Sebastian Lindner
· 17.05.2026
Der Österreicher war wie schon am Blockhaus der Einzige, der halbwegs mit Vingegaard mitfahren konnte. Erst 700 Meter vor dem Ziel konnte der Topfavorit auf den Gesamtsieg auch seinen letzten Rivalen abschütteln. Gall war es derweil gewesen, der 2,4 Kilometer vor dem Ziel die entscheidende Attacke gesetzt hatte. Als der 28-Jährige in die Offensive ging, flog die verblieben Favoritengruppe komplett auseinander.
Mit seinem zweiten Etappensieg der laufenden Rundfahrt hat Vingegaard, der selbst im Bergtrikot unterwegs ist, seinen Abstand auf den Mann im Maglia Rosa weiter verkürzt. Von Afonso Eulalio (Bahrain - Victorious) trennen ihn noch 2:24 Minuten. Aber auch der Portugiese zeigte erneut eine starke Leistung und kam als Fünfter 41 Sekunden hinter dem Sieger ins Ziel.
Damit war er besser als die Red-Bull-Doppelspitze Jai Hindley und Giulio Pellizzari. Der Australier musste 50 Sekunden Rückstand hinnehmen, Pellizzari sogar 1:28 Minuten. Wie zu hören war, soll der junge Italiener aber mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen haben, die seinem Abschneiden einen anderen Geschmack verleihen. In der Gesamtwertung verloren beide an Boden auf die GC-Konkurrenz, Hindley ist Fünfter, Pellizzari Neunter.
Vingegaards zweiter Tagessieg beim Giro war gleichzeitig der 50. seiner Profikarriere. “Das ist zweifellos ein Meilenstein”, sagte er auf der Pressekonferenz nach dem Rennen. Es ist eine ganze Menge für mich und etwas, worüber ich mich riesig freue. Wir wollten eigentlich defensiver fahren, da wir bereits einen Mann weniger haben und am Blockhaus viel Energie verbraucht haben, aber Decathlon hat den ganzen Tag über das Tempo bestimmt. Dann war das hohe Tempo am Anstieg besser für mich, und als die Ausreißergruppe in Reichweite war, habe ich mich gefreut, anzugreifen und den Sieg zu holen.” Dass sein gesamtes Team nicht arbeiten musste, spiegelte sich dann auch im Klassement wider. Seine Helfer Davide Piganzoli und Sepp Kuss belegten die Plätze drei und acht und schnitten damit besser ab als Teile der GC-Fahrer.
Nun wartet der zweite Ruhetag der Rundfahrt auf die Fahrer. Gleich danach geht es auf der 10. Etappe ambitioniert mit dem 42 Kilometer langen Zeitfahren weiter.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | Team Visma | Lease a Bike | 04:20:21 |
| 2 | Decathlon CMA CGM Team | +000:00:12 |
| 3 | Team Visma | Lease a Bike | +000:00:34 |
| 4 | Netcompany INEOS | +000:00:34 |
| 5 | Bahrain - Victorious | +000:00:41 |
| 6 | Lidl - Trek | +000:00:46 |
Ein Trio mit Edward Planckaert (Alpecin-Premier Tech), Lorenzo Milesi (Movistar Team) und Davide Ballerini (XDS Astana Team) machte sich früh auf den Weg, um den 184 Kilometer langen Tag mit Start in Cervia zu bestimmen. Doch wie auf der Etappe zuvor ließ das Feld die Gruppe nicht wirklich weg. Erst ein zweiter Vorstoß war dann erfolgreich. Acht Mann, wieder mit Ballerini und Milesi, konnten dann aber wegfahren und fuhren sich bis zu drei Minuten heraus. Mit dabei waren auch Kletterer wie Milesis Teamkollege Einer Rubio oder Mattia Bais (Team Polti VisitMalta). Maximal drei Minuten waren für die Ausreißer drin.
Die Rennsituation änderte sich 74 Kilometer vor dem Ziel, als an der ersten Welle des Tages Giulio Ciccone (Lidl - Trek), Diego Ulissi (XDS Astana Team) und Toon Aerts (Lotto - Intermarché) aus dem Feld absetzten. Kurz vor dem Zwischensprint in Marzabotto dockten die vorne an, brachten aber nur noch 70 Sekunden Vorsprung mit.
In der Anfahrt auf den finalen Kletterakt wuchs die Differenz zwischen Spitze und Feld aber nochmal auf mehr als zwei Minuten an. Über den ersten Anstieg der 3. Kategorie 17 Kilometer vor dem Ziel trennte sich die Gruppe, die drei Neuen und das Movistar-Duo Milesi und Rubio blieben dran. Als es in den Schlussanstieg ging, machten Ciccone und Rubio ihr Ding, bei etwas weniger als acht Kilometern ließ der Italiener auch Rubio hinter sich, weil die Favoritengruppe ihren Rückstand auf eine Minute verringert hatte.
Aus deren Kreis musste sich recht bald Giulio Pellizzari (Red Bull - BORA - hansgrohe) verabschieden. Als 2,4 Kilometer vor dem Ende Gall nach langer Führungsarbeit seines Teams zur Attacke blies, vereinzelte sich das gesamte Konstrukt. Dem Österreicher konnte nur Vingegaard folgen. 500 Meter später waren sie bereits bei Ciccone, der in der Folge noch bis Rang elf durchgereicht wurde.
Auf den letzten 700 Metern verlor Gall dann das Hinterrad von Vingegaard, der daraufhin als Solist seinem zweiten Tagessieg beim Giro entgegenfuhr. Hinter ihm und dem Österreicher legte sein Teamkollege Piganzoli noch einen starken Schlusssprint hin, mit dem er sich noch Rang drei sicherte und Thymen Arensman (Netcompany INEOS) um die Bonussekunden brachte.