Giro d’Italia - 7. EtappeVingegaard untermauert am Blockhaus seine Favoritenstellung

Sebastian Lindner

 · 15.05.2026

Giro d’Italia - 7. Etappe: Vingegaard untermauert am Blockhaus seine FavoritenstellungFoto: Getty Images / Tim de Waele
Jonas Vingegaard gewinnt am Blockhaus seine erste Giro-Etappe.
Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike) hat auf der 7. Etappe des Giro d’Italia die erste Bergankunft der Rundfahrt gewonnen. Der Däne setzte die entscheidende Attacke Mitte des Schlussanstieges und distanzierte alle seine Konkurrenten bis auf Felix Gall (Decathlon CMA CGM) deutlich. Der Österreicher erreichte das Ziel mit nur 13 Sekunden Rückstand.

Themen in diesem Artikel

Nach seinem ersten Etappensieg beim Giro zählt Vingegaard nun zu dem Kreis der gut 100 Fahrer, die bei allen Grand Tours mindestens einen Tagessieg feiern konnte. Gewinnt er am Ende auch die Rundfahrt, wird der Kreis, in den er dann nach Tour- und Vueltasieg aufsteigen würde, deutlich kleiner. Seine Favoritenstellung für den Gesamtsieg hat der 29-Jährige am Blockhaus jedenfalls eindrucksvoll untermauert.

In Rosa ist Vingegaard aber noch nicht. Gesamtführender ist weiter Afonso Eulalio (Bahrain - Victorious), der zwar die Hälfte seines Vorsprungs am Blockhaus einbüßte, aber immer noch 3:17 Minuten Polster auf den Visma-Kapitän hat, der nun Zweiter ist. “Heute ist ein großer Tag für mich”, sagte Vingegaard nach dem Rennen. “Ich habe meine erste Etappe beim Giro gewonnen. Und ich freue mich, dass ich Zeit auf das Rosa Trikot und meine Konkurrenten gutmachen konnte.”

Mindestens eine Minute fuhr Vingegaard auf die versammelte Konkurrenz heraus, ausgenommen Gall. Der neue Dritte der Gesamtwertung, 3:34 Minuten hinter Rosa, musste den Überflieger bei dessen Attacke rund um die Sechs-Kilometer-Marke ziehen lassen. Als Vingegaard angriff, ging zunächst nur Giulio Pellizzari (Red Bull - BORA - hansgrohe) mit. Doch der junge Italiener sollte das keine 2000 Meter später bereuen. Denn Vingegaard hielt das Tempo die ganze Zeit hoch. Und als Pellizzari dann doch abreißen lassen musste, gingen ihm die Beine richtig auf. Auch das Tempo von Gall, der ihn kurz darauf einholte, konnte er nicht mehr halten. Er fiel in die Gruppe dahinter mit seinem Teamkollegen Jai Hindley und Ben O’Connor zurück.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Hindley, der 2022 die letzte Bergankunft am Blockhaus gewonnen hatte, wurde schließlich mit 1:02 Minuten Rückstand Dritter, Pellizzari drei Sekunden dahinter Vierter.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Giro d’Italia 2026 - Ergebnisse der 7. Etappe



So lief die 7. Etappe des Giro d’Italia 2026

Das Profil der 7. Etappe des Giro d’Italia 2026Foto: RCSDas Profil der 7. Etappe des Giro d’Italia 2026

Die mit 244 Kilometern längste Etappe der Rundfahrt wollte ein Sprinter mitbestimmen. Zumindest zum Teil. Jonathan Milan (Lidl - Trek) initiierte die Ausreißergruppe des Tages und fand im Bergtrikot Diego Pablo Sevilla (Team Polti VisitMalta), Tim Naberman (Team Picnic PostNL), Jardi Christiaan van der Lee (EF Education - EasyPost) und Nickolas Zukowsky (Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team).

Nach 112 Kilometern sicherte sich Milan sein Tagesziel, den Zwischensprint, um ein paar Punkte auf das Maglia Ciclamino von Paul Magnier (Soudal Quick-Step) gutzumachen. Er fuhr aber weiter bis zum ersten kategorisierten Anstieg des Tages in Roccaraso (2. Kategorie). Dort ließ er es dann etwas ruhiger angehen und fiel zurück. Sevilla sammelte dort seine Punkte für die Bergwertung, die jedoch nicht reichen sollten, um das Trikot auch zu verteidigen, denn Vingegaard kassierte am Blockhaus 50 Punkte und liegt damit einen Zähler vor dem Spanier. Der Vorsprung des verbliebenen Quartetts lag bei sechs Minuten. In der Folge begann es zu regnen. Im Auf und Ab bis zum Schlussanstieg verkürzten Bahrain - Victorious und Visma | Lease a Bike den Abstand auf die Ausreißer deutlich. 30 Kilometer vor dem Ziel, mitten in einer Abfahrt, waren nur noch knapp drei Minuten übrig.

Gall macht im Finale sogar Boden gut

Bis zum Schlussanstieg reduzierte sich der Abstand weiter, was dann bald aber keine Rolle mehr spielen sollte, denn es wurde schnell klar, dass der Vorsprung keineswegs für den Kampf um den Etappensieg reichen würde.

Etwas mehr als sechs Kilometer vor dem Ziel wurden van der Lee und Zukowsky dann von der klein gewordenen Favoritengruppe gestellt. Kurz darauf attackierte dann Vingegaard. Während sich Pellizzari an dessen Hinterrad kämpfte, merkte Gall schnell, dass ihm dieser Versuch teuer zu stehen kommen würde und brach ab. Alle anderen konnten überhaupt nicht reagieren. Obwohl Vingegaard das Tempo weiter verschärfte, blieb Pellizzari zunächst dran, musste dann aber knapp zwei Kilometer später doch reißen lassen.

Er hatte sich übernommen und merkte das schnell, als er auch Gall, der ihn kurz darauf einholte, nicht mehr folgen konnte. Während der 28-Jährige den Abstand zum Spitzenreiter konstant hielt und im Finale sogar noch ein paar Sekunden gutmachen konnte, ließ sich Pellizzari zum nächsten Duo dahinter, bestehend aus Hindley und O’Connor zurückfallen. Hindley übernahm die Tempoarbeit in der Gruppe, was durchaus entscheidend war, denn weite Teile des baumlosen Anstiegs mussten bei starkem Gegenwind gefahren werden. Zuvor hatten sich, als die Gruppen noch größer waren, deshalb teilweise sogar Windstaffeln gebildet.

Vingegaard erreichte das Ziel nach über sechs Stunden Fahrzeit. Für den Blockhaus-Anstieg benötigte er weniger als 40 Minuten, womit er den alten Rekord aus dem Jahr 2017 von Nairo Quintana knackte. Dessen Landsmann Egan Bernal (Netcompany INEOS) erwischte dagegen keinen guten Tag. Genau wie Enric Mas (Movistar Team) zählte er schon nicht mehr zur Spitzengruppe, als die letzten Ausreißer gestellt wurden. Bernal schaffte es danach immerhin noch in die Gruppe des Rosa Trikot mit drei Minuten Rückstand auf den Sieger. Mas kassierte das Doppelte an Zeit.

Meistgelesen in der Rubrik Profi - Radsport