Sebastian Lindner
· 13.05.2026
Sowohl Arrieta als auch Eulalio stürzten im Finale. Erst erwischte es 15 Kilometer vor dem Ziel den Tagessieger, womit Eulalio bereits wie der sichere Sieger aussah. Als der später ebenfalls zu Fall kam, waren beide wieder auf Augenhöhe. Gut zwei Kilometer schien das Pendel dann endgültig für den neuen Gesamtführenden auszuschlagen, als Arrieta sich erneut versteuerte und eine falsche Straße nahm. Doch auch das konnte den Basken nicht vom Sieg abhalten.
“Ich weiß nicht wirklich, was ich sagen soll. Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg, er bedeutet mir viel”, sagte er im Siegerinterview. “Ich habe auch nach meinen Sturz noch an den Sieg geglaubt und wusste, dass ich es bis zum Ende versuchen muss. Nach so einem harten Tag weiß man nie, was passiert. Ich war im letzten Kilometer komplett leer, Eulalio ging es aber gleich. Wir hätten beide den Sieg verdient, am Ende habe ich es geschafft. Als ich ihn auf den letzten beiden Kilometern verloren hatte, dachte ich mir: Das kann jetzt nicht sein. Als ich dann wieder an seinem Hinterrad war, wusste ich, dass ich vielleicht eine Etappe gewinnen kann.”
Eulalio konnte sich derweil mit Rosa trösten, denn die Favoritengruppe hatte spätestens nach dem schweren Anstieg gut 50 Kilometer vor dem Ziel die Verfolgung eingestellt und kam mit mehr als sieben Minuten Rückstand ins Ziel. Da nützte es auch nichts, dass Giulio Ciccone (Lidl - Trek) im Maglia Rosa selbst die Führungsarbeit übernahm. “Im Moment kann ich es noch nicht fassen, es fühlt sich sehr unwirklich an. Der ganze Tag war verrückt”, sagte der neue Gesamtführende. “Es war unglaublich hart durch das Wetter und die Anstiege. Ich habe mich zeitweise richtig schlecht gefühlt, aber so wird es heute allen gegangen sein.”
203 Kilometer waren von Praia a Mare nach Potenza zu absolvieren, der Großteil davon im Dauerregen bei kühlen Temperaturen. Der kommende Tag dürfte derweil wieder etwas gemächlicher werden. In Neapel dürften im Normallfall wieder die Sprinter am Zug sein. Arrieta, der seinen zweiten Sieg als Profi feierte, und Eulalio werden es nach dem Ritt auf dem fünften Teilstück des Giros etwas ruhiger angehen lassen können.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | UAE Team Emirates - XRG | 05:07:51 |
| 2 | Bahrain - Victorious | +000:00:02 |
| 3 | XDS Astana Team | +000:00:51 |
| 4 | Movistar Team | +000:01:29 |
| 5 | XDS Astana Team | +000:01:30 |
| 6 | Soudal Quick-Step | +000:01:30 |
Über den ersten Anstieg des Tages nach Prestieri bildete sich die Gruppe des Tages. Schrittweise sammelten sich zwölf Fahrer, unter ihnen der Beste in der Gesamtwertung, Einer Rubio (Team Movistar) mit nur zehn Sekunden Rückstand auf Rosa, Ben Turner (Netcompany INEOS), Victor Campenaerts (Team Visma | Lease a Bike) oder auch Vortagessieger Jhonatan Narvaez (UAE Team Emirates - XRG). Etwas später gesellte sich in Darren Rafferty (EF Education - EasyPost) noch ein Einzelkämpfer dazu.
Im flachen Mittelteil der Etappe pendelte der Vorsprung der Gruppe zwischen 1:30 und etwas mehr als drei Minuten. Das alles passierte bei niedrigen Temperaturen und Dauerregen. Kurz bevor es in den Anstieg zum Montagna Grande di Viggiano (2. Kategorie) ging, löste sich Igor Arrieta (UAE Team Emirates - XRG) aus der Spitzengruppe. Im steilen Anstieg zerpflückten sich die Verfolger dann. 52 Kilometer vor dem Ziel hatte Afonso Eulalio (Bahrain - Victorious) die Lücke zu Arrieta wieder geschlossen.
Das Duo schaffte es auch gemeinsam über die Bergwertung, machte auf den folgenden Kilometern aus zwei dann sogar dreieinhalb Minuten Voirsprung, weil sich Red Bull, das die Tempoarbeit Mitte der Etappe von Lidl - Trek übernommen hatte, wieder von der Spitze des Feldes verabschiedete. In Koen Bouwman (Team Jayco AlUla), Johannes Kulset (Uno-X Mobility) und Andrea Raccagni (Soudal Quick-Step) machte sich ein Trio dann eigenständig auf die Verfolgung.
Aufschließen sollten die nach vorne aber nicht mehr. Eulalio und Arrieta hatten am Red Bull Kilometer 28 Kilometer vor dem Ziel knapp drei Minuten Vorsprung auf dieses Trio, mehr als fünf Minuten aufs Hauptfeld. Nur die weiteren Ex-Mitglieder der Gruppe des Tages Thomas Silva, Christian Scaroni (beide XDS Astana), Gianmarco Garofoli (Soudal Quick-Step) und Lorenzo Milesi (Movistar Team) waren mit einer Minute Rückstand noch halbwegs in Schlagdistanz.
Etwa 15 Kilometer stürzte Arrieta in einer nassen Abfahrt. Er verletzte sich aber kaum, sprang schnell wieder aufs Rad. Dennoch schien der Tagessieg weg. Allerdings rutschte sechs Kilometer vor dem Ziel auch Eulalio weg und musste zu Boden. So absolvierte das spanisch-portugiesische Duo den Weg bis ins Ziel wieder gemeinsam, die weiteren Verfolger konnten daraus kein Kapital schlagen. Gut 2000 Meter vor dem Ziel versteuerte sich Arrieta erneut und fuhr in eine mit Absperrband zugemachte Straße.
Doch auch das sollte noch nicht das Ende gewesen sein. Denn auf der leicht ansteigenden Zielgeraden schaffte er 150 Meter vor dem Ziel erneut den Anschluss zum komplett ausgepumpten Eulalio, der sich nicht mehr wehren konnte und seinem ungläubigen Kontrahenten nur noch zum Sieg gratulieren konnte.