Der Kampf um die WorldTourSo funktioniert Auf- und Abstieg im Profiradsport

Leon Weidner

 · 31.08.2026

Der Kampf um die WorldTour: So funktioniert Auf- und Abstieg im ProfiradsportFoto: Getty Images/NurPhoto
Cofidis stieg zu dieser Saison in die ProTour-Kategorie ab. Das Ziel des Teams: zur Saison 2029 wieder in die WorldTour aufsteigen
​Im Kampf um die WorldTour-Lizenzen kann jeder UCI-Punkt über Aufstieg, Abstieg und die Zukunft eines Teams entscheiden. Aber wie funktioniert das Auf- und Abstiegssystem im Profiradsport eigentlich? Wir erklären es!

Themen in diesem Artikel

​In kaum einer anderen Sportart wird so erbittert um jeden einzelnen Platz gekämpft wie im Profiradsport. Dabei geht es längst nicht nur um Etappensiege, Trikots oder Podiumsplätze. Für viele Teams kann selbst Rang 15 bei einem kleineren Rennen von enormer Bedeutung sein. Der Grund: das Auf- und Abstiegsystem der UCI WorldTour.

Viele Fans kennen das Prinzip aus dem Fußball. Ganz ähnlich funktioniert es auch im Radsport, wenn auch mit einigen Besonderheiten. Die besten Mannschaften fahren in der WorldTour, der höchsten Liga des Sports. Darunter befinden sich die ProTeams, die zwar ebenfalls an großen Rennen teilnehmen können, jedoch nicht automatisch zu allen WorldTour-Veranstaltungen eingeladen werden.

WorldTour-Lizenz: Nicht ein Jahr entscheidet

Der wichtigste Unterschied zu klassischen Ligensystemen: Im Radsport entscheidet nicht eine einzelne Saison über Auf- oder Abstieg. Stattdessen betrachtet der Weltradsportverband UCI einen Zeitraum von drei Jahren. Alle Punkte, die die Fahrer eines Teams in diesem Zeitraum sammeln, fließen in die Wertung ein. Am Ende erhält die entsprechende Anzahl an Mannschaften eine WorldTour-Lizenz für die nächste Lizenzperiode.

Dadurch soll verhindert werden, dass ein Team wegen einer schwachen Saison oder dem verletzungsbedingten Ausfall eines Topstars direkt seine Existenzgrundlage verliert. Gleichzeitig werden konstante Leistungen über mehrere Jahre belohnt. Die nächste Periode beginnt in der Saison 2029, die Teams haben also noch die nächsten beiden Saisons Zeit, um fleißig weiter Punkte zu sammeln.

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Wie werden die Punkte gesammelt?

UCI-Punkte gibt es bei nahezu allen professionellen Rennen. Die größten Rundfahrten und Monumente der WorldTour bringen naturgemäß die meisten Zähler, doch auch kleinere Rennen, nationale Meisterschaften oder gute Platzierungen in Etappen können wichtig werden.

Besonders interessant: Nicht nur Siege zählen. Für Teams im Abstiegsbereich kann es entscheidend sein, regelmäßig Fahrer unter die Top Ten oder Top 20 zu bringen. Deshalb sieht man häufig Mannschaften, die selbst in scheinbar bedeutungslosen Rennsituationen noch um einzelne Positionen sprinten. Jeder Punkt kann am Ende den Unterschied machen.

Die 20 besten Fahrer zählen

Für die Teamwertung werden nicht sämtliche Fahrer eines Kaders berücksichtigt. Stattdessen zählt die UCI pro Saison die Punkte der 20 erfolgreichsten Fahrer einer Mannschaft zusammen. Diese Werte werden anschließend über den gesamten Dreijahreszeitraum addiert. Das ergibt die entscheidende Rangliste.

Dadurch entsteht eine interessante Dynamik. Teams sind nicht ausschließlich von einem Superstar abhängig. Vielmehr profitieren jene Mannschaften der WorldTour und ProTour, die über einen breiten Kader verfügen und das gesamte Jahr über Punkte sammeln können.

Warum die WorldTour so wichtig ist

Eine WorldTour-Lizenz bedeutet vor allem Planungssicherheit. Die Teams erhalten automatische Startrechte bei den wichtigsten Rennen der Welt, darunter die Tour de France, der Giro d'Italia und die Vuelta a España. Das macht die Teams für Sponsoren deutlich attraktiver.

Fällt eine Mannschaft hingegen in die ProTeam-Kategorie zurück, ist sie bei vielen Rennen auf Wildcards angewiesen. Das kann erhebliche Auswirkungen auf Sponsorenverträge, Budgets und Fahrertransfers haben.

Warum selbst kleine Rennen plötzlich wichtig werden

Genau deshalb verfolgen Teammanager die UCI-Rangliste oft genauso aufmerksam wie die Ergebnisse der großen Rundfahrten. Während Fans vor allem auf die Siege der Stars schauen, rechnen die Verantwortlichen im Hintergrund jeden Punkt zusammen.

Ein Etappensieg bei der Tour de France bringt zwar enorme Aufmerksamkeit. Für manche Mannschaften können aber auch mehrere Top-Ten-Platzierungen bei kleineren Rennen Gold wert sein. Wer über drei Jahre hinweg konstant punktet, erhöht die Chancen auf den Verbleib in der WorldTour erheblich.

Ein Kampf, der das gesamte Peloton prägt

Der Auf- und Abstiegskampf ist deshalb weit mehr als nur eine Randnotiz. Er beeinflusst Transferentscheidungen, Rennprogramme und sogar die Taktik innerhalb eines Rennens. Während die Fans um Gelbe, Rosa oder Rote Trikots mitfiebern, läuft im Hintergrund ein weiterer Wettbewerb, der über die Zukunft ganzer Teams entscheiden kann. Denn im modernen Profiradsport zählt eben nicht nur, wer gewinnt. Manchmal kann auch ein einzelner UCI-Punkt Millionen wert sein.

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Leon Weidner

Leon Weidner

Redakteur

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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