Matthias Borchers
· 18.07.2026
Mauro Schmid hat in Belfort seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France gefeiert. Der Schweizer setzte sich nach einer starken Vorstellung aus der Ausreißergruppe durch und erreichte damit einen lang ersehnten Meilenstein seiner Karriere.
Nachdem er im Vorjahr in Toulouse nur Jonas Abrahamsen den Vortritt hatte lassen müssen, gelang dem Fahrer von Jayco-AlUla nun der große Durchbruch bei der Frankreich-Rundfahrt. Schmid ist bereits der vierte Fahrer dieser Tour, der seinen ersten Tour-Etappensieg feiert. Zuvor hatten Isaac Del Toro, Olav Kooij und Sören Wærenskjold erstmals bei der Grande Boucle triumphiert.
Mit dem Sieg unter dem berühmten Löwen von Belfort feierte Mauro Schmid den 14. Profisieg seiner Karriere. Der 26-Jährige bestätigt damit seine bislang erfolgreichste Saison.
Seinen ersten Erfolg bei einer Grand Tour hatte der ehemalige Schweizer Meister bereits 2021 beim Giro d'Italia errungen, als er eine spektakuläre Schotteretappe in der Toskana gewann. In diesem Jahr sammelte Schmid bereits fünf Siege, darunter einen Tagessieg bei der Oman-Rundfahrt und den Gesamterfolg bei der Settimana Coppi e Bartali.
Sechs Jahre nach dem bislang letzten Schweizer Tour-Etappensieg steht die Eidgenossenschaft wieder ganz oben auf dem Podium. Seit Marc Hirschis Erfolg in Sarran 2020 hatte kein Schweizer mehr eine Tour-Etappe gewonnen.
Mit Schmids Erfolg steigt die Zahl der Schweizer Etappensiege bei der Tour de France auf 60. Die Schweiz spielte bereits in den Anfängen der Rundfahrt eine historische Rolle: Charles Laeser sorgte 1903 als erster ausländischer Etappensieger der Tour-Geschichte überhaupt für Aufsehen.
Die erfolgreichsten Schweizer Fahrer bleiben Fabian Cancellara und Ferdi Kübler. Beide brachten es auf jeweils acht Etappensiege. Kübler gewann darüber hinaus 1950 die Tour de France.
Zum 29. Mal führte die Tour de France über den legendären Ballon d’Alsace. Mauro Schmid nutzte die Gelegenheit, um ein weiteres kleines Kapitel Tour-Geschichte zu schreiben.
Noch nie zuvor hatte ein Schweizer eine Tour-Etappe gewonnen, die diesen traditionsreichen Vogesenanstieg im Streckenprofil hatte. Der erste Sieger auf einer Ballon-d’Alsace-Etappe war 1905 der Franzose Hippolyte Aucouturier, damals allerdings mit Ziel in Besançon.
Einen Etappensieger in Belfort nach der Überquerung des Ballon d’Alsace hatte die Tour zuletzt 1907 erlebt. Damals triumphierte der Franzose Émile Georget.
Für Jayco-AlUla war der Erfolg von Mauro Schmid weit mehr als nur ein weiterer Etappensieg. Das australische Team gewann damit bei der dritten Tour de France in Folge mindestens eine Etappe.
2024 hatte Dylan Groenewegen in Dijon triumphiert, ein Jahr zuvor gewann Ben O’Connor die prestigeträchtige Alpenetappe zum Col de la Loze. Seit dem Tour-Debüt der Mannschaft im Jahr 2012 stehen nun insgesamt zwölf Etappensiege zu Buche.
Den ersten Erfolg für die damals noch anders firmierende Mannschaft holte Simon Gerrans 2013 in Calvi.
Tom Pidcock nutzte die Freiheiten der großen Ausreißergruppe perfekt aus. Der Brite gehörte zu einer 57 Fahrer starken Spitzengruppe und gewann dadurch 7:34 Minuten auf Gesamtführenden Tadej Pogacar.
Der zweimalige Olympiasieger im Mountainbike verbesserte sich dadurch von Rang zehn auf Platz vier der Gesamtwertung. Sein Rückstand auf Pogacar beträgt nun nur noch 4:15 Minuten.
Damit erreicht Pidcock die beste Gesamtplatzierung seiner bisherigen Tour-Karriere. Sein bisheriger Bestwert war Rang fünf nach der sechsten Etappe der Tour 2022.
Auch wenn Pinarello-Q36.5 den Tagessieg verpasste, durfte das Team eine Premiere feiern. Dank Tom Pidcock gewann die Mannschaft ihre erste Auszeichnung überhaupt bei der Tour de France.
Der Brite wurde nach seinem offensiven Rennen über den Ballon d’Alsace als kämpferischster Fahrer des Tages geehrt. Dabei profitierte er auch von der starken Unterstützung seiner Teamkollegen Fred Wright, Xandro Meurisse und Quinten Hermans, die maßgeblich zum Erfolg der Ausreißergruppe beitrugen.
Mit dieser Ehrung hat nun jedes Team der Tour de France 2026 mindestens einmal eine offizielle Auszeichnung in der Geschichte der Rundfahrt erhalten.
Die Strecke von Dole nach Belfort war mit 205,8 Kilometern die längste Etappe der Tour de France 2026. Historisch betrachtet gehört sie allerdings zu den kürzesten „Königsetappen“ in dieser Kategorie.
Tatsächlich ist sie die kürzeste längste Etappe der gesamten Tour-Geschichte. Die fünf kürzesten längsten Etappen stammen allesamt aus den 2020er Jahren:
Tadej Pogacar verteidigte in Belfort erneut souverän die Gesamtführung und durfte zum 63. Mal in seiner Karriere das Gelbe Trikot überstreifen. Doch von dieser Dominanz profitiert nicht nur der Slowene selbst, sondern auch seine Mannschaft.
Für UAE Emirates-XRG war es bereits das 70. Gelbe Trikot der Teamgeschichte. Die ersten beiden Tage in Gelb gehen dabei noch auf Rubens Bertogliati zurück, der 2002 für das damalige Team Lampre-Daikin die Gesamtführung übernahm. Später kamen ein Tag in Gelb durch Alexander Kristoff bei der Tour 2020 sowie vier Tage durch Adam Yates im Jahr 2023 hinzu.
Den Löwenanteil dieser beeindruckenden Bilanz liefert allerdings Pogacar. Mit seinen mittlerweile 63 Gelben Trikots hat der Slowene den Rennstall zu einem der erfolgreichsten Teams der modernen Tour-Geschichte gemacht und lässt die Zahl der Tage an der Spitze der Gesamtwertung weiter steigen.

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