Der erste der drei Ardennen-Klassiker steht an und damit ein völlig offenes Rennen. Nach der Wiederaufnahme des Rennens 2017 gab es bis auf Marianne Vos, die das Rennen in dieser Zeit zweimal gewinnen konnte, keine weitere zweifache Siegerin. Von Gesamtklassement-Fahrerinnen bis Klassiker-Spezialistinnen, hier haben stets unterschiedliche Fahrerinnentypen gewonnen. Das macht die Frage nach den größten Favoritinnen gleichzeitig knifflig und spannend. Hier gewinnt auch mal eine Athletin, die vorher nicht ganz oben auf dem Zettel stand.
Beim Amstel Gold Race der Frauen gibt es in diesem Jahr keine herausragende Topfavoritin, stattdessen wirkt das Rennen so offen wie selten. Das ist kaum überraschend: Das wellige Profil mit seinen vielen kurzen, steilen Anstiegen sorgt fast automatisch dafür, dass sich am Ende die stärksten Fahrerinnen durchsetzen. Vor allem das selektive Finale rund um Cauberg und Bemelerberg wird wie gewohnt zur entscheidenden Bühne, nur eben ohne die eine Fahrerin, die aktuell klar über allen anderen steht.
Trotzdem gibt es einen engen Kreis an Namen, die man ganz oben auf dem Zettel haben muss. Demi Vollering zählt auf diesem Terrain nahezu immer zu den heißesten Kandidatinnen: Sie kann Rennen mit Attacken entscheiden, ist taktisch stark und ebenso gefährlich, wenn es aus einer kleinen Gruppe heraus um den Sieg geht. Im vergangenen Jahr konnte die Niederländerin nicht bis ins Finale mithalten, verlor fast zwei Minuten auf die Siegerin. Nach ihrem Sieg bei der Flandern-Rundfahrt zählt sie jedoch trotzdem zu den größten Siegkandidatinnen. Auch das Amstel Gold Race konnte sie schon gewinnen, im Jahr 2023 setzte sie sich im Finale entscheidend ab. Mit Elisa Chabbey, Juliette Berthet und der frisch gebackenen Paris-Roubaix Siegerin Franziska Koch hat sie ein bärenstarkes Team im Rücken. Sollte sich Vollering am Sonntag nicht gut fühlen, können alle drei Helferinnen ebenfalls auf Sieg fahren.
Katarzyna Niewiadoma ist bei solchen Klassikern fast schon ein Garant dafür, in den entscheidenden Momenten vorne dabei zu sein. Die Polin konnte das Rennen 2019 gewinnen, stürzte jedoch bei Mailand-Sanremo. Das Amstel Gold Race ist ihr erstes Rennen nach diesem Sturz, damit besteht also auch eine kleine Ungewissheit über ihre Form und Genesung. Auch Niewiadoma hat eine deutsche Helferin im Team, die zwar für ihre Kapitänin eingeplant ist, aber bei entsprechendem Rennverlauf diese Rolle auch selbst übernehmen könnte: Antonia Niedermaier.
Auch Liane Lippert darf sich Hoffnungen auf ein gutes Ergebnis machen, mit Cat Ferguson steht allerdings eine zweite, mindestens genauso starke Fahrerin im Aufgebot des Movistar Teams. Marianne Vos konnte das Rennen bereits 2021 und 2024 gewinnen, zählt daher auch hier wieder zu den Favoritinnen. Ihr zweiter Platz bei Paris-Roubaix war eine derbe Enttäuschung für die Fahrerin, die fast alles im Profiradsport erreicht hat. Mit diesem Groll im Bauch dürfte sie eine extra Portion Motivation mit zu den Ardennen-Klassikern bringen. 2024 sah es jedoch zunächst so aus als hätte Lorena Wiebes das Rennen gewonnen. Mit erhobenen Armen rollte sie zur Ziellinie, wurde dort aber noch von Vos überholt. Ein gehörgier Denkzettel für die Sprinterin, die sonst nahezu jeden Sprint für sich entscheidet. Daher hat auch Wiebes noch eine Rechnung offen, möchte ihren Fehler wieder geraderücken.
Die Überraschungssiegerin des vergangenen Jahres, Mischa Bredewold, gehört zwar zum erweiterten Favoritinnenkreis, steht jedoch nicht ganz oben auf dem Zettel. Damit gibt es parallelen zum Männerrennen, bei dem Mattias Skjelmose ebenfalls nur zum ausgedehnten Kreis der wahrscheinlichsten Sieganwärter zählt. Wer beim Frauenrennen wieder für Wirbel sorgen dürfte ist Puck Pieterse. Die junge Fahrerin ist für ihren aggressiven Fahrstil bekannt und fuhr in der laufenden Saison starke Ergebnisse ein. Währenddessen hat das Team EF Education - Oatly gleich zwei starke Fahrerinnen dabei. Mit Noemi Rüegg und der Weltmeisterin Magdeleine Vallieres gibt es genug Grund auf ein starkes Ergebnis zu hoffen.
Werkstudent