Lombardei-Rundfahrt 2026Seixas wird zum jüngsten Sieger der Geschichte

Sebastian Lindner

 · 10.10.2026

Lombardei-Rundfahrt 2026: Seixas wird zum jüngsten Sieger der GeschichteFoto: Getty Images
Paul Seixas hat sich zum jüngsten Sieger der Lombardei-Rundfahrt gekrönt.
Paul Seixas (Decathlon CMA CGM) hat die 120. Austragung der Lombardei-Rundfahrt gewonnen. In Abwesenheit von Tadej Pogacar, der sich in den vergangenen fünf Jahren zum Sieger krönte, gewann der 20-Jährige als Solist vor Enric Mas (Movistar Team) und Giulio Ciccone (Lidl - Trek) und machte sich damit zum jüngsten Lombardei-Sieger der Geschichte.

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Bis dato hatte Giovanni Gerbi, der 1905 die Premiere von Il Lombardia gewonnen hatte, diesen Rekord inne. Seixas unterbot ihn nun um etwa ein halbes Jahr. Entscheidend war dabei eine Tempoverschärfung des Franzosen im vorletzten Anstieg des Tages nach Civiglio, der nach ein paar Metern keiner seiner Konkurrenten folgen konnte. Seixas baute bis zur Kuppe aus und verteidigte sein Polster dann bis ins Ziel. Vuelta-Sieger Mas kam mit 48 Sekunden Rückstand ins Ziel, Vize-Europameister Ciccone hatte 1:05 Minuten Rückstand.

Ciccones Bezwinger bei der EM, Top-Favorit Remco Evenepoel, (Red Bull - BORA - hansgrohe) gewann dahinter den Sprint einer neunköpfigen Gruppe vor Weltmeister Branden McNulty UAE Team Emirates - XRG). Evenepoel war es auch gewesen, der vor dem Start der 239 Kilometer, die in diesem Jahr dem Muster der jüngeren Vergangenheit folgend wieder von Bergamo nach Como führten - und damit in entgegengesetzter Richtung zum Vorjahr - eine Protestaktion des Feldes anführte und als Wortführer auftrat. Nachdem der Startschuss zur neutralisierten Eröffnung des Rennens gefallen war, hatte sich das Feld nicht in Bewegung gesetzt, sondern fünf Minuten gewartet, ehe der Europameister erklärte, dass es sich dabei um eine Aktion handelte, die noch einmal auf die vielen Unfälle, die auf fehlende Streckensicherheit zurückzuführen seien, aufmerksam machen solle, unter anderem den Tod von Finlay Tarling, der auf eigentlich gesperrter Strecke bei der Portugal-Rundfahrt mit einem Lieferwagen frontal zusammenstieß und starb.

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Seixas “wie im Traum”

Danach aber entwickelte sich ein Rennen, beim dem Seixas’ Decathlon-Team, das wie der Profi sein erstes Monument gewann, im Vergleich zu anderen Rennen der Saison zunächst eher defensiv auftrat. Anders als Red Bull. Evenepoel ließ in der heißen Phase vor allem Giulio Pellizzari arbeiten, musste aber schon kurz nach seinem Edelhelfer ebenfalls passen, als Seixas das Tempo erhöhte.

“Es fühlt sich an wie in einem Traum”, sagte Seixas, erster französischer Sieger seit Thibaut Pinot 2018. “Ich hatte unglaubliche Beine und habe es dann geschafft, genau in dem Moment anzugreifen, wie ich es geplant hatte - vielleicht ein bisschen früher. Aber dann war es wie in einem Zeitfahren. Ich gegen mich selbst. Ich hatte mir oben in Civiglio zwar schon einen guten Vorsprung herausgefahren, aber das war noch nicht genug, um an den Sieg zu denken. Erst am Ende des letzten Berges konnte ich mir darüber Gedanken machen.”

Il Lombardia 2026 - Ergebnisse


2026:

Il Lombardia: Bergamo - Como

10.10.2026 | 239 km
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Das Profil der Lombardei-Rundfahrt 2026Foto: RCSDas Profil der Lombardei-Rundfahrt 2026

Nach der Protest-Aktion am Start begann das Rennen auf nassen Straßen, auf denen sich zwischenzeitlich auch viel Nebel absetzte, durchaus nervös. Auf den ersten eher flachen 20 Kilometern setzten sich erste Ausreißer ab, die im Anstieg nach Selvino aber wieder gestellt wurden. Dort bildetete sich dann die Gruppe des Tages.

Zu den 14 Fahrern gehörten prominente Namen wie Ben O’Connor (Team Jayco AlUla), Antonio Tiberi (Bahrain - Victorious) oder Victor Campenaerts (Team Visma | Lease a Bike). Mitte des Rennens hatten sie mehr als drei Minuten Vorsprung.

70 Kilometer vor dem Ziel begann mit dem Anstieg zur Madonna del Ghisallo die entscheidende Phase des Rennens - rechtzeitig dazu hatte sich auch das Wetter deutlich verbessert. Für die Ausreißer waren zwei Minuten Vorsprung geblieben, im Feld bestimmte vor allem UAE Emirates - XRG das Tempo. Das änderte sich dann am Berg. Red Bull übernahm das Kommando und zerlegte das Hauptfeld in seine Bestandteile.

US-Trio versucht sich

Die Attacke setzte dann aber Visma | Lease a Bike durch Matteo Jorgenson. Dem US-Amerikaner schlossen sich seine beiden Landsleute Quinn Simmons (Lidl - Trek) und Brandon McNulty an. Auch Christian Scaroni (XDS Astana Team) hängte sich noch hinten ran, groß wurde der Abstand über die Kuppe aber nicht.

45 Kilometer vor dem Ziel war die Gruppe wieder gestellt. Für das verbliebene Spitzen-Septett um O’Connor standen da noch 40 Sekunden auf der Uhr. Die verdoppelten sich in der Folge aber wieder, nachdem sich nach der Einholung der Verfolger das Tempo bei den Favoriten wieder beruhigte. Bei der ersten Auffahrt nach San Fermo della Battaglia 30 Kilometer vor dem Ziel erhöhte Red Bull das Tempo dann erneut, stellte dann im vorletzten Anstieg nach Civiglio die Ausreißer.

Seixas stürmt an die Spitze

Dann aber bekam Remco Evenepoel Probleme. Seixas attackierte, Pidcock und Ciccone gingen mit, doch der Franzose ließ kurz darauf später auch seine beiden Mitfahrer stehen. Oben an der Kuppe hatte Seixas 30 Sekunden Vorsprung auf Ciccone und Enric Mas (Movistar Team), 15 mehr auf das zweite Verfolgerduo Pidcock und Filippo Zana (Soudal Quick-Step). Evenepoel hatte mehr als eine Minute Rückstand, für Isaac Del Toro (UAE Team Emirates) war es noch mehr.

Als es dann sieben Kilometer vor dem Ziel noch einmal hinauf nach San Fermo della Battaglia ging, machte Seixas weiter sein Ding. Gleichzeitig ließ Mas Ciccone stehen. Damit war die Konstellation hergestellt, die so auch in Como über den Zielstrich fuhr. Dahinter gewann Evenepoel den Sprint der ersten größeren Gruppe.

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