Tadej Pogacar hat auf der 10. Tour-Etappe nach Le Lioran ein weiteres Ausrufezeichen gesetzt. Mit einer Attacke am Col de Pertus ließ der Weltmeister seine Konkurrenten stehen und baute seine Führung im Gesamtklassement deutlich aus.
Die Zahlen des Tages zeigen jedoch nicht nur die Dominanz des Slowenen, sondern auch historische Bestmarken, nationale Rekorde und einen bemerkenswerten Auftritt des französischen Jungstars Paul Seixas.
Mit seinem Sieg am Dienstag in Le Lioran feierte Tadej Pogacar seinen 24. Etappenerfolg bei der Tour de France. Es war bereits sein dritter Sieg bei der diesjährigen Rundfahrt nach den Erfolgen in Les Angles und Gavarnie-Gèdre. Der Slowene rückt damit bis auf einen Erfolg an den Franzosen André Leducq heran, der mit 25 Etappensiegen auf Rang vier der ewigen Bestenliste steht.
Mit einer brutalen Attacke am Col de Pertus setzte sich Tadej Pogacar 14,8 Kilometer vor dem Ziel von seinen letzten Begleitern ab und fuhr allein zum Sieg nach Le Lioran. Zwar hatte der Slowene bereits auf dem Weg nach Gavarnie-Gèdre seine Rivalen 43 Kilometer vor dem Ziel abgehängt, doch nie zuvor gewann er als Träger des Gelben Trikots nach einer so langen Solofahrt. Gleichzeitig war es die längste erfolgreiche Alleinfahrt eines Gesamtführenden seit Wout van Aerts 11,6 Kilometer langem Solo auf dem Weg nach Calais im Jahr 2022.
Der 14. Juli scheint für Tadej Pogacar ein Glückstag zu sein. Zum dritten Mal in seiner Karriere gewann der Kapitän von UAE Team Emirates eine Tour-Etappe am französischen Nationalfeiertag. Damit stellt der zweimalige Weltmeister einen Rekord auf: Kein Fahrer hat häufiger am 14. Juli eine Tour-Etappe gewonnen. Bereits 2021 am Col du Portet und 2024 auf dem Plateau de Beille hatte Pogacar an diesem Datum triumphiert. Er überholt damit eine Gruppe von zehn Fahrern mit jeweils zwei Siegen am Nationalfeiertag, darunter Chris Froome, Laurent Jalabert, Lucien Van Impe und Jacques Anquetil.
Für Tadej Pogacar gibt es in Frankreichs Gebirgszügen kaum noch unbekanntes Terrain. Mit seinem Erfolg im Zentralmassiv komplettierte der Slowene einen außergewöhnlichen Satz an Erfolgen: Er hat nun in allen fünf großen französischen Gebirgsregionen Tour-Etappen gewonnen. Zu seinen elf Siegen in den Pyrenäen kommen vier in den Alpen, drei in den Vogesen, einer im Jura sowie nun ein Erfolg im Massif Central hinzu.
Die Tour de France entwickelt sich immer mehr zu einem Erfolgsfeld für Slowenien. Durch Pogacars Triumph in Le Lioran kommt das Land nun auf insgesamt 30 Etappensiege bei der Frankreich-Rundfahrt. Allein 24 davon gehen auf das Konto des Weltmeisters. Primoz Roglic steuerte drei Siege bei, darunter den ersten slowenischen Tour-Erfolg überhaupt 2017 in Serre-Chevalier. Auch Matej Mohoric gewann drei Etappen. Mit insgesamt 30 Siegen zieht Slowenien in der ewigen Nationenwertung mit Dänemark gleich und belegt Rang elf.
Nur zwei Tage nach seinem Gleichstand mit Chris Froome hat Tadej Pogacar die nächste Tour-Legende eingeholt. Mit nunmehr 60 Tagen im Gelben Trikot zieht er mit Miguel Indurain gleich. Der Spanier gewann die Tour zwischen 1991 und 1995 fünfmal und belegt in dieser Statistik derzeit Platz drei. Verteidigt Pogacar seine Führung auch auf der nächsten Etappe nach Nevers, wird er Indurain bereits überholen. Die Rekordmarken von Bernard Hinault mit 79 sowie Eddy Merckx mit 111 Tagen in Gelb bleiben jedoch vorerst außer Reichweite.
Mit 3:36 Minuten Vorsprung auf Jonas Vingegaard führt Tadej Pogacar die Gesamtwertung nach zehn Etappen souverän an. Einen größeren Abstand zwischen den ersten beiden Fahrern gab es zu diesem Zeitpunkt zuletzt im Jahr 2001. Damals lag François Simon sogar 11:54 Minuten vor Andrei Kivilev. Für Pogacar ist es die größte Führung, die er jemals nach zehn Tagen einer Grand Tour innehatte. Selbst beim später dominanten Giro-d'Italia-Sieg 2024 betrug sein Vorsprung zu diesem Zeitpunkt lediglich 2:40 Minuten auf Daniel Martinez.
Mit Rang drei in Le Lioran schrieb Paul Seixas ein kleines Stück Tour-Geschichte. Der Franzose ist der erste Fahrer unter 20 Jahren seit Danny van Poppel im Jahr 2013, der auf das Podium einer Tour-Etappe fährt. Mit einem Alter von 19 Jahren, neun Monaten und 20 Tagen ist der Fahrer vom Team Decathlon CMA CGM zudem der zweitjüngste Franzose überhaupt mit einem Podiumsplatz bei der Tour. Jünger war lediglich Louis Colsaet im Jahr 1904. Der damals 19-Jährige rückte allerdings erst Monate später durch Disqualifikationen nachträglich auf Platz zwei vor und stand nie tatsächlich auf dem Podium.
Richard Carapaz wurde für seine Offensive am Puy Mary mit der Auszeichnung als kämpferischster Fahrer des Tages belohnt. Der Ecuadorianer hatte attackiert, ehe ihn Pogacar am Col de Pertus mit hoher Geschwindigkeit überholte. Für Carapaz war es bereits die vierte Auszeichnung dieser Art bei der Tour de France. Zuvor hatte er die Ehrung auf der 16. Etappe 2020 sowie nach den Etappen 15 und 19 der Tour 2024 erhalten. Damals wurde er zudem als „Super Combatif“ der gesamten Rundfahrt ausgezeichnet. Im aktuellen Peloton kann lediglich Ben Healy eine vergleichbare Bilanz vorweisen: Der Ire vom Team EF Education-EasyPost sammelte ebenfalls vier Auszeichnungen als kämpferischster Fahrer, eine im Jahr 2024 und gleich drei weitere während der Saison 2025.

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