Leon Weidner
· 17.08.2026
Die Lidl Deutschland Tour feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum und führt von Mittwoch bis Sonntag von Bad Orb nach Heilbronn durch Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Strecke ist dabei abwechslungsreich und mit einigen anspruchsvollen Anstiegen gespickt.
Genau das macht die Deutschland Tour so interessant: Hier können ganz unterschiedliche Fahrertypen um den Gesamtsieg kämpfen. Im vergangenen Jahr gewann mit Søren Wærenskjold sogar ein Sprinter die Rundfahrt, vor den beiden Klassiker-Spezialisten Jhonatan Narváez und Riley Sheehan.
In diesem Jahr dürfte es für die schnellen Männer allerdings schwieriger werden. Die Fahrer müssen über die fünf Tage viele Höhenmeter bewältigen, sodass am Ende wohl kein Sprinter ganz oben auf dem Podium stehen wird.
Mit grade einmal 2,6 Kilometern ist der Prolog wahrlich kein langer Auftakt zur Deutschland Tour. Flach ist allerdings anders. Von Beginn an geht es bergauf, bis bei knapp Kilometer 1 der höchste Punkt erreicht wird, von dem es bergab ins Ziel geht. Die kurzen Prologe liegen den Sprintern und starken Klassiker-Fahrern, mit einem solchen Sieger ist auch diesmal zu rechnen.
So kurz der Auftakt der deutschen Rundfahrt ist, so lang müssen die Profis am ersten echten Renntag im Sattel sitzen. Über 215 Kilometer und das bei ständigem Auf und Ab. Die finalen zwei Kilometer führen das Feld dann noch einmal bergauf, im Schnitt sind es über 3 Prozent. Fahrer mit Stehvermögen dürften hier nach einem langen Tag ihre Chance wittern. Die zweite Etappe ist dafür eher flach. Nachdem während der ersten Hälfte einige Wellen absolviert werden müssen, gilt es für die Sprinter. Kaum noch Höhenmeter stehen bevor, alles außer einem Massensprint wäre eine Überraschung.
Fünf kategorisierte Anstiege mit einem Finale in Bad Dürkheim. Das ist die Königsetappe der diesjährigen Deutschland Tour. Die größte Herausforderung heißt Kalmit und wird gleich zweimal überfahren. 5,2 Kilometer bei 7,5 Prozent, das ist wahrlich kein Rolleranstieg. Auch der Annaberg, der kurz vor dem Ziel zweimal bewältigt werden muss, ist kein Kinderspiel. Er ist zwar nicht lang, aber mit 6,2 Prozent könnte hier die Entscheidung des Tages fallen. Falls nicht, entsteht hier eine Gruppe, aus der der spätere Sieger hervorgeht.
Die Finale Etappe nach Heilbronn kommt mit 156 Kilometern eher kurz daher. Doch auch hier sind Veränderungen durchaus möglich. Der Anstieg zum Jägerhaus, im Heilbronner Stadtwald zur Waldheide, wartet mit Passagen über 8 Prozent Steigung, hat im Schnitt 5,3 Prozent und führt über 2,2 Kilometer hinauf bis zum Jägerhaus. Auf den zwei Runden direkt bei Heilbronn, wird dieser Anstieg dreimal gefahren. Die letzte Bergwertung liegt 12 Kilometer vor der Ziellinie, eine Solofahrt, die sich anbietet.
Durch das wellige Profil und die vergleichsweise offene Streckenführung kommt in diesem Jahr eine ganze Reihe von Fahrern für den Gesamtsieg in Frage. Sicher ist nur: Es wird einen neuen Gewinner geben. Das Team des Titelverteidigers Søren Wærenskjold, Uno-X Mobility, steht 2026 nicht am Start, weshalb der Vorjahressieger seinen Erfolg nicht verteidigen kann.
Zu den aussichtsreichsten Kandidaten zählt dagegen Jhonatan Narváez. Der Ecuadorianer wurde 2025 Zweiter der Deutschland Tour und hat in dieser Saison bereits mehrfach seine Klasse unter Beweis gestellt. Das etwas schwerere Profil dürfte ihm entgegenkommen, allerdings muss auch er die langen Anstiege auf der dritten Etappe schadlos überstehen. Teamkollege Adam Yates bringt zwar die größten Rundfahrterfolge im Feld mit, für einen Gesamtsieg wäre aber wohl ein besonders hartes Rennen nötig.
Auch Lidl-Trek reist mit mehreren heißen Eisen im Feuer an. Giulio Ciccone fühlt sich auf klassikerähnlichem Terrain wohl und dürfte auf den selektiven Etappen zu den stärksten Fahrern gehören. Mathias Vacek wiederum bringt wie Yates das Nötige für die längeren Anstiege mit. Aus deutscher Sicht ruhen die Hoffnungen zudem auf Max Walscheid, auch wenn die vielen Höhenmeter seine Siegchancen eher begrenzen dürften.
Spannend wird auch der Auftritt der deutschen Nationalmannschaft. Für alle deutschen Topfahrer, deren Teams nicht an der Deutschland Tour teilnehmen, bietet sie eine zusätzliche Startmöglichkeit. Mit Jonas Rutsch und Georg Zimmermann stehen bereits zwei Fahrer fest, denen das Profil entgegenkommen sollte. Ein Gesamtsieg der Nationalmannschaft wäre zwar eine Überraschung, völlig ausgeschlossen ist er bei dieser offenen Streckenführung aber nicht.
*Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels steht die Startliste noch nicht fest.
Die Lidl Deutschland Tour wird 2026 auf ARD und ZDF live im Fernsehen übertragen. Gezeigt wird dabei jeweils die Schlussphase, die Sender teilen die Etappen unter sich auf. Ein Livestream des Prologs, der nicht im TV läuft, ist auf der Seite des hessischen Rundfunks und der Sportschau zu finden. Auf der Sportschauseite gibt es auch zu jeder Etappe einen Livestream. Einen kostenpflichtigen Livestream gibt es zusätzlich für den Prolog und alle vier Etappen auf discovery+.
| Etappe | TV-Sender | Übertragungsstart |
| 1. Etappe | ARD | 14:05 Uhr |
| 2. Etappe | ZDF | 15:35 Uhr |
| 3. Etappe | ARD | 15:35 Uhr |
| 4. Etappe | ZDF | 15:32 Uhr |

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