Das letzte Monument der Saison ist auch das letzte Rennen für zwei Veteranen: Bauke Mollema (39, Lidl-Trek) und Ion Izagirre (37, Cofidis) beenden bei der Lombardei-Rundfahrt über 239 Kilometer von Bergamo nach Como ihre Profikarrieren. Beide haben den Rücktritt frühzeitig angekündigt. Und beide haben mit dem Rennen eine besondere Geschichte. Für Ion Izagirre wäre es mit dem Traumabschied um ein Haar nichts geworden, aber der Reihe nach...
Bauke Mollema gewann 2007 die Tour de l’Avenir, das wichtigste Rennen für Nachwuchsfahrer, und wurde 2008 Profi bei Rabobank. 2011 holte er bei der Vuelta die Punktewertung und nachträglich auch den dritten Platz im Gesamtklassement, nachdem Juan José Cobo des Dopings überführt wurde und ihm der Sieg aberkannt wurde. 2013 wurde er Sechster der Tour de France und gewann eine Vuelta-Etappe. Es folgten Jahre bei Belkin, seit 2015 fährt er für Lidl-Trek, ehemals Trek-Segafredo und Trek Factory Racing. Ganze zwölf Jahre beim selben Team, solch eine Konstanz kann kaum ein anderer Profi vorweisen. In dieser Zeit wandelte er sich vom Klassementfahrer zum Allrounder, der Ausreißergruppen und Klassiker jagte. 2016 gewann er die Clásica San Sebastián im Solo, 2017 und 2021 jeweils eine Tour-Etappe.
Der Höhepunkt kam 2019 in der Lombardei. Mollema griff 18 Kilometer vor dem Ziel am Civiglio an und rettete 16 Sekunden Vorsprung vor Valverde und Bernal ins Ziel. Er war der erste niederländische Sieger seit Hennie Kuiper 1981 und kämpfte nach der Ziellinie mit den Tränen. Am Ende steht eine Bilanz, die auch ohne Gesamtsieg bei einer Grand Tour beeindruckt: Top-10-Plätze in allen drei großen Rundfahrten, 23 Grand-Tour-Starts, davon zwölf bei der Tour. Seinen Rücktritt kündigte er mit „One more year, one last dance“ an. Und ein besseres Rennen, als beim Monument das er einst gewinnen konnte, gibt es für einen Abschied wohl kaum.
Ion Izagirre stammt aus einer Radsportfamilie und startete 2011 mit seinem Bruder Gorka beim Team Euskaltel-Euskadi. Bei seinem Grand-Tour-Debüt, dem Giro 2012, gewann er auf Anhieb eine Etappe. 2015 siegte er bei der Polen-Rundfahrt, 2016 holte er seine erste Tour-Etappe in Morzine, nachdem er auf der nassen Abfahrt vom Col de Joux Plane attackiert hatte. 2017 stürzte er als Kapitän von Bahrain-Merida beim Tour-Auftakt-Zeitfahren in Düsseldorf und erlitt einen Lendenwirbelbruch.
2019 gewann er die Baskenland-Rundfahrt, ein Heimrennen und für ihn, laut eigener Aussage, das Rennen seines Lebens. Vor allem wenn man rückblickend die Konkurrenz betrachtet ist sein Sieg im Baskenland beeindruckend. Izagirre siegte dort gegen Emanuel Buchmann, der in diesem Jahr Vierter bei der Tour de France wurde und auch Tadej Pogačar musste sich deutlich gegen den Spanier geschlagen geben.
Ein Jahr später folgte eine Vuelta-Etappe, die ihn in den kleinen Kreis der Fahrer mit Etappensiegen bei allen drei Grand Tours brachte. 2023 holte er mit Cofidis seinen zweiten Tour-Etappensieg, wieder aus einem Solo. Nach einem schwierigen Jahr 2025 kehrte Ion Izagirre 2026 zurück, gewann zum dritten Mal den GP Miguel Induráin und im September das Memorial Marco Pantani. Es war der 20. Sieg seiner Karriere.
Bauke Mollema darf sich dort verabschieden, wo er seinen größten Sieg gefeiert hat, bei der Lombardei-Rundfahrt. Ende Juli sagte er schon bei der Clásica San Sebastián den baskischen Fans Adieu und schwärmte von ihnen.
Ion Izagirre hatte sich die Lombardei als Schlusspunkt ausgesucht. Am 30. September stürzte er im Training und brach sich das linke Handgelenk. Sein Team hatte die Saison für ihn schon beendet. Er entschied sich trotzdem, in Italien zu starten, und sagte, es sei nicht das Ende, das er sich vorgestellt habe, aber er wolle sich auf dem Rad verabschieden. Bei der Lombardei war er 2018 Sechster und 2024 Vierter.
Bauke Mollema und Ion Izagirre waren nie die ganz großen Namen des Pelotons. Ihre wichtigsten Siege holten sie aber beide mit mutigen Soloangriffen. Heute enden zwei Karrieren in Como, die den Radsport über Jahre hinweg geprägt haben.

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