Fahrer eines der offiziellen Wertungstrikots getragen. Der letzte ähnlich spektakuläre Altersrekord geht auf den Italiener Fabio Battesini zurück, der 1931 als 19-Jähriger eine Tour-Etappe gewann.
Das Podium in Le Markstein war außergewöhnlich jung. Sieger Tadej Pogacar, Zweiter Isaac Del Toro und Dritter Paul Seixas kamen zusammen auf ein Durchschnittsalter von lediglich 23 Jahren und 161 Tagen.
Damit war es das jüngste Etappenpodium der Tour de France seit 1986. Damals standen in Blagnac Niki Rüttimann, Christophe Lavainne und Twan Poels gemeinsam auf dem Podest.
Den Nachkriegsrekord hält allerdings weiterhin das Trio Bernard Quennehen, Alfred Tonello und Jean Le Guilly, das 1953 in Nîmes auf ein Durchschnittsalter von nur 23 Jahren und drei Tagen kam.
Lidl-Trek führt die Mannschaftswertung der Tour de France mittlerweile zum 50. Mal in seiner Teamgeschichte an. Nach der Etappe nach Le Markstein beträgt der Vorsprung auf UAE Team Emirates-XRG komfortable 7:26 Minuten.
Die Statistik macht Hoffnung auf den Gesamtsieg in dieser Wertung. Sowohl 2024 als auch 2025 übernahmen Visma-Lease a Bike beziehungsweise UAE bereits früh die Führung in der Teamwertung und gaben sie bis Paris nicht mehr ab.
Im 21. Jahrhundert gelang lediglich dem Team Sky eine noch eindrucksvollere Dominanz. Die Briten führten 2017 die Mannschaftswertung vom ersten bis zum letzten Tour-Tag an.
Richard Carapaz bleibt einer der offensivsten Fahrer dieser Tour. Der Ecuadorianer attackierte auf der Vogesen-Etappe erneut früh und verbrachte insgesamt 128 Kilometer in der Offensive.
Für seinen Einsatz wurde der Fahrer von EF Education-EasyPost zum fünften Mal in seiner Tour-Karriere als kämpferischster Fahrer des Tages ausgezeichnet. Seine erste Auszeichnung erhielt Carapaz bereits 2020.
Seitdem kamen Ehrungen bei den Etappen 15 und 19 der Tour 2024 hinzu, ehe er damals auch zum „Super Combatif“ der gesamten Rundfahrt gewählt wurde. Gemeinsam mit der Auszeichnung auf der 10. Etappe dieser Tour kommt er nun auf insgesamt fünf Ehrungen und ist damit der aktivste Kämpfer im aktuellen Peloton.
Tadej Pogacar verteidigte in Le Markstein erneut souverän die Gesamtführung und durfte zum 63. Mal in seiner Karriere das Gelbe Trikot überstreifen. Doch von dieser Dominanz profitiert nicht nur der Slowene selbst, sondern auch seine Mannschaft.
Für UAE Team Emirates-XRG war es bereits das 70. Gelbe Trikot der Teamgeschichte. Die ersten beiden Tage in Gelb gehen dabei noch auf den Schweizer Rubens Bertogliati zurück, der 2002 für das damalige Team Lampre-Daikin die Gesamtführung übernahm.
Später kamen ein Tag in Gelb durch den Norweger Alexander Kristoff bei der Tour 2020 sowie vier Tage durch den Briten Adam Yates im Jahr 2023 hinzu. Den mit Abstand größten Anteil an dieser Bilanz liefert jedoch Pogacar. Mit seinen inzwischen 63 Gelben Trikots hat der Slowene die Mannschaft in eine neue Dimension geführt und ihre Stellung unter den erfolgreichsten Teams der modernen Tour-Geschichte weiter gefestigt.

Redakteur
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.