Vor dem Start der Lombardei-Rundfahrt verweigerte das Peloton durch einen Protest fünf Minuten lang das Losfahren. Die Fahrer fordern mehr Sicherheit und kritisieren, dass weiterhin unautorisierte Fahrzeuge auf die Strecken gelangen.
Zum Auftakt des letzten Monuments der Saison blieb das Peloton in Bergamo zunächst stehen. Fünf Minuten lang begannen die Fahrer das Rennen nicht, Remco Evenepoel bekam ein Mikrofon gereicht. „Wir möchten dieses Thema ansprechen, weil zu viele Zwischenfälle mit Fahrzeugen im Rennen passieren. Leider haben wir einen Bruder und Kollegen von uns verloren. Wir wollen der Welt zeigen, dass wir nicht länger hinnehmen können, dass Fahrer verletzt werden oder buchstäblich sterben bei dem, was wir am liebsten tun“, sagte der große Favorit. Nach dem fünfminütigen Protest rollten die Fahrer dann letztendlich los.
Schon vor dem Rennen hatte Tom Pidcock auf Instagram kritisiert, dass weiterhin regelmäßig unautorisierte Fahrzeuge auf die Strecken von Rennen gelangen. Und das passiert in einem Jahr, in dem ein junger Nachwuchsfahrer bei einem solchen Unfall ums Leben gekommen ist.
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Pidcock nimmt dabei die Veranstalter in die Pflicht. Er ist selbst betroffen: Bei der Tre Valli Varesine in dieser Woche wurden zwei seiner Teamkollegen von einem Polizeimotorrad erfasst, das entgegen der Rennrichtung fuhr. Pidcock sagte danach, er habe das Rennen am liebsten stoppen wollen.
Der Nachwuchsfahrer, auf den sich Evenepoel und Pidcock beziehen, ist Finlay Tarling. Der 19-jährige Brite vom NSN Development Team starb am 14. August auf der achten Etappe der Volta a Portugal. Nach Berichten kollidierte er frontal mit einem Fahrzeug, das nicht zum Rennen gehörte und ebenfalls aus der Gegenrichtung kam. Tarling war der jüngere Bruder des Netcompany-Ineos-Profis Josh Tarling. Die Ermittlungen zu diesem Fall laufen noch.
Es ist nicht der einzige Zwischenfall. Beim Giro dell’Emilia fuhr am vergangenen Samstag ein Auto auf die letzte Abfahrt, die Fahrer mussten ausweichen. Bei der Coppa Bernocchi geriet ein Fahrzeug während der Live-Übertragung auf die Strecke. Bei der Tre Valli Varesine kam dann der Zusammenstoß mit dem Polizeimotorrad: Marcel Camprubí und Thomas Gloag wurden getroffen, Gloag schied mit einer Verletzung am Knie aus.
Auch die Lombardei-Rundfahrt selbst ist kein unbeschriebenes Blatt. 2025 wurde Evenepoel hier am Colle Aperto von zwei Begleitmotorrädern stark ausgebremst. Im Februar kritisierte er bereits, die UCI lasse zu viele Fahrzeuge auf die Strecke. Der Protest ist also alles andere als auf einen einzigen Vorfall bezogen.
Der Verband hat Besserung versprochen. UCI-Präsident David Lappartient hat Sicherheit als „nicht verhandelbar“ bezeichnet und erklärt, dieses Thema solle schneller vorankommen als andere Reformen. Allerdings ist selbst nach dem tragischen Todesfall des jungen Briten keine Änderung der Sicherheitsmaßnahmen zu erkennen. Die Fahrer wollen nicht länger warten und verlangen jetzt Taten.
Nach der Lombardei-Rundfahrt und der Tour of Guangxi geht es für die Straßenprofis erst einmal in die Winterpause. Die UCI hat also genug Zeit, die Fälle aufzuarbeiten und entsprechende Maßnahmen zu treffen. Ob sich an der Situation etwas ändern wird und die UCI den Protest ernst nimmt, muss in der kommenden Saison genau beobachtet werden. Denn Eines ist klar: die Gesundheit aller Beteiligten der Rennen sollte an erster Stelle stehen.

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