Sebastian Lindner
· 18.10.2026
Die Bergankunft in Nongla zählt zum Inventar und war bei allen sieben Austragungen der Rundfahrt im Programm. 166 Kilometer bedurfte es dieses Mal, um den Kulminationspunkt des Rennens zu erreichen. Die breiten Straßen lassen die deutlich zweistelligen Steigungsprozente im Finale weniger wild wirken, als sie es sind. So hat hier oft derjenige die Nase vorn, der am längsten wartet. Und das war dieses Mal Widar.
300 Meter vor dem Ziel verschärfte Louis Barré (Team Visma | Lease a Bike) das Tempo aus der Spitze heraus, nur Pidcok und Widar gingen mit. Der Brite setzte noch einen drüber, doch der Weg war immer noch zu weit, sodass es letztlich Widar war, der sich bis zur Ziellinie noch sechs beziehungsweise zehn Sekunden auf seine größten Verfolger herausholte. Als Vierter mit elf Sekunden Rückstand erreichte dann Marco Brenner (Tudor Pro Cycling) das Ziel. Auf den ersten Plätzen spiegelte das Tagesergebnis auch den Stand in der Gesamtwertung wider.
“Es sind meine ersten Siege auf der WorldTour”, sagte Widar, der erst vor ein paar Tagen bei Tre Valli Varesine seinen ersten Erfolg überhaupt als Profi feiern konnte. “Es fühlt sich irgendwie unreal an, einige der großen Jungs hier geschlagen zu haben. Aber die Woch lief perfekt für uns.” Abgesehen vielleicht von den letzten Kilometern dieser Rundfahrt, aber am Ende gibt auch hier der Sieg recht. “20 Kilometer vor dem Ziel wollte ich pinkeln und war am Ende des Feldes. Ob wohl die Straßen ja so breit sind, habe ich sehr lange gebraucht, um wieder nach vorne zu kommen. Ich konnte also gar nicht viel eher angreifen, als es am Ende der Fall war. Als es dann mit den Angriffen der anderen losging, habe ich gemerkt, dass ich noch zulegen kann. Und ich wollte am Ende auch um jede Sekunde kämpfen, weil ich nicht genau wusste, wie die Lage hinter mir war.”
Zufrieden war letztlich auch Brenner, der sich vor allem in der zweiten Jahreshälfte als erfolgreichster deutscher Profi im Peloton etablierte. “Ich freue mich sehr, die Tour of Guangxi mit einem starken Ergebnis abzuschließen. Der vierte Platz auf der letzten Etappe und der vierte Platz in der Gesamtwertung sind ein positiver Abschluss des Rennens und ein schöner Abschluss einer erfolgreichen Saison”, so der Augsburger.
Eine fünfköpfige Ausreißergruppe mit den drei Belgiern Laurenz Rex (Soudal Quick-Step), Jonas Rickaert (Alpecin - Premier Tech) und Arjen Livjns (XDS Astana Team) sowie Martin Urianstad Bugge (Uno-X Mobility) aus Norwegen und dem Chinesen Yutao Shen (Nationalteam) löste sich früh und bestimmte den Tag bis zum Schlussanstieg.
Als das Terrain fünf Kilometer vor dem Ziel zu steigen begann, waren Bugge, Rickaert und Livjns noch eine halbe Minute vor dem Feld, doch das Thema sollte sich schnell erledigt haben. Als letzter Ausreißer sollte der Bugge am letzten Renntag seiner Karriere 3600 Meter vor dem Ziel gestellt sein.
Einen ersten Vorstoß wagte dann Joseph Pidcok, Bruder und Teamkollege von Tom. Remy Rochas (Groupama - FDJ United) übernahm nach dem Briten die Spitze, während im Feld schnell ein Ausscheidungsfahren einsetzte. Der Franzose erkämpfte sich ein paar Sekunden und schaffte es bis 1800 Meters vors Ziel, ehe Peter Øxenberg (Netcompany INEOS) die Führung übernahm, als es erstmals steil wurde.
Der 20 Jahre alte Däne schien die Konkurrenz überrascht zu haben, die Lücke zum von Vorjahressieger Paul Double (Team Jayco AlUla) angeführten Verfolgern ging weit auf. Als es erneut steil wurde, war es dann Barré, der die Gruppe zurückbrachte. 300 Meter waren da noch zu fahren. Der Franzosen setzte sich mit Pidcock und Widar am Hinterrad ab, konnte dann aber den anderen beiden nicht folgen.
Als Pidcock das Tempo verschärfte, blieb nur Widar dran. Doch nur für einen Moment, denn dann flog der Belgier vorbei und sicherte sich mit einem Kraftsprint auf den letzten Metern den Sieg mit einigen Radlängen Vorsprung. Unter den Verfolgern hatte Brenner fast noch zu Barré aufgeschlossen und wurde so Vierter
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