Sebastian Lindner
· 14.05.2026
Kurz bevor das Feld hatte es zu tröpfeln begonnen, was die Situation auf der gepflasterten 180-Grad-Kurve unkontrollierbar machte. Während Groenewegen, der hinter seinem Anfahrer an zweiter Stelle um die letzte Kehre 600 Meter vor dem Ziel fuhr, auf der Außenbahn der Kurve wegrutschte und alle anderen Favoriten hinter ihm ebenfalls vom Rad mussten oder zumindest aufgehalten wurden, blieb Ballerini auf der Innenbahn auf dem Rad. Auch Jasper Stuyven (Soudal Quick-Step) schlüpfte unbeschadet durch und ging am Hinterrad des Italieners auf die Zielgerade. Dem Spurt des 31-Jährigen, der damit für den ersten Tagessieg für die Gastgeber im Laufe der Rundfahrt sorgte, konnte der Belgier aber nichts entgegensetzen.
“Ich habe schon damit geliebäugelt, eine Etappe hier beim Giro zu gewinnen”, sagte Ballerini, der mit guter Form nach Italien gereist war, im Siegerinterview. “Aber heute war das nicht der Plan. Wir wollten für Matteo Malucelli sprinten. Ich habe versucht, alles für ihn zu geben. Aber als wir in die letzte Kurve gefahren sind, habe ich gesehen, dass die ersten zwei Fahrer gestürzt sind. Ich bin auf die Zielgerade gefahren und im Radio haben sie zu mir gesagt: Go, go, go! Ich bin losgesprintet und habe gehofft, dass das Ziel schnell näherkommt.”
Die Nummer ging auf, Ballerini feierte den zwölften Sieg seiner Karriere. Neben dem Gewinn des Omloop Nieuwsblad 2021 ist es sein größter Erfolg. Das Astana-Team avanciert mit dem zweiten Tagessieg zur erfolgreichsten Mannschaft. Doch die Freude war nicht überall groß. Vor allem Milan und Pascal Ackermann (Team Jayco AlUla) kritisierten den Veranstalter im Nachgang für das Finale, das unnötig kompliziert gestaltet wurde.
In der Gesamtwertung änderte sich nach 141 Kilometern von Paestum nach Neapel wenig. Afonso Eulalio (Bahrain - Victorious) verteidigte problemlos das Rosa Trikot. Die Etappe war über weite Strecken ereignislos, auch eine Spitzengruppe hatte sich nur mit Mühe gefunden. Das wird sich morgen ändern. Am Blockhaus steht die erste Bergankunft der Rundfahrt auf dem Programm.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | XDS Astana Team | 03:19:30 |
| 2 | Soudal Quick-Step | +00:00:00 |
| 3 | Soudal Quick-Step | +00:00:00 |
| 4 | Alpecin - Premier Tech | +00:00:00 |
| 5 | Netcompany INEOS | +00:00:00 |
| 6 | Bahrain - Victorious | +00:00:00 |
Das Interesse an einer Ausreißergruppe auf der 6. Etappe war äußerst gering. Nach einigen Kilometern fand sich dann plötzlich das Alpecin-Duo Luca Vergallito und Edward Planckaert vor dem Feld, fuhr eine knappe Minute vor dem Feld. Zur ersten und einzigen Bergwertung des Tages (4. Kategorie) schlossen die drei Italiener Manuele Tarozzi, Martin Marcellusi (beide Bardiani - CSF - 7 Saber) und Mattia Bais (Polti - VisitMalta) auf.
Während sich Bais oben die Punkte sicherte, stürzte kurz darauf Nico Denz, als ihm sein Vorderrad in einer Kurve einfach wegrutschte. Der Red-Bull-Profi sah benommen aus, setzte das Rennen aber fort. In Felix Engelhardt (Team Jayco AlUla) hatte bereits ein Deutscher vor der Etappe das Rennen aufgegeben.
War der Vorsprung der Ausreißer danach schon auf 20 Sekunden geschrumpft, ging die Lücke in der Folge dann etwas auf, knackte aber die Minutenmarke auch nicht. 80 Kilometer vor dem Ziel setzte dann auch Regen ein, der sich aber relativ schnell wieder verzog. Am Zwischensprint 49 Kilometer vor dem Ziel erreichte Tarozzi sein persönliches Tagesziel, sammelte zwölf Punkte ein und baute damit seine Führung in der entsprechenden Wertung aus. Danach war es mit der Motivation in der Gruppe aber auch schnell wieder dahin. 37 Kilometer vor dem Ziel waren sie gestellt.
Am Red Bull Kilometer 24 Kilometer vor dem Ziel hielten sich die Klassementfahrer zurück. Die italienischen Teams kämpften um die Punkte, nicht um die Sekunden. Danach lag der volle Fokus auf dem Finale. Doch auch das konnte den Sturz in der Finalen Kurve nicht verhindern. Auf dem Kopfsteinpflaster rutschten zahlreiche Profis weg - es hatte kurz zuvor begonnen zu nieseln. So gingen Ballerini und Stuyven, die innen an den Gestürzten durchschlüpften, mit großem Abstand auf den Rest auf die letzten 600 Meter. Im Sprint hatte der Italiener dann die besseren Karten für sich.