Lombardei-RundfahrtOhne Pogačar - Chance für Evenepoel & Co.

Leon Weidner

 · 09.10.2026

Lombardei-Rundfahrt: Ohne Pogačar - Chance für Evenepoel & Co.Foto: Getty Images/Dario Belingheri
Remco Evenepoel wurde in den vergangenen beiden Jahren Zweiter bei der Lombardei-Rundfahrt. In diesem Jahr fehlt der fünffache Sieger Tadej Pogačar. Eine echte Chance tut sich für den Belgier auf.
​Ohne Tadej Pogačar bekommt die Lombardei-Rundfahrt erstmals seit fünf Jahren einen neuen Sieger. Remco Evenepoel ist der Topfavorit, doch mit Seixas, Del Toro, Ciccone und Pidcock lauert die Konkurrenz. Wer holt sich das letzte Monument der Saison?

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​Die Lombardei-Rundfahrt ist eines der schwersten Monumente des Jahres: 239 Kilometer von Bergamo nach Como mit rund 4600 Höhenmetern. Nach einer Serie langer Anstiege fällt die Entscheidung traditionell im Finale. Wer hier nicht in Bestform ist, hat keine Chance auf den Sieg. Fünf Jahre lang führte beim “Rennen der fallenden Blätter” kein Weg an Tadej Pogačar vorbei. Mit seinem Fehlen sieht die Lombardei-Rundfahrt erstmals wieder einen neuen Sieger, und der Kreis der Anwärter ist so groß wie lange nicht mehr.

Der Topfavorit der Lombardei-Rundfahrt

Am stärksten profitiert Remco Evenepoel. In den vergangenen beiden Jahren blieb dem Belgier nur Platz zwei hinter Pogačar. Seine aktuelle Form ist bestechend, er geht als Topfavorit ins italienische Monument. Die Rolle des Kapitäns bei Red Bull ist klar. Mit Florian Lipowitz, Primož Roglič und Giulio Pellizzari stehen ihm gleich drei Leistungsträger zur Seite, was Chance und Risiko zugleich ist. Wie viel die Kollegen für ihn arbeiten, ist fraglich, und interne Machtkämpfe hat der deutsche Rennstall schon erlebt. Gelingt die Teamdynamik, ist Evenepoel kaum zu schlagen, das hat er ein weiteres Mal beim EM-Straßenrennen bewiesen.

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Die jungen Herausforderer: Seixas und Del Toro

Direkt hinter Evenepoel lauern die Youngster Paul Seixas und Isaac del Toro. Beide haben das Talent, das Rennen auf den entscheidenden Anstiegen zu sprengen, und sind die ersten Namen auf der Liste der Verfolger. Beide wurden schon bei der Weltmeisterschaft als Siegkandidaten gewertet, konnten dort aber nicht wie vorher gedacht abliefern. Die Lombardei-Rundfahrt ist zwar einige Kilometer kürzer, hat dafür aber deutlich mehr Höhenmeter. Neben Isaac del Toro hat das Team UAE außerdem Weltmeister Brandon McNulty im Aufgebot. Bei der WM hätte niemand gedacht, dass er den Sieg holt. Auch er kann also für eine große Überraschung sorgen, seine Chancen sind jedoch deutlich kleiner.

Die erste Verfolgergruppe

Als erster Verfolger der drei großen Favoriten gilt Giulio Ciccone. Beim EM-Straßenrennen lieferte er sich mit Evenepoel ein packendes Duell bis zur Ziellinie, das erst um wenige Zentimeter entschieden wurde. Er ist in Bestform. Auf seinem Niveau ist auch der Brite Tom Pidcock, der nach dem WM-Titel im Mountainbike keinerlei Formabfall zeigt und gerade noch einmal so richtig aufdreht. Dritter im Bunde ist Davide Piganzoli, Sieger des Giro dell’Emilia, bei dem Pidcock Zweiter wurde. Sollte Piganzoli einen schlechten Tag erwischen, hat Visma mit Matteo Jorgenson einen zweiten Kapitän, der vorne mitfahren kann.

Die zweite Reihe: McNulty und Healy

Hinter diesen Verfolgern der absoluten Topfavoriten ist der Weltmeister Brandon McNulty einzuordnen. Unterschätzen wird ihn sicherlich niemand mehr. Auf ähnlichem Niveau wie der Weltmeister steht Ben Healy von EF. Der Ire zeigte sich schon bei der WM in Montréal stark und könnte mit Ausreißversuchen stechen. Im Gegensatz zu Healy steht hinter seinem Teamkollegen Richard Carapaz ein großes Fragezeichen. Seit der Spanien-Rundfahrt ist er kein Rennen mehr gefahren, er zählt daher eher zu den Außenseitern. Dafür hat EF für verschiedene Rennverläufe zwei Optionen.

Die Joker der Lombardei-Rundfahrt

Mit Quinn Simmons und Juan Ayuso schickt Ciccones Team zwei Fahrer ins Rennen, die unterschiedliche Rennverläufe abdecken: Simmons profitiert von einem langsameren Tempo, Ayuso von einem schnellen, harten Rennen. Zu den größten Favoriten zählen beide nicht, wobei Simmons die besseren Chancen hat. Die vielen Höhenmeter sind allerdings nicht ganz sein Terrain, sodass auch er auf eine günstige Konstellation angewiesen ist.

Darauf hofft auch Michael Storer, der mit dem Rennen beste Erinnerungen verbindet: Im vergangenen Jahr stand er auf dem Podium. In diesem Herbst ist er allerdings nicht in bester Form, die Wiederholung wäre eine Überraschung.

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Deutlich besser in Schuss präsentierte sich zuletzt Ion Izagirre, für den das Rennen zum Abschied aus dem Profiradsport wird. Nach einem Handgelenksbruch hatte der 37-jährige seinen Start kurzfristig abgesagt, nun kann er doch antreten. Diese Entscheidung verkündete er ganz persönlich in den Sozialen Medien. Der Abschied des zweifachen Tour-Etappensiegers wird sicherlich emotional werden. Dass er bei Eintagesrennen noch immer vorne mitfahren kann, bewies er mit dem Sieg beim Memorial Marco Pantani im September gegen starke Konkurrenz. Ob er nach der Fraktur allerdings in Topform an den Start geht, bleibt offen.

Die Außenseiter

Wie immer gibt es eine Reihe von Fahrern mit kleiner Chance, die dafür viel Glück mit der Rennkonstellation brauchen: Christian Scaroni, Tobias Halland Johannessen, Oscar Onley, Enric Mas, Lennert Van Eetvelt, Jarno Widar, Pello Bilbao und Lenny Martinez sind hier die Kandidaten. Am interessantesten ist dabei Widar, der die Tre Valli Varesine vor wenigen Tagen gewann.

​Am Ende dürfte es auf die Frage hinauslaufen, ob Evenepoel seine Chance nutzt, oder ob die Konkurrenz die Lücke füllt, die Pogačar hinterlässt. Am Comer See wird sich zeigen, wer die Nachfolge in der Siegerliste antritt.

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Leon Weidner

Leon Weidner

Redakteur

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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