Königsetappe der Tour de France 2026Galibier und Alpe d'Huez am vorletzten Tag

Kristian Bauer

 · 13.06.2026

Königsetappe der Tour de France 2026: Galibier und Alpe d'Huez am vorletzten TagFoto: Getty Images/Tim de Waele
FCol du Galibier (2619m)
Die Königsetappe der Tour de France 2026 ist knallhart: Erst der Galibier und dann Alpe d'Huez via Col de Sarenne. Stolze 5450 Höhenmeter in einer einzigen Etappe – die Tour de France 2026 präsentiert am vorletzten Tag das härteste Bergfinale der jüngeren Tourgeschichte.

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Das Finale der Tour de France 2026 verspricht noch einmal eine richtig harte Nummer und neues Terrain. Erstmals führt der Weg nach Alpe d'Huez nicht über die legendären 21 Kehren, sondern über den Col de Sarenne – eine Route, die 2013 nur als Abfahrt genutzt wurde und nun zur ultimativen Prüfung vor dem Finale in Paris wird. Nach Croix de Fer, Col du Télégraphe und dem Dach der Tour am Galibier wartet auf der 20. Etappe mit der Sarenne-Auffahrt unbekanntes Terrain, auf dem Tourgeschichte geschrieben werden soll. Man darf auch nicht durcheinanderkommen, denn in diesem Jahr steht Alpe d’Huez zweimal auf dem Streckenplan. Die bekannten 21 Kurven nach Alpe d’Huez gibt es auf der 19. Etappe - die 20. benutzt die unbekannte Auffahrt durch den Nationalpark Ecrins. Das hat im Vorfeld für Diskussionen gesorgt, weil die Natur dort besonders sensibel ist.

5450 Höhenmeter als neue Dimension

Die 20. Etappe der Tour 2026 von Le Bourg d'Oisans nach Alpe d'Huez definiert neu, was eine Königsetappe bedeuten kann. Mit 5450 Metern Höhenunterschied auf 171 Kilometern übertrifft diese Bergankunft alle Maßstäbe der Tourgeschichte. Die strategische Platzierung am vorletzten Tag der Tour macht diese Etappe zu einem potentiellen Wendepunkt, der noch dramatischere Verschiebungen im Gesamtklassement ermöglichen könnte als die klassischen Gap-Alpe d'Huez Verbindungen mit "nur" 3.500 Höhenmetern. Die Kletterfolge liest sich wie ein Alptraum für jeden Bergfahrer: Der Col de la Croix de Fer (2.067m) mit seinen 24 Kilometern bei 5,2% Durchschnittssteigung bildet nur den Auftakt. Es folgen der Col du Télégraphe (1.566m) über 11,9 Kilometer bei 7,1% und der majestätische Col du Galibier (2.642m), der als Souvenir Henri Desgrange mit 17,7 Kilometern bei 6,9% das Dach der Tour markiert. Doch das wahre Unbekannte wartet am Ende: der Col de Sarenne mit 12,8 Kilometern bei 7,3% – ein Berg, der 2013 nur bergab befahren wurde und nun zur finalen Prüfung wird.

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Sarenne: Alpe d’Huez durch die Hintertür

"Terrain vierge, histoire à construire" – jungfräuliches Gelände, auf dem Geschichte geschrieben werden kann. Diese Worte von Tourorganisator Christian Prudhomme beschreiben die Bedeutung der Sarenne-Route. 2013 nutzten die Fahrer diesen Pass nur als Abfahrt nach einem dramatischen Wetterumschwung. Die technischen Daten des Col de Sarenne offenbaren eine Auffahrt, die sich deutlich von der traditionellen Route unterscheidet. Während die klassische Auffahrt über die berühmten Kehren 13,8 Kilometer bei 8,1% misst, präsentiert sich der Sarenne mit 12,8 Kilometern bei 7,3% zunächst moderater. Doch diese Zahlen täuschen über die wahre Schwierigkeit hinweg: Nach vier bereits absolvierten Bergwertungen der höchsten Kategorien werden selbst moderate Steigungen zu unüberwindbaren Hindernissen. Der höchste Punkt bei 1.999 Metern führt zudem in eine kurze Abfahrt, bevor das finale Stück zur Skistation bei 1.850 Metern ansteigt – ein taktisches Element, das völlig neue Strategien erfordern wird.

Alpe d'Huez: Von der niederländischen Dominanz zur internationalen Bühne

Die Geschichte von Alpe d'Huez als Etappenort begann 1952 mit Fausto Coppi, der als erster Fahrer das Gelbe Trikot auf einer Bergankunft in einer Skistation eroberte. Was Coppi initiierte, perfektionierten die Niederländer in den folgenden Jahrzehnten: Joop Zoetemelk, Hennie Kuiper und Peter Winnen prägten den "Berg der Holländer" so nachhaltig, dass dieser Spitzname bis heute Bestand hat. Die italienische Renaissance durch Gianni Bugno und Marco Pantani in den 1990ern zeigte jedoch, dass Alpe d'Huez keine nationale Domäne bleiben würde. Das 21. Jahrhundert brachte eine bemerkenswerte französische Renaissance: Pierre Rolland (2011), Christophe Riblon (2013) und Thibaut Pinot (2015) sorgten für unvergessliche Momente vor heimischem Publikum. Riblon's Triumph 2013 war dabei besonders bemerkenswert, da er bereits über den Col de Sarenne führte – allerdings in umgekehrter Richtung. Die jüngste Vergangenheit zeigt eine britische Übernahme: Geraint Thomas (2018) und Tom Pidcock (2022) feierten am Berg. Mit dem 33. Mal als Etappenort hält Alpe d'Huez den absoluten Rekord in der Tourgeschichte.

Taktische Dimensionen: zweimal Alpe d’Huez

Die Platzierung der schwersten Bergetappe am vorletzten Tag der Tour soll die Spannung bis zum Schluss hochhalten. Nachdem bereits am Vortag die Bergetappe in Alpe d’Huez endet, ist für die 20. Etappe erneut eine schwere Prüfung vorgesehen. Selbst scheinbar komfortable Vorsprünge im Gesamtklassement können an einem einzigen Tag zerinnen. Der Vergleich zu klassischen Gap-Alpe d'Huez Etappen verdeutlicht die Gefahr: Während die 128 Kilometer von Gap mit 3.500 Höhenmetern bereits als Königsetappen galten, übertrifft die neue Route diese Werte um mehr als 60 Prozent. Diese Steigerung ist nicht nur quantitativ, sondern qualitativ bedeutsam: Die zusätzlichen 2.100 Höhenmeter verändern die gesamte Renndynamik und machen Überraschungen wahrscheinlicher.

Ernährungsstrategie

Die extremen Anforderungen der Etappe stellen nicht nur die Fahrer, sondern auch ihr Material vor Herausforderungen. 5450 Höhenmeter bedeuten über fünf Stunden intensivste Belastung für Mensch und Maschine. Die Ernährungsstrategie wird zu einem entscheidenden Faktor: Über 6.000 Kilokalorien Energieverbrauch erfordern eine perfekt abgestimmte Versorgung, die gleichzeitig die Verdauung nicht überlasten darf. Teams werden ihre Betreuer an strategischen Punkten positionieren, wobei die neue Sarenne-Route logistische Herausforderungen mit sich bringt, da die gewohnten Versorgungspunkte der klassischen Route nicht verfügbar sind.

Wetterrisiken: Wenn vier Klimazonen aufeinandertreffen

Die Route von Le Bourg d'Oisans nach Alpe d'Huez via Col de Sarenne durchquert vier verschiedene Klimazonen und Höhenstufen, was das Wetterrisiko erhöht. Während im Tal noch Sommerwetter herrschen kann, sind auf dem Galibier bei 2.642 Metern Schneefälle selbst im Juli möglich. Besonders anstrengend ist die Kombination aus extremer Höhe und langer Belastungsdauer: Während ein einzelner Anstieg auch bei schlechten Bedingungen meist durchfahrbar bleibt, können sich über 5450 Höhenmeter kleine Wetteränderungen zu Unterschieden zwischen den Fahrergruppen addieren. Ein Temperatursturz von 15 Grad zwischen Tal und Gipfel, kombiniert mit der körperlichen Auskühlung durch fünfstündige Anstrengung, kann selbst Topfavoriten in Schwierigkeiten bringen. Radsportfans erinnern sich bestimmt noch an die Schwierigkeiten von Jan Ullrich bei der Tour de France 1998. Er hatte die Ärmel seiner Regenjacke abgeschnitten und fror bitter als es regnete. Hinzu kam noch ein Hungerast, der dann endgültig seine Siegchancen vereitelte.

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Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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